London (dpa) - Die neue griechische Regierung spricht sich für eine Abkehr vom harten Sparen und für neue Schuldenregelungen aus. Zumindest von der Forderung nach einem Schuldenschnitt scheint sie aber langsam Abstand zu nehmen.

Griechenlands neuer Finanzminister Gianis Varoufakis hat eine mögliche Abkehr vom geforderten Schuldenschnitt für sein Land angedeutet. Statt des bisher geforderten Schuldenerlasses sei nun auch "eine Liste von Umschuldungsmaßnahmen" möglich, um die Schuldenlast Griechenlands zu erleichtern, sagte Varoufakis am Montagabend im Gespräch mit der "Financial Times". Dazu brachte der Minister auch neue Anleihen ins Gespräch, ebenso wie eine schärfere Politik Athens gegenüber Steuerflüchtlingen.

Alexis Tsipras' Pokerspiel hat begonnen. Griechenlands neuer Ministerpräsident geht auf große "Werbetour" in Europa. Seine ersten Stationen: Zypern, Italien, Frankreich. Sein Ziel: Verbündete für seinen Anti-Spar-Kurs gewinnen. Doch wie? Drei Szenarien sind möglich, doch nur eine ist wahrscheinlich.

Seinen Vorschlag für neue Umschuldungsmaßnahmen nannte Varoufakis eine intelligenten Umgang mit den Schulden, der den Begriff "Schuldenschnitt" vermeide, da dieser in Deutschland und anderen Schuldnerländern nicht akzeptabel sei. Varoufakis gab am frühen Dienstagmorgen eine erläuternde Erklärung heraus. Um Griechenland aus der "Schulden-Leibeigenschaft" zu befreien, werde die Regierung (in Athen) nicht zögern, auch "Euphemismen" (beschönigende Bezeichnungen) zu benutzen, hieß es darin.

"Was ich unseren Partnern sagen werde ist, dass wir eine Kombination aus einem primären Haushaltsüberschuss und einer Reformagenda zusammenstellen", sagte Varoufakis im Gespräch mit der britischen Wirtschaftszeitung in London. "Ich werde sagen: Helft uns, unser Land zu reformieren und gebt uns etwas fiskalischen Spielraum dies zu tun." Ansonsten werden das Land "ersticken" und laufe Gefahr, zu einem deformierten anstatt zu einem reformierten Griechenland zu werden.

Griechenland hat Staatsschulden in Höhe von 320 Milliarden Euro. In diesem Jahr wird der Schuldenberg Athens knapp 169 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Vor drei Jahren hatten Privatgläubiger wie Banken bereits einen Schuldenschnitt von 50 Prozent hinnehmen müssen.

Varoufakis sowie der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras werben derzeit in europäischen Hauptstädten für einen veränderten Umgang mit der griechischen Schuldenproblematik. Tsipras kommt am Dienstag in Rom mit dem italienischen Regierungschef Matteo Renzi zusammen. Danach reist er weiter nach Paris und Brüssel.

Tsipras wirbt auf seiner Europa-Tour für den Kurswechsel Athens, die Abkehr vom harten Sparen und eine neue Schuldenregelung. Einen Euroaustritt will er nicht, aber auch nicht mehr die Troika-Sparkontrolleure, wie er bei seiner ersten Station auf Zypern bekräftigte. Vor allem in Berlin beißt er damit auf Granit.

Bereits am Montag hatte Tsipras Zypern besucht und dort für den radikalen Kurswechsel Athens geworben. Varoufakis wollte am Dienstag Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan treffen.