Die engen Verflechtungen zwischen Fußball-Hooligans und der rechtsextremen Szene beschäftigen die deutschen Sicherheitsbehörden. Die zunehmende Überschneidungen beider Szenen gebe "Anlass zu größter Sorge".

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Eine "nicht unerhebliche Zahl von Hooligan- und Ultra-Gruppierungen" verfüge über Mitglieder, "die bereits anderweitig mit rechtsextremistisch motivierten Straftaten aufgefallen sind", heißt es in der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der FDP-Fraktion.

Polizei- und Verfassungsschutzbehörden seien eingeschaltet. Die zunehmenden Überschneidungen in Hooligan- und rechter Szene seien "Anlass zu größter Sorge", sagte FDP-Innenexperte Benjamin Strasser der Nachrichtenagentur AFP.

Das Bundesinnenministerium sprach in seiner Antwort von 244 Menschen, die sowohl in der behördlichen Datei über Gewalttäter im Sport als auch in Dateien über rechtsmotivierte Täter registriert seien. Derartige Schnittmengen seien in anderen Bereichen - etwa im Linksextremismus oder im Islamismus - nicht zu beobachten. Die Regierungsantwort liegt AFP vor.

Allein in den vergangenen zwei Jahren seien Hooligan-Gruppen 69 Mal im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) thematisiert worden, schrieb des Ministerium. In diesem Abwehrzentrum tauschen Polizei- und Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern ihre Erkenntnisse zu bundesweiten Bedrohungsphänomenen aus.

Strasser sieht Vereine in der Pflicht

FDP-Innenexperte Strasser reagierte besorgt auf die Entwicklung. "Wir dürfen es nicht zulassen, dass rechtsextreme Gewalttäter den Fußball für ihre Zwecke kapern", sagte er AFP.

Der Bundestagsabgeordnete forderte Vereine und Fan-Projekte auf, "intensiv daran zu arbeiten, dass sich in ihrem Umfeld keine Extremisten ausbreiten". Der Sport müsse "das bleiben, was er sein sollte: friedlich und bunt".

Die Angaben des Bundesinnenministeriums legen die Vermutung nahe, dass die Hooligan-Szene anfälliger für rechte Ideologien ist als für anderen Formen des Extremismus.

Zwischen dieser Szene und dem Linksextremismus etwa gebe es lediglich "punktuelle personelle Überschneidungen", schreibt das Innenministerium. Über mögliche Verbindungen zum Islamismus gebe es keine Informationen.

Nach Angaben des Innenministeriums gebe es bei einer "niedrigen zweistelligen Zahl" von Hooligan- und Ultragruppierungen "tatsächliche Anhaltspunkte dafür, dass sie als Gruppe rechtsextremistische Ziele verfolgen beziehungsweise zumindest aufgrund der Zahl ihrer rechtsextremistischen Mitglieder als rechtsextremistisch beeinflusst einzuordnen sind".

Zudem könne "nicht ausgeschlossen werden", dass auch bei Hooligan-Gruppen, die nicht von Verfassungsschützern beobachtet würden, rechtsextremistische Mitglieder aktiv seien, schrieb das Innenministerium. (jwo/afp)  © AFP