Derzeit vergeht kein Tag, an dem es keine neue Meldung zum "Fall Böhmermann" gibt. Der Schmähgedicht-Autor selbst schweigt jedoch: Jan Böhmermann äußert sich nicht zum Eklat. Nun veröffentlichte "Bild"-Chef Kai Diekmann ein Interview mit dem Komiker - doch das Gespräch ist eine Fälschung.

Ständig gibt es neue Entwicklungen im Skandal um Jan Böhmermanns "Schmähgedicht" auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, immer wieder äußern sich Komiker, Politiker und diverse andere Leute zu dem Eklat, der sich längst zu einer handfesten Staatsaffäre entwickelt hat.

Verwirrung um Diekmann und Böhmermann

Nur einer will sich nicht zu der ganzen Angelegenheit äußern: Der Autor und Auslöser der ganzen Misere, Jan Böhmermann selbst. Bis jetzt - behauptete zumindest "Bild"-Herausgeber Kai Diekmann.

Dieser veröffentlichte am Dienstagmorgen ein Interview auf seinem offiziellen Facebook-Account, in dem sich Moderator Böhmermann angeblich erstmals zu den Vorfällen äußert. Darin sagt Böhmermann, dass er alles richtig gemacht habe und sich keinesfalls beim türkischen Präsidenten Erdogan entschuldigen werde.

Zudem wurden ihm Aussagen in den Mund gelegt, die in der aktuellen Situation nur wenig ratsam wären. Ein Beispiel: "Wenn Herr Erdogan mit menschlichen Schicksalen spielt, weil er sich in seinem Stolz gekränkt fühlt, sollte man ihn dafür verantwortlich machen, nicht mich. Man muss auch mal einen Klöten-Witz machen dürfen, ohne dass gleich die Messer gezückt werden, um mal ein Bild aus dem Kulturkreis zu verwenden."

Heftige (erfundene) Zitate von Jan Böhmermann

Zum Abschluss des Gesprächs "sagt" Jan Böhmermann: "Wir planen, ohne zu viel zu verraten, ein Jungfrauen-Special für junge Islamisten, Terroristen, Konvertiten. Wir haben da einige Überraschungen geplant. Aber im Prinzip ist unsere Botschaft: 80 Jungfrauen klingt erst mal viel, aber für die Ewigkeit ist das nicht gerade üppig. Wenn die Sendung so läuft wie ich mir das vorstelle, muss die Kanzlerin sich als nächstes bei Abu Al Baghdadi entschuldigen."

An der Echtheit des Interviews gab es bereits unmittelbar nach der Veröffentlichung erhebliche Zweifel. Zum einen wurde es nur auf Diekmanns Facebook-Account veröffentlicht, nicht aber in der "Bild"-Zeitung selbst, wie ein dazu geposteter Screenshot nahelegen soll.

Schaut man sich diesen Screenshot - insbesondere den Kopf Böhmermanns - einmal genauer an, so musste man die Echtheit des Fotos bezweifeln. Hinzu kamen die bereits erwähnten überdrehten (erfundenen) Aussagen Böhmermanns.

Rund eine Stunde nach Veröffentlichung des "Interviews" hat Kai Diekmann zugegeben, dass es sich bei dem Interview um einen Fake handelt:

Satire-Versuch der "Bild"?

Was genau hat es mit dieser Aktion dann auf sich? Es sieht ganz so aus, als hätte sich die "Bild" ihrerseits am Genre der Satire versucht, um die Mechanismen der Medienbranche vorzuführen.

Das mag gelungen sein. Einige Medien fielen auf die Veröffentlichung herein, zitierten Böhmermanns erfundene Zitate. Auch viele Internet-Nutzer glaubten Diekmann - und verbreiteten Aussagen weiter.

Die Reaktionen im Netz fallen unterschiedlich aus: Von Lob für Diekmann bis zu harscher Kritik ist auf Twitter alles dabei. (jwo)