Mutmaßliche Asyl-Fehlentscheide in Bremen haben die Politik aufgescheucht. Das Innenministerium verspricht Aufklärung - und macht weitere Details öffentlich.

In die Affäre um fragwürdige Asylentscheidungen in Bremen waren nach Angaben des Bundesinnenministeriums mehrere Personen verwickelt. Diese sollen mit der verdächtigen Leiterin der dortigen Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zusammengearbeitet haben, wie der Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Stephan Mayer (CSU), am Donnerstag im Bundestag sagte. Die Abgeordneten diskutierten das Thema dort bei einer Aktuellen Stunde.

Mayer nannte die Vorgänge in Bremen "in höchstem Maße ärgerlich und in höchstem Maße bedauerlich" und sprach von "inakzeptablem Fehlverhalten offenkundig einiger weniger Mitarbeiter".

1.200 Entscheide ohne Voraussetzung

Die frühere Leiterin der Bremer BAMF-Außenstelle soll zwischen 2013 und 2016 mindestens 1.200 Menschen Asyl gewährt haben, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht gegeben waren. In den meisten Fällen geht es laut ermittelnder Staatsanwaltschaft um Kurden, die angaben, zur Religionsgemeinschaft der Jesiden zu gehören.

Die SPD-Abgeordnete Susanne Mittag wies darauf hin, dass die verdächtige Bremer BAMF-Mitarbeiterin trotz eines bereits laufenden Disziplinarverfahrens ausgerechnet im Bereich Qualitätsmanagement eingesetzt worden sei.

Sie stellte dort nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur keine Asylentscheidungen auf den Prüfstand, sondern arbeitete an der Entwicklung von Konzepten mit.

Insgesamt 4.568 Entscheidungen würden nun erneut geprüft, sagte Mayer. Bei 40 Prozent sei die erneute Kontrolle schon abgeschlossen. Dabei seien in anderen BAMF-Außenstellen jenseits von Bremen keine Manipulationen festgestellt worden, sagte der Staatssekretär.

Er kündigte an, dass das Bundesinnenministerium sich bei den anstehenden Haushaltsverhandlungen für zusätzliche 1.300 Stellen beim BAMF einsetzen wolle.

Mayer versprach rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge in der Bremer BAMF-Außenstelle. Nichts solle unter den Teppich geklärt werden. Der Bundesrechnungshof solle nun früher als bislang geplant die Verfahren beim BAMF auf den Prüfstand stellen.

Den Vorwurf, die Behörde habe erst reichlich spät gehandelt, wies Mayer zurück. So hätten sich erste Hinweise auf Unregelmäßigkeiten in Bremen "in keiner Weise" auf die nun verdächtige Mitarbeiterin bezogen. Dass sie erst vor kurzem vollständig vom Dienst suspendiert wurde, sei auf Wunsch der Staatsanwaltschaft geschehen, die laufende Ermittlungen nicht gefährden wollte.  © dpa