"Wir sind mehr" in Chemnitz: Das Protestkonzert in Bildern

Rund 65.000 Menschen haben in Chemnitz an einem Protestkonzert gegen Rechts teilgenommen. Bei "#wirsindmehr" warben Künstler für Toleranz und griffen Gewalt und Hass scharf an. Die Bilder des Abends. (Mit Material der dpa)

Mit dem Protestkonzert wollten die Veranstalter und teilnehmenden Künstler ein Statement setzen. Ende August war es nach einem Mord an einem 35-Jährigen zu rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz gekommen.
Festivalfeeling bei #wirsindmehr am 3.September 2018 in Chemnitz.
Daraufhin hatte die Chemnitzer Band Kraftklub vergangene Woche das Gratis-Konzert vor dem Karl-Marx-Monument in ihrer Heimatstadt angekündigt. Andere Künstler schlossen sich wenig später an.
Eröffnet wurde das Konzert am Montag um 17 Uhr mit einer kurzen Begrüßung. Anschließend wurde eine Schweigeminute für den getöteten Chemnitzer eingelegt. Die Organisatoren sammelten zudem Spenden, von denen ein Teil der Familie des Opfers zugutekommen soll. Der Rest des Geldes soll in Anti-Rassismus-Projekte in Sachsen investiert werden.
Die Polizei war mit einem Großaufgebot zugegen. Dabei erhielten die sächsischen Beamten Unterstützung aus insgesamt sechs Bundesländern. Auch Polizeibeamte der Bundespolizei sorgten bei "#wirsindmehr" für Sicherheit.
Hier gibt es Nächstenliebe, ganz umsonst.
Den heutigen Tag hätte Karl Marx vermutlich schon gemocht.
Bei #wirsindmehr gibt es in Chemnitz "Erdbeereis-Nazifrei".
Als erster Künstler des Abends spielte der Rapper Trettmann. Der gebürtige Chemnitzer betonte, dass es ihm ein großes Anliegen sei, an der Veranstaltung teilzunehmen. "Liebe ist immer größer als Hass", so der Musiker während des Konzerts.
Gegen 18 Uhr ging die Band Feine Sahne Fischfilet auf die Bühne. Ihr Auftritt wurde im Vorfeld kritisch kommentiert. In der Vergangenheit hatte der Verfassungsschutz Bedenken bezüglich der Band geäußert. Fest steht: FSF ist eine der lautesten Stimmen gegen Rechts.
Feine-Sahne-Sänger Jan Gorkow alias "Monchi" verurteilte während des Auftritts die Instrumentalisierung des Mordes durch Anhänger des rechten Spektrums.
Zudem betonte er, es sei "eine Selbstverständlichkeit, dass so ein Konzert nur der Anfang sein kann, und dass immer mehr Menschen den Arsch hochzubekommen haben".
Im Anschluss an Feine Sahne Fischfilet trat die Hip-Hop-Gruppe K.I.Z. auf. Sie kommentierten die Vorkommnisse in Chemnitz mit sarkastischen Worten: "Wo sind meine linksversifften Gutmenschen."
"Es bedeutet uns unfassbar viel, dass ihr alle da seid. Wenn man ein Mikrofon in der Hand hat, sollte man dieses Privileg auch nutzen, und sich äußern", so Kraftklub-Sänger Felix Brummer beim Auftritt seiner Band.
"Gegen Faschismus, gegen Rassismus, gegen Homophobie", so die Initiatoren des Konzerts wenig später. Zudem forderten sie, dass Personen die sich Faschisten entgegenstellen, nicht kriminalisiert werden dürften.
Auf den Auftritt von Kraftklub folgten die Rapper Marteria (r.) und Casper. "Ich weigere mich zu glauben, dass die Welt nur grau, nur düster, nur schlecht ist", so Casper. Währenddessen skandierte die Menge immer wieder "Nazis raus".
Gegen 20:30 Uhr begannen die Toten Hosen ihren Auftritt. Die letzte Band des Abends hatte sogar noch eine Überraschung im Gepäck. Während ihres Auftritts holten sie Beatsteaks-Frontmann Arnim Teutoburg-Weiß und Rodrigo González von den Ärzten mit auf die Bühne.
Zusammen spielten sie dann "Schrei nach Liebe". Das Lied der Ärzte gilt als eine der bekanntesten Hymnen gegen Rassismus in Deutschland. Als letztes Lied des Abends spielten die Toten Hosen "You´ll never walk Alone".
Kurz nach 21 Uhr war "#wirsindmehr" beendet. Laut Angaben der Polizei verlief das Konzert vollkommen friedlich und ohne Störungen. Einem Sprecher zufolge sei es zu keinen Straftaten in Verbindung mit dem Konzert gekommen.
Nach dem Konzert begeben sich 65.000 Menschen friedlich und ausgelassen auf den Heimweg.
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