Vertreter von Regierung und Opposition in Deutschland üben unisono scharfe Kritik an Donald Trumps Verhalten beim G7-Gipfel. SPD-Chefin Nahles sagt: "Die Antwort auf 'America first' kann nur 'Europe united' lauten".

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SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles hat den G7-Gipfel in Kanada als "Desaster" bezeichnet. US-Präsident Donald Trump habe sich "per Tweet von der internationalen Verantwortung verabschiedet", sagte Nahles dem "Spiegel". "Präsident Trump ist ein Chaot. Vernünftige und verlässliche Politik ist so nicht möglich."

Die SPD-Vorsitzende mahnte die europäischen Staaten zu größerer Geschlossenheit. "Die Antwort auf 'America first' kann nur 'Europe united' lauten", forderte Nahles. "Die Europäer sind gemeinsam mit Kanada und Japan nun gefordert dafür zu sorgen, dass die internationale Zusammenarbeit in der Friedens-, Rüstungskontroll-, Klima- und Handelspolitik jetzt nicht komplett unter die Räder kommt."

Außenminister Heiko Maas sagte, Trump habe mit seinem Tweet innerhalb von Sekunden Vertrauen zerstört. Dieses verlorengegangene Vertrauen wieder aufzubauen, werde deutlich länger dauern, so der SPD-Politiker. Gleichwohl sei das Verhalten des US-Präsidenten keine Überraschung - mit der Aufkündigung des Klimaabkommens und des Iran-Deals habe sich Trump ähnlich verhalten.

Auch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat das von Trump ausgelöste Debakel beim G7-Gipfel scharf kritisiert. Fraktionschef Volker Kauder nannte Trumps nachträgliche Weigerung, die Abschlusserklärung des G7-Gipfels mitzutragen, einen "beispiellosen Eklat". Damit habe der US-Präsident "einer wertebasierten Zusammenarbeit der führenden Wirtschaftsnationen einen schweren Schlag versetzt", sagte der CDU-Politiker.

Dennoch komme es jetzt darauf an, "kühlen Kopf" zu bewahren, betonte Kauder. "Die EU und Deutschland werden weiter mit der US-Regierung sprechen müssen. Auch mit dem US-Präsidenten."

Ähnlich äußerte sich der außenpolitische Sprecher der Fraktion, Jürgen Hardt. "Sein Schritt, nach dem Treffen dann noch die Zustimmung zu der Abschlusserklärung zurückzuziehen, ist ein Affront", sagte Hardt. Ein solches Verhalten sei nicht akzeptabel.

Die sonstigen G7-Staaten sollten nun noch enger zusammenrücken, "um Sachwalter einer vernünftigen Weltpolitik zu bleiben", forderte Hardt. Aber auch mit den USA müsse das Gespräch weiter fortgesetzt werden.

Unionsfraktionsvize Johann Wadephul sagte: "Wenn es noch eines Weckrufes bedurft hätte, dass Europa 'weltpolitikfähig' werden muss, dann ist er jetzt erklungen." Der CDU-Politiker fügte hinzu: "Wir müssen unser Schicksal sowohl handels- als auch sicherheitspolitisch endlich in die eigenen Hände nehmen."

Wirtschaftsminister Peter Altmaier äußerte sich gelassener. "Der Westen zerbricht nicht so leicht: Wir alle sind der Westen, wenn wir seine Werte leben & verteidigen. Gerade, wenn es schwer ist", twitterte der CDU-Politiker.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nannte Trumps Vorgehen eine "destruktive Trotzreaktion". Selbst Minimallösungen seien auf G7-Gipfeln nicht mehr möglich, sagte Hofreiter in Berlin. "Die enorme Lücke, die im internationalen System klafft, müssen wir mit einem Handelsbündnis demokratischer Staaten füllen, bei dem der wirtschaftliche Austausch einhergeht mit Klimaschutz, Arbeitsstandards und Menschenrechten".

Der stellvertretenden Vorsitzende der Linksfraktion, Fabio De Masi, bezeichnete Trumps Verhalten als "Amoklauf". Von den USA gehe die größte Gefahr für den Weltfrieden aus.  © SPIEGEL ONLINE

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