Donald Trumps Sympathiewerte sind für einen Amtsstart im Weißen Haus historisch. Historisch schlecht. Gegen seine Person, seine Amtsführung und seine Entourage regt sich enormer Widerstand. Aus Politik, Wirtschaft, Kunst, Sport - von allen Seiten hagelt es massive Kritik.

Seit Donald Trump per Dekret ein Einreiseverbot für Staatsangehörige aus sieben überwiegend muslimischen Ländern erlassen hat, wird er von vielen Seiten kritisiert. Ein Überblick.

Unternehmer kuschen nicht länger

Trotz seiner Kampfansagen gegen den Freihandel und heftiger Attacken gegen einzelne Konzerne gab es bei US-Unternehmen lange kaum offenen Widerstand gegen den neuen US-Präsidenten. Das hat sich mit dem Dekret schlagartig geändert.

"Das ist keine Politik, die wir unterstützen", versicherte Lloyd Blankfein, Chef der mächtigen US-Investmentbank Goldman Sachs, seinen Mitarbeitern in der Nacht zum Montag. Auch zahlreiche weitere Top-Manager gingen auf Distanz - darunter Mark Zuckerberg von Facebook, Muhtar Kent von Coca-Cola, Sundar Pichai von Google, Mike Parker von Nike und Reed Hastings von Netflix.

Hastings etwa meldete sich auf Facebook zu Wort: "Trumps Maßnahmen schmerzen Netflix-Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Sie sind so unamerikanisch."

Seinen Worten auch Taten folgen lassen will Howard Schultz, Chef der Café-Kette Starbucks: Er kündigte an, in den kommenden fünf Jahren weltweit 10.000 Flüchtlinge anzustellen. Beginnen werde er in den USA.

Brian Chesky, Chef des Online-Übernachtungsvermittlers Airbnb, versprach über Twitter, das Unternehmen werde "Flüchtlingen und jedem, dem die Einreise in die USA verweigert wird, eine kostenlose Unterkunft zur Verfügung stellen". Vermieter bat er, Betroffenen ihre Unterkünfte unentgeltlich anzubieten.

Künstler nutzen ihre Bekanntheit gegen Trump

Schauspielerin Meryl Streep hatte es vorgemacht: Sie nutzte Anfang Januar die Golden-Globe-Bühne für ein mahnendes Plädoyer gegen Trump. Jetzt zeigen auch andere Künstler ihre Abneigung:

Klare Worte der Schauspielerin bei Golden Globes - Trump reagiert.

Der Verhüllungskünstler Christo gibt nach jahrelangem Kampf sein Projekt "Over The River" auf, bei dem ein Fluss im US-Staat Colorado über rund zehn Kilometer abgedeckt werden sollte. "Hier ist die US-Bundesregierung unser Vermieter. Sie besitzt das Land. Ich kann kein Projekt machen, das diesem Vermieter zugute kommt."

Die Schauspielerin Julia Louis-Dreyfus wetterte am Wochenende bei der Verleihung der SAG-Schauspielpreise in Los Angeles: "Das Einreiseverbot ist ein Makel, und es ist unamerikanisch." Schauspielerin Emma Stone nannte die Entwicklung in den USA "unverzeihbar und angsterregend".

Arnold Schwarzenegger - Hollywoodstar und als früherer republikanischer Gouverneur des US-Bundesstaates Kalifornien ein Parteikollege Trumps - hat das Einreiseverbot in einem Interview mit dem Unterhaltungssender "Extra TV" kritisiert: "Es ist verrückt und lässt uns lächerlich aussehen, wenn das Weiße Haus schlecht vorbereitete Maßnahmen einfach heraushaut."

Auch die Oscar-Verleihung am 26. Februar wird in Teilen wohl eine politische Veranstaltung: Der vielfach ausgezeichnete iranische Regisseur Asghar Farhadi will der Preisverleihung aus Protest gegen Trump fernbleiben.

Marcel Mettelsiefen, der mit seinem Film "Watani: My Homeland" über die Flucht einer syrischen Familie nach Deutschland zu den Oscar-Anwärtern in der Sparte "Kurz-Doku" zählt, wollte eigentlich mit einer der Portraitierten zur Verleihung kommen: der Mutter Hala. "Jetzt sind alle Reisepläne auf Eis gelegt", sagt er.

Bürger protestieren im Netz und auf der Straße

Trumps Politik wird derzeit nur von 43 Prozent der Amerikaner unterstützt. Obama war mit 68 Prozent Zustimmung gestartet und lag zum Schluss bei 57 Prozent.

In sozialen Netzwerken formieren sich Tausende hinter Hashtags wie #ImpeachTrump (enthebt Trump des Amtes).

Hunderttausende gehen auf die Straße. Am Montagabend etwa demonstrierten wieder mehr als tausend Leute vor dem Supreme Court in Washington D.C.

Der Nervenarzt John Gartner aus Maryland versucht es auf anderem Weg: Er hat schon mehr als 6.000 Unterschriften von Leuten zusammen, die Trump für psychisch krank halten und ihn deshalb nach Artikel drei des 25. Verfassungszusatzes aus dem Amt entfernen lassen wollen.

Selbst Sportler melden sich zu Wort

Sportler und Sportfunktionäre halten sich mit politischen Stellungnahmen ja gerne zurück. Doch Trumps Einreisebann hat einzelne zu Aussagen provoziert: Der Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds, Alfons Hörmann, nannte das Dekret "schlichtweg schwierig und inakzeptabel".

Werder Bremens deutsch-iranischer Trainer Alexander Nouri zeigte Trump über Facebook die rote Karte:

Politiker aus aller Welt sind besorgt

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Dienstag nach einem Treffen mit Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven in Stockholm: "Ich habe meine Haltung noch einmal deutlich gemacht, dass der Kampf gegen Terrorismus so ein allgemeines Vorgehen gegen bestimmte Länder und Menschen mit einem bestimmten Glauben nicht rechtfertigt."

Die Linke prüft nach Angaben der Parteivorsitzenden Katja Kipping eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gegen das Einreiseverbot.

Das irakische Außenministerium bezeichnete das Einreiseverbot als falsch und traurig.

Diplomaten des US-Außenministeriums aus aller Welt richteten einen Brief an ihre Behörde. "Dieser Bann wird seine Ziele nicht erreichen und wahrscheinlich kontraproduktiv sein."

Die Demokraten tun alles, was noch in ihrer Macht steht

Trumps designierte Minister müssen auf ihre Bestätigung im Senat warten. Bis dahin sind noch Obamas Leute im Amt und können zumindest Nadelstiche setzen. So wollte etwa das Justizministerium keinen Staatsanwalt schicken, wenn die Prozesse um Trumps Flüchtlings- und Einreisestopp verhandelt werden. Sally Yates, amtierende Justizministerin, nahm dafür ihre Entlassung in Kauf.

Am Montag meldete sich einer zu Wort, der noch vor ein paar Tagen erklärt hatte, er wolle sich künftig zurückhalten: Barack Obama. Dass er sich jetzt doch äußert, spricht Bände. "Dass Bürger ihr verfassungsgemäßes Versammlungsrecht wahrnehmen, sich organisieren und ihre Stimmen den Gewählten zu Gehör bringen, ist genau das, was wir erwarten, wenn amerikanische Werte auf dem Spiel stehen."

Der Bundesstaat Washington klagt gegen Trumps Einreisepolitik. Washingtons demokratischer Justizminister Bob Ferguson erklärte, wenn ein Sieg gelinge, mache dies Trumps Erlass in den gesamten USA ungültig.

Kritik aus den eigenen Reihen

Mit John McCain und Lindsey Graham haben auch zwei namhafte republikanische Senatoren das Dekret kritisiert. "Wir befürchten, dass diese Anordnung im Kampf gegen den Terror zu einer Wunde wird, die wir uns selbst zugefügt haben."

Es war nicht das erste Mal, dass die beiden Trump öffentlich widersprochen haben - doch sie sind längst nicht mehr die einzigen Kritiker in den eigenen Reihen.

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Donald Trump: Zehntausende protestieren gegen Einreiseverbot

US-Präsident Donald Trump hat mit seinem Einreisestopp für viele Muslime auf der ganzen Welt Entsetzen ausgelöst. Tausende protestieren gegen das Dekret.

Der Kongress-Abgeordnete Justin Amash etwa nannte die Entscheidung, allen Flüchtlingen die Einreise zu verbieten, "hart und unklug".

Der Widerstand gegen Donald Trump wächst - an allen Fronten.

(mcf/dpa)