Nach dem erfolglosen G7-Gipfel mit der weitgehenden Blockade durch den US-Präsidenten hat Kanzlerin Angela Merkel Europa dazu aufgerufen, sich auf seine eigenen Kräfte zu besinnen. So kommentiert die Presse Donald Trumps Auftritt in Europa.


Spanien

"El País": "Der G7-Gipfel von Taormina ist - wie vorhersehbar war - gescheitert. Mit seiner Haltung während der Sitzung hat Donald Trump erneut gezeigt, dass seine Ideen (sie in die Kategorie Politik zu erheben wäre übertrieben) potenziell ein schweres Hindernis für den internationalen Handel und für jede Initiative darstellen, die den Klimawandel aufhalten will (...). Als Angela Merkel die Verhandlungen als "schwierig und unzufriedenstellend" bezeichnet hat, hat sie sich wahrscheinlich noch diplomatisch gezeigt."

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Großbritannien

"The Times": "Der europäische Teil seiner Auslandsreise hat jedem, der das vielleicht noch bezweifelte, gezeigt, dass dieser Präsident leicht zu verhöhnen ist. Zugleich ist er aber auch leicht zu unterschätzen. Seit er ins Oval Office kam, hat er in Sachen China rasch gelernt und still und leise davon Abstand genommen, mit China einen Handelskrieg anzufangen oder Peking als Währungsmanipulator zu brandmarken, obwohl er das im Wahlkampf versprochen hatte. (...) Die Nato hat er nun zwar beunruhigt, indem er die gegenseitige Verteidigungsgarantie nicht ausdrücklich bekräftigte. Und er hat die G7 beunruhigt, indem er sich nicht zum Klimavertrag von Paris bekannte. Doch beides wäre immer noch möglich - und es wäre klug von ihm, wenn er es täte."

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Belgien

"De Tijd": "Die Antwort auf den Bulldozer-Präsidenten kam aus einem Bierzelt in München. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte fest, die "Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei". Und sie schlug gleich ein neues Kapitel auf: "Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen". (...) In aller Freundschaft übrigens. Merkel ist keine Frau, die Menschen von vornherein ausschließt. Aber sie ist auch jemand, der einmal getroffene Entscheidungen nicht so leicht wieder ändert. Das Bierzelt in München könnte daher sehr wohl ein Wendepunkt in den transatlantischen Beziehungen sein."

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Deutschland

"Der Spiegel": "In den US-Medien werden die Sätze aus dem Bierzelt prominent diskutiert und in alle Richtungen ausgelegt, zum Teil in zugespitzter Übersetzung. Insbesondere Trumps Gegner haben sich darauf gestürzt: Für sie sind Merkels Worte der Beleg, dass Trump die historischen Allianzen gefährdet, und auch dafür, dass seine Reise zu den Europäern insgesamt ein Desaster war. Manche außenpolitische Kommentatoren wollen in Merkels Worten gar eine Zeitenwende sehen, einen historischen Bruch zwischen Europa und den USA. Das wäre aber wohl eine übertriebene Deutung. Das hat Merkel nicht gesagt, und an einem kompletten Bruch mit den USA kann Deutschland kein Interesse haben. Was aber stimmt: Die Europäer reden schon lange davon, dass sie unabhängiger von Amerika werden müssen. "

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Großbritannien

"The Times": "Der europäische Teil seiner Auslandsreise hat jedem, der das vielleicht noch bezweifelte, gezeigt, dass dieser Präsident leicht zu verhöhnen ist. Zugleich ist er aber auch leicht zu unterschätzen. Seit er ins Oval Office kam, hat er in Sachen China rasch gelernt und still und leise davon Abstand genommen, mit China einen Handelskrieg anzufangen oder Peking als Währungsmanipulator zu brandmarken, obwohl er das im Wahlkampf versprochen hatte. Auf Anraten Kanadas und Mexikos hat er klugerweise darauf verzichtet, das Freihandelsabkommen für Nordamerika in Stücke zu reißen. Und er hat die Sanktionen gegen Russland wegen der Annexion der Krim aufrechterhalten. Die Nato hat er nun zwar beunruhigt, indem er die gegenseitige Verteidigungsgarantie nicht ausdrücklich bekräftigte. Und er hat die G7 beunruhigt, indem er sich nicht zum Klimavertrag von Paris bekannte. Doch beides wäre immer noch möglich - und es wäre klug von ihm, wenn er es täte."

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Schweiz

"Tages-Anzeiger": "Angesichts der gewaltigen Differenzen und Trumps quälender Selbstgefälligkeit wird sich mancher Präsident oder Regierungschef mittlerweile die Frage stellen, ob sich ein Meinungsaustausch mit ihm überhaupt noch lohnt. Der Frust ist verständlich - und doch hätte es fatale Folgen, gäbe man ihm nach. Was wäre gewonnen, wenn sich die deutsche Kanzlerin ähnlich arrogant aufführte wie der Selbstdarsteller aus Washington? Wenn auch Emmanuel Macron plötzlich anfinge zu drängeln? Dem Egozentriker den Dialog zu verweigern, hieße, ihn noch aufzuwerten und seinen Furor zu befeuern. Es bleibt deshalb nichts anderes übrig, als im Gespräch zu bleiben."

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Österreich

"Der Standard": "Nun kann man die neuen Gegebenheiten beklagen, wichtiger erscheint aber die Frage, wie der Westen mit der Situation umgeht. Da kann es nur eine Marschrichtung geben: alles zu tun, die internationale Kooperation zu stärken. (...) Trump wird innenpolitisch immer mehr in die Enge getrieben und schlägt auch deshalb international wild um sich. Offen bleibt, wer die multilaterale Weltordnung am Leben erhalten kann. Europa hätte die Mittel. Doch dass es den Willen dazu hat, muss es erst beweisen."

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