Als "Drecksloch" hat Donald Trump Baltimore verunglimpft, die Stadt sei von Ratten besiedelt. US-Medien haben nun zusammengetragen, wo Unternehmen des Präsidenten Ärger mit Hygieneverstößen haben.

Für seine Attacken gegen den afroamerikanischen Abgeordneten Elijah Cummings muss sich Donald Trump einige Kritik gefallen lassen. Der US-Präsident hatte sich herablassend über die mehrheitlich von Afroamerikanern bewohnte Stadt Baltimore geäußert, die teilweise zum Wahlkreis seines Kritikers Cummings gehört. Dessen Wahlbezirk sei "ein widerliches, von Ratten und Nagern befallenes Drecksloch". Es sei der "schlimmste" und "gefährlichste" Ort der USA.

Diese Aussagen seien rassistisch, attestierte ihm nicht nur die demokratische Vorsitzende des Abgeordnetenhauses Nancy Pelosi. Der demokratische Bürgermeister von Baltimore, der afroamerikanische demokratische Politiker Bernard Young, kritisierte Trumps Rhetorik als "schmerzlich und gefährlich" sowie "völlig unannehmbar".

Bei aller Kritik heben zahlreiche Medien auch hervor, dass Trumps konkrete Attacke nicht einer gewissen Ironie entbehrt. Immerhin hatten zahlreiche Ableger des Trump-Konzerns in der Vergangenheit immer wieder erhebliche Schwierigkeiten mit Schädlingen und Hygieneverstößen.

Von New York bis Mar-a-Lago: überall Probleme

So listet der britische "Guardian" auf, dass der Trump Tower Grill, ein Restaurant in New York, im Sommer vergangenen Jahres von Inspektoren des Gesundheitsamts besucht worden sei. Dabei hätten diese "lebende Mäuse" in oder in der Nähe der Küche feststellt. Darüber hinaus sei das Restaurant nicht "gesichert gegen Schädlinge", Schädlingsbefall würde zudem "geduldet".

Wie die "New York Daily News" berichtet, sei das Trump-Tower-Restaurant in den vergangenen Jahren immer wieder wegen mangelhafter Hygienestandards aufgefallen, so 2016 wegen "lebender Kakerlaken". Die Trump-Organisation erklärte, allen Verstößen sei nachgegangen worden und man habe zuletzt eine gute Bewertung der Inspektoren erhalten.

Nachrichten sind langweilig und dröge? Es kommt auf den Blickwinkel an.

Auch bei einem weiteren Prestigeobjekt aus dem Trump-Imperium gibt es immer wieder Probleme. Laut der "Los Angeles Times" zwar weniger mit Nagetierbefall - dafür aber wegen "potenziell gefährlicher" Zustände in den Kühlräumen. Konkret geht es um das Mar-a-Lago-Ressort in Florida, in dem der Präsident gern seine Wochenenden verbringt. Zuweilen empfängt er dort auch hochkarätige Gäste, 2017 etwa den japanischen Premier Shinzo Abe.

Probleme mit dem Lachs, Nager im Weißen Haus

Da kam die Inspektion wenige Tage vor dem Besuch vermutlich eher unpässlich. Erst recht, da laut "LA Times" die Kühlräume deutlich zu warm waren und die Temperatur der dort gelagerten Fleischprodukte über den vorgeschriebenen Werten gelegen haben soll. Zudem sei Lachs ohne die nötige "Parasitenuntersuchung" an die Gäste gegangen und das Wasser zum Händewaschen der Angestellten zu kühl gewesen. Insgesamt wurden in einem Zeitraum von drei Jahren 78 Verstöße festgestellt. Die Inspektoren erklärten, die Verantwortlichen hätten die monierten Mängel behoben.

Und auch am aktuellen Arbeitsplatz des selbst erklärten Hygienefreunds Trump gibt es ein Problem mit Schädlingen. Im Weißen Haus werden immer wieder Nagetierfallen aufgestellt. Im Dezember twitterte John Roberts, Reporter bei Trumps Lieblingssender Fox News, ihm sei soeben auf dem Gelände von 1600 Pennsylvania Avenue eine Ratte quasi über den Fuß gelaufen.

Schließlich ist da noch Jared Kushner, Berater und Schwiegersohn des Präsidenten. Dieser besitzt eine erhebliche Zahl an Immobilien - unter anderem im Bereich Baltimore. Also genau dort, wo der Schwiegerpapa eine "Rattenverseuchung" wähnt. Und in vielen der angeblich 17 Wohnkomplexe der Kushner Cos. herrschen laut einem Bericht der "Washington Post" alles andere als blitzsaubere Zustände.

Firma des Schwiegersohn wiegelt ab

Im Jahr 2017, so die Zeitung, habe es in den Kushner-Immobilien mehr als 200 Verstöße gegen die Vorschriften gegeben. Eine Untersuchung von "New York Times" und ProPublica hat demnach ergeben, dass sich die Bewohner über Mäuseplagen, Schimmel und Madenbefall beschwert hätten. Christine Taylor, Sprecherin der Firma, als deren Chef Kushner bei seinem Wechsel ins Weiße Haus zurückgetreten war, erklärte, man habe sich stets an lokale Vorschriften und Gesetze gehalten.

Das dürften viele Bewohner der Kushner-Häuser anders sehen. Laut "Baltimore Sun" wollte eine Gruppe von ihnen eine Sammelklage wegen unzulässiger Mietverhältnisse gegen die Immobilienfirma einreichen. Ihr Ansinnen wurde von einem Gericht im Bundesstaat Maryland zurückgewiesen.  © SPIEGEL ONLINE

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