Wie groß ist die Terrorgefahr bei der Fußball-EM in Frankreich? Eine spektakuläre Festnahme in der Ukraine löst Besorgnis aus. Doch auch die ukrainischen Angaben werfen Fragen auf.

Kurz vor Beginn der EM 2016 in Frankreich hat der ukrainische Geheimdienst SBU einen Franzosen festgenommen, der Anschläge auf die Europameisterschaft geplant haben soll.

Er habe versucht, zahlreiche Waffen sowie mehr als 120 Kilogramm Sprengstoff über die Grenze nach Polen zu schmuggeln, teilte die Behörde am Montag in Kiew mit. Geheimdienstchef Wassili Grizak behauptete, damit seien bis zu 15 mögliche Attentate in Frankreich verhindert worden.

Was ist das Motiv des Mannes?

Den Angaben zufolge wurden 5 Kalaschnikow-Sturmgewehre mit je 1.080 Schuss Munition, 5 Panzerfäuste, 125 Kilogramm Sprengstoff mit Zündern und 20 Sturmhauben beschlagnahmt. Die Festnahme des Franzosen erfolgte bereits am 21. Mai.

Bei einer Durchsuchung in seiner Wohnung in Frankreich im Dorf Nant-le-Petit im nordostfranzösischen Département Meuse wurde nach Angaben aus französischen Polizeikreisen lediglich ein T-Shirt mit einem Emblem einer rechtsextremen Gruppe beschlagnahmt.

Das Motiv des Mannes sei, dass er die französische Regierungspolitik eines "massiven Zuzugs von Ausländern nach Frankreich, die Verbreitung des Islam und die Globalisierung" ablehne. "Ziele sollten - wie seltsam das auch klingen mag, doch das ist alles dokumentiert - eine islamische Moschee, eine jüdische Synagoge, eine Einrichtung, die Steuern von den Bürgern Frankreichs eintreibt, und viele andere Orte sein", sagte Grizak der Agentur Interfax zufolge. Worauf sich diese Erkenntnisse gründeten, blieb zunächst offen.

Zweifelhafte Angaben aus der Ukraine

Die ukrainischen Sicherheitsbehörden hätten den Franzosen seit Dezember beobachtet, teilte der SBU mit. Der Mann habe sich kritisch über die französische Regierung sowie über den Islam geäußert. Er sei bereits am 21. Mai mit den Waffen am Kontrollpunkt Jahodyn an der polnischen Grenze festgenommen worden.

Der Franzose soll einem ukrainischen Bürger 3.000 Euro für den Schmuggel über die EU-Grenze geboten haben. "Deswegen meinen wir, dass es eine 'Falle' russischer Geheimdienste sein könnte", sagte der SBU-Chef. Bei Beobachtern warf diese Darstellung Zweifel auf.

In die Ukraine sei der Mann als angeblicher Freiwilliger gekommen, um sich an dem Kämpfen der Regierungstruppen gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes zu beteiligen. In ukrainischen Medien schlug die Nachricht von der Festnahme zunächst keine großen Wellen. (dpa/AFP/tfr/cai)

In Syrien und im Irak verliert die Terrormiliz "Islamischer Staat" an Boden. Die Anschlagsgefahr in Europa und anderswo auf der Welt verringert sich dadurch aber erst mal nicht, sondern scheint sich sogar noch zu erhöhen. Steckt dahinter eine neue Strategie? Terrorismus-Experten analysieren die aktuelle Situation und die Terrorgefahr in Deutschland.