Schleswig/Neumünster (dpa) - Das Oberlandesgericht in Schleswig hat die Prüfung eines Auslieferungshaftbefehls für den katalanischen Separatistenführer Carles Puigdemont fortgesetzt. Es lasse sich aber noch nicht sagen, wann eine Entscheidung falle, sagte eine OLG-Sprecherin.

Das Gericht muss über den am Vortag gestellten Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Schleswig-Holstein entscheiden. Die spanische Justiz wirft Puigdemont Rebellion und Veruntreuung öffentlicher Mittel vor. Ihm drohen in Spanien bis zu 30 Jahre Haft.

Hintergrund ist das von der Zentralregierung in Madrid untersagte und von den spanischen Gerichten als verfassungswidrig eingestufte Referendum von 2017 über die Unabhängigkeit Kataloniens. Puigdemont hatte danach die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien erklärt.

Zehn Tage nach seiner Festnahme bekommt Carles Puigdemont Besuch von seiner Ehefrau im Gefängnis. Marcela Topor kam um 11.45 Uhr in Begleitung des Unternehmers Josep Maria Matamala, der Puigdemont unterstützt. Bereits am Vormittag besuchte ihn der erste Vizepräsident des katalanischen Parlaments und Abgeordnete von Puigdemonts Partei Junts per Catalunya, Josep Costa.

Topor grüßte lediglich die Journalisten vor der Justizvollzugsanstalt, äußerte sich aber nicht weiter. Sie trug eine Sonnenbrille und eine schwarze Jacke. Bereits am Vorabend hatte sie mit Unterstützern für ein unabhängiges Katalonien in einem Hotel in Neumünster gemeinsam den Abend verbracht. Dabei sei es sehr emotional zugegangen, es seien Tränen geflossen, berichtete ein Teilnehmer.

Seit der Festnahme am 25. März auf der A7 in Schleswig-Holstein ist Puigdemont aufgrund eines Europäischen Haftbefehls in der Justizvollzugsanstalt in Neumünster untergebracht. Laut Gesetz soll über eine Auslieferung innerhalb von 60 Tagen entschieden werden.

Der Vorsitzende der Europäischen Linken, Gregor Gysi, appellierte an die Bundesregierung, die Auslieferung Puigdemonts an Spanien zu verhindern. "Es bleibt zu hoffen, dass Deutschland nicht gewillt ist, zum Gehilfen der spanischen Regierung bei der Inhaftierung von Katalanen zu werden", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch). Er warnte die Bundesregierung davor, "Verantwortung für eine weitere gewaltsame Zuspitzung des Konflikts mit zu übernehmen und selbst Bestandteil dieses Konflikts zu werden". Der Konflikt zwischen Spanien und Katalonien könne nur politisch und nicht über Inhaftierungen und Verurteilungen gelöst werden, sagte Gysi.

Dagegen warnte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Alexander Graf Lambsdorff, die Bundesregierung vor einem Veto gegen eine Auslieferung, sollte diese von der Justiz für rechtens befunden werden. "Das wäre eine direkte Konfrontation mit einem ganz besonders eng befreundeten Land, einem Freund und Partner", sagte er der "Passauer Neuen Presse" (Mittwoch). "Ein Veto wäre also eine ganz schlechte Option, noch schlechter als eine Auslieferung." Die Bundesregierung stecke in einem Dilemma.  © dpa