• Die Nachfrage nach dem Neun-Euro-Ticket bleibt groß. Vorschläge für eine Anschlussfinanzierung reißen nicht ab.
  • SPD-Chef Lars Klingbeil will einen Nachfolger des Neun-Euro-Tickets durch eine Sondersteuer finanzieren – FDP-Finanzminister Christian Lindner lehnt eine Verlängerung des Angebots dagegen ab.
  • Erste Studien-Auswertungen zeigen, dass die Sonderfahrkarte für Busse und Bahnen wohl kein Allheilmittel für die feststeckende Verkehrswende ist.

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Die Nachfrage nach dem Neun-Euro-Ticket bleibt hoch: Seit dem Verkaufsstart Ende Mai bis einschließlich Montag sind dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge bundesweit 38 Millionen Neun-Euro-Tickets verkauft worden.

"Hinzu kommen die jeweils etwa zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die monatlich das vergünstigte Ticket automatisch erhalten", teilte der Verband am Montag mit. Ferienbedingt habe der VDV lediglich einen leichten Rückgang bei den Verkäufen festgestellt.

"Die aktuellen Zahlen bestätigen nach wie vor unsere Prognose von monatlich etwa 30 Millionen Neun-Euro-Tickets", hieß es von VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. Dafür müssen allerdings die rund zehn Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, die sich nicht extra ein Neun-Euro-Ticket kaufen mussten, jeden Monat neu mitgezählt werden.

SPD-Chef Lars Klingbeil bringt erneut Übergewinnsteuer ins Spiel

Die Debatte rund um eine Anschlusslöung ging derweil am Montag weiter. SPD-Chef Lars Klingbeil sprach sich auf NDR Info dafür aus, einen Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket mit einer Sondersteuer auf hohe Zusatzgewinne von Energieunternehmen zu finanzieren. Es gebe Unternehmen, die durch den russischen Krieg in der Ukraine "massive Gewinne machen, ohne dass sie auch nur einen Handschlag mehr tun", sagte Klingbeil am Montag dem Sender. "Deswegen fordere ich, dass wir eine Übergewinnsteuer auch in Deutschland einführen."

So würden diejenigen stärker belastet, die ohne eigenes Zutun mehr verdienten. Mit dem Geld könne die "dringend notwendige" Nachfolge für das Neun-Euro-Ticket bezahlt werden. "Dass wir dafür sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger weiter kostengünstig den öffentlichen Nahverkehr nutzen können, das sollten wir hinkriegen", sagte Klingbeil. "Das Geld ist da, wir müssen es nur haben wollen."

Zuvor hatten bereits die Grünen einen Vorschlag gemacht: Sie wollen ein Regioticket für 29 Euro und ein bundesweites Ticket für 49 Euro im Monat einführen und die Kosten mit dem Wegfall des Dienstwagenprivilegs finanzieren.

Christian Lindner will Nachfolgelösung nicht finanzieren

Am Wochenende hatte sich Finanzminister Christian Lindner (FDP) gegen eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt für eine Nachfolgelösung des Neun-Euro-Tickets ausgesprochen. Dafür stünden in der Finanzplanung keinerlei Mittel zur Verfügung. Der Minister sagte, er sei von einer "Gratismentalität à la bedingungsloses Grundeinkommen" auch im Öffentlichen Nahverkehr nicht überzeugt. "Jeder Steuerzuschuss für ein nicht die Kosten deckendes Ticket bedeutet Umverteilung." Er halte es nicht für fair, wenn die Menschen auf dem Land, die keinen Bahnhof in der Nähe haben und auf das Auto angewiesen seien, den günstigen Nahverkehr subventionierten.

Die Aussagen des Politikers stießen zum Wochenanfang auf Kritik. "Menschen wissen nicht, wie sie über den Monat kommen sollen, Menschen sind verzweifelt, und dann von "Gratismentalität" zu sprechen, ist eine Frechheit", sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, am Montag in der Sendung "Frühstart" von RTL/ntv. "Es wäre Aufgabe der Politik, jetzt den Personennahverkehr im ländlichen Raum auszubauen und nicht davon zu erzählen, dass es unfair wäre, wenn der eine einen Bus hat und der andere nicht."

Studie: Nur leichter Verlagerungseffekt von der Straße

Derweil haben die ersten Auswertungen mehrerer Studien rund um das Neun-Euro-Ticket ergeben, dass die Sonderfahrkarte zwar durchaus Wirkung zeige, aber kaum alle Hoffnungen und Ziele erfüllen könne. "Aus den bisherigen Untersuchungen lässt sich nur ein leichter Verlagerungseffekt von der Straße auf den Öffentlichen Verkehr von bestenfalls zwei bis drei Prozent erkennen", sagt etwa Christian Böttger, Bahn-Experte an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW).

Das deckt sich mit ersten Ergebnissen einer Studie aus dem Großraum München, die unter anderem die Bewegungsdaten Hunderter Teilnehmer auswertet. Sie kam zum Schluss, dass 35 Prozent der Probanden häufiger mit Bus und Bahn fuhren – aber nur drei Prozent ihr eigenes Fahrzeug seltener nutzten. Fachleute warnten allerdings, dass die Datenlage nach wie vor sehr dünn sei. Für endgültige Schlüsse sei es noch zu früh. (dpa/fab)

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