Mit seinem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan hat Jan Böhmermann für einen echten Eklat gesorgt - sogar Kanzlerin Merkel schaltete sich ein. Nun könnte dem Moderator sogar strafrechtliche Konsequenzen drohen.

Bis in höchste politische Kreise hat Moderator Jan Böhmermann mit seinem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für Wirbel gesorgt - und damit eine Diskussion um Grenzen von Satire ausgelöst.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte den Beitrag mit Formulierungen, die unter die Gürtellinie zielten, "bewusst verletzend". Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, bezeichnete ihn als "instinktlos".

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Böhmermann könnten juristische Konsequenzen drohen

Wie der "Tagesspiegel" berichtet, soll das Auswärtige Amt in einer internen Prüfung festgestellt haben, dass sich Böhmermann wahrscheinlich strafbar gemacht habe.

Im Paragraf 103 des Strafgesetzbuches (StGB) heißt es unter anderem: "Wer ein ausländisches Staatsoberhaupt [...] beleidigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe, im Falle der verleumderischen Beleidigung mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Damit ein Strafverfahren gegen Böhmermann eingeleitet werden kann, müsste allerdings ein offizieller Antrag der türkischen Botschaft beim Auswärtigen Amt vorliegen.

Es bleibt abzuwarten, ob Angela Merkels Eingreifen in den Fall - die Kanzlerin hatte am Sonntagabend mit dem türkischen Ministerpräsidenten Davutoglu telefoniert und auf die bereits gezogenen Konsequenzen des ZDF verwiesen - die Wogen geglättet hat und die Türkei keine weiteren Schritte unternehmen wird.

An Böhmermanns "Neo Magazin Royale" soll sich nach Angaben des ZDF nichts ändern. Es werde die gleiche Show bleiben wie bislang auch, sagte ein Sprecher am Montag.

Er verwies auf frühere Aussagen von Programmdirektor Norbert Himmler und Unternehmenssprecher Alexander Stock. Himmler hatte erklärt: "Wir sind bekannt dafür, dass wir bei unseren Satire-Formaten breite Schultern haben und den Protagonisten große Freiräume geben." Es gebe aber Grenzen der Ironie und Satire.

Unterschiedliche Einschätzungen

ZDF-Sprecher Stock hatte beim Sender Radioeins des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) gesagt, im ZDF habe es unterschiedliche Einschätzungen zu dem Beitrag gegeben. Letztlich sei das, was in Form des Gedichtes gemacht worden sei, "für uns" dann doch der Schritt zu viel gewesen.

Das sei auch der Grund dafür gewesen, die Passage aus der Sendung sowie Wiederholungen und Online-Ausspielwegen - etwa der Mediathek - herauszunehmen. "Und diese Entscheidung, die haben wir übrigens auch gemeinsam mit Jan Böhmermann so getroffen."

Der Satiriker Martin Sonneborn bezeichnete es als bezeichnend für den Umgang mit Satire, dass Böhmermanns Beitrag in der Mediathek gelöscht worden sei. Er habe sich "vergleichsweise harmlos mit Erdogan beschäftigt", sagte der frühere "Titanic"-Chefredakteur, der mittlerweile als Abgeordneter im EU-Parlament sitzt. (dpa/dh)