Empört bis entsetzt haben deutsche Politiker auf die Forderung der AfD reagiert, im Extremfall Schusswaffen gegen Flüchtlinge einzusetzen. Ganz nüchtern analysierte das nun Politikwissenschaftler Florian Hartleb - zog dabei aber eine Parallele zu Jörg Haider.

Auf Flüchtlinge schießen? AfD-Parteichefin Frauke Petry hatte am Wochenende den Einsatz von Waffen an Grenzen als Ultima Ratio nahegelegt. Dass Grenzpolizisten auch auf Frauen und Kinder schießen sollten, befürwortete ihre Stellvertreterin Beatrix von Storch ausdrücklich via Facebook.

So ist der Schusswaffengebrauch an der deutschen Grenze geregelt.

"Man will Grenzen überschreiten"

Dass dies nun vielen den Atem stocken lässt, gehört laut dem Politikwissenschaftler Florian Hartleb genau zur Strategie der Partei. Er stuft sie als "radikal-rechtspopulistisch" ein: "Die AfD sucht gezielte Provokationen und Tabubrüche, um in den Schlagzeilen zu bleiben. Für eine rechtspopulistische Partei ist das ganz typisch", erläuterte er im Gespräch mit im Gespräch mit "ntv".

Dazu gehöre auch, Grenzen zu überschreiten: "Damit gelingt es der Partei momentan, den Diskurs um die Flüchtlinge zu dominieren", so Hartleb.

Die Strategie stoße zwar viele ab, "aber rechtspopulistische Parteien zielen immer auf eine stabile Minderheit", analysierte der Politikwissenschaftler. Trotz mehrfachen umstrittenen Äußerungen habe die AfD in den vergangenen Wochen an Zustimmung gewonnen.

Stellvertretende Bundesvorsitzende: Merkel wandert bald aus.

Untypisch: Frauen an Spitze

Zur Parteistrategie gehöre auch die Haltung "Wir gegen die Etablierten, gegen die da oben" und der Vorwurf "Wir werden von den Medien ausgegrenzt", obwohl sie dort omnipräsent sind: "Das ist eine Doppelstrategie. Dadurch wurde Jörg Haider in Österreich so erfolgreich. Er war ständig in den Talkshows und hat meistens alle anderen Kandidaten rhetorisch besiegt. Dennoch hat er gesagt, er werde von den Medien ausgeschlossen", so Hartleb im "n-tv"-Interview.

Die Medien-, die Anti-Establishment-Strategie und die Provokationen lassen Hartleb zu dem Schluss kommen: "Die AfD klaut bei Haider und der FPÖ." Ein Unterschied sei, dass die Rollen der Führungspersönlichkeit der FPÖ bei der AfD auf mehrere - weibliche - Personen verteilt seien. Die meisten Rechtsaußen-Parteien in Europa seien männerdominiert.

(af)

Bildergalerie starten

Was wurde eigentlich aus ... Stefan Petzner?

Er stand plötzlich im Rampenlicht, als Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider 2008 starb. Heute betont er: "Ich bin kein Politiker, sondern Unternehmer." Hat er sich erfolgreich von seinem verstorbenen Idol Haider emanzipiert?