Unbekannte haben einen Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen verübt, der fehlgeschlagen war. Die Ermittlungen laufen, noch ist wenig über die Hintergründe bekannt. Es stellt sich vor allem die Frage, wie die Täter in den Besitz einer Handgranate kommen konnten.

Nach dpa-Informationen war eine scharfe Handgranate in der Nacht zum Freitag auf dem Gelände der sogenannten bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle in Villingen-Schwenningen im Schwarzwald-Baar-Kreis gefunden worden.

Der Sicherheitssplint war gezogen, die Handgranate explodierte jedoch nicht. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Unbekannte haben einen Anschlag mit einer Handgranate auf eine Flüchtlingsunterkunft in Villingen-Schwenningen verübt. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Anschläge dramatisch angestiegen.

Ein Sicherheitsmann hatte die Granate gegen 1:30 Uhr auf dem Boden entdeckt und die Behörden alarmiert. Die Handgranate wurde anschließend von Bombenentschärfern des Landeskriminalamts gesprengt.

Die Kriminalpolizeidirektion Rottweil hat eine Sonderkommission "Container" eingerichtet. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen.

Ein Sprecher des LKA Baden-Württemberg erklärte auf Anfrage unserer Redaktion, dass ein Anschlag mit einer Handgranate oder ähnlichen Waffen auf eine Flüchtlingsunterkunft in Baden-Württemberg bislang noch nicht vorgekommen ist.

Neue Dimension der Gewalt erreicht

Offenbar ist damit eine neue Dimension der Gewalt gegen Flüchtlingseinrichtungen erreicht.

Über die Herkunft der Handgranate hat das LKA bislang keine Angaben gemacht. Auch über mögliche Täter wollte der Sprecher nicht spekulieren, sondern verwies auf die laufenden Ermittlungen der zuständigen Polizei.

Diese will sich auf Anfrage noch nicht zu aktuellen Ermittlungsergebnissen äußern.

Der Waffenexperte Hans Scholzen, Vorsitzender des Verbandes für Waffentechnik und -geschichte Düsseldorf, hat im Gespräch mit unserem Portal erklärt, dass Handgranaten, die in Deutschland im Umlauf seien, zumeist entweder aus dem "erweiterten Ostblocks" kommen oder aus Diebstählen.

Es sei bekannt, dass bei Armeen wie der Bundeswehr immer wieder "etwas wegkommt". Der Bestand der Bundeswehr sei jedoch registriert.

Sollte die Handgranate, mit der der Anschlag verübt worden war, aus diesem Bestand stammen, müsste die Herkunft relativ schnell geklärt werden können.

Eine Schätzung, wie viele Handgranaten oder andere Kriegswaffen in Deutschland im Umlauf seien, kann Scholz nicht abgeben.

Bei illegalen Schusswaffen wisse man jedoch, dass es etwa 15 bis 20 Millionen sein sollen. Zum Vergleich: 5,5 Millionen Schusswaffen befinden sich in Deutschland in legalem Besitz.

Dass die Handgranate nicht gezündet hat, könne laut Scholzen an verschiedenen Faktoren liegen. Beispielsweise könnte sie alt und der Zünder damit defekt gewesen sein.

Scholz weist zudem darauf hin, dass gerade aus Ostblockstaaten auch unbrauchbar gemachte Handgranaten - also ohne Sprengstoff - legal verkauft würden.

Solche könnten von Personen mit dem notwendigen Wissen und dem Zugang zu Sprengstoff auch wieder brauchbar gemacht werden. (cai/dpa)

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