Sebastian Kurz ortet einen "NGO-Wahnsinn", wenn es um die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer geht. Österreichs Außenminister bekräftigt bei einem Lokalaugenschein in Malta erneut seinen Vorschlag, Flüchtlinge in Zentren außerhalb der EU unterzubringen.

Nach einem neuen befürchteten Unglück im Mittelmeer mit rund 250 Toten hat Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) die Rettungsaktionen von Hilfsorganisationen scharf kritisiert. Das meldet die Austria Presse Agentur (APA).

"Der NGO-Wahnsinn muss beendet werden", sagte der ÖVP-Politiker am Freitag in Malta bei einem Besuch der Frontex-Mission vor Journalisten. Die Arbeit der Freiwilligen führe dazu, dass mehr Flüchtlinge im Mittelmeer ums Leben kämen statt weniger.

Außenminister Cavusoglu will das Abkommen mit der EU neu bewerten.

"Es gibt NGOs, die gute Arbeit leisten, sagte Kurz. Aber viele würden sich auch zu Partnern der Schlepper machen.

Der Minister plädierte abermals dafür, dass die geretteten Flüchtlinge nicht mehr nach Italien gebracht werden sollten. Sie sollten nach australischem Vorbild gestoppt und in Flüchtlingszentren außerhalb der EU untergebracht werden.

Wenn den Migranten klar sei, dass sie auf Inseln wie Lampedusa (Italien) oder Lesbos (Griechenland) gestoppt werden, würde sich innerhalb kürzester Zeit niemand mehr auf den Weg machen, zitierte die APA den Außenminister.

Kritik auch von Frontex

Vertreter der EU-Grenzschutzagentur Frontex stimmten ähnliche Töne an. Die Geschäfte krimineller Netzwerke und Schlepper würden dadurch unterstützt, dass die Migranten immer näher an der libyschen Küste von europäischen Schiffen aufgenommen würden", sagte Frontex-Direktor Klaus Rösler bei dem gemeinsamen Besuch in Sizilien und Malta.

Es reiche für die Schlepper, mit immer schlechteren Gummibooten nur zwölf Seemeilen von Libyen aus zu fahren. Dann erreichen sie Rösler zufolge internationale Gewässer und können einen Notruf absetzen.

2017 schon mehr als 500 Tote

Bisher sind im heurigen Jahr im Mittelmeer laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen. Im gesamten vergangenen Jahr waren es rund 4.500. (ank/dpa)