Der FPÖ-Klubdirektor von Innsbruck Land erlangt in diesen Tagen zweifelhaften Ruhm: Johann Überbacher glänzt in einem TV-Interview mit "Russia Today" durch schlechtes Englisch und bizarres Auftreten. Das Netz lacht, Tirols Wirtschaftsbund tut das nicht.

International ist in den vergangenen Tagen über die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Innsbruck berichtet worden. Auch in Russland machten die Vorfälle Schlagzeilen. So brachte der Sender "Russia TV" zu Wochenbeginn ein Interview mit einem Ansprechpartner aus Österreich: Johann Überbacher, FPÖ-Klubdirektor von Innsbruck Land.

Das Gespräch geriet zu einer höchst bizarren Szene: Überbacher formulierte seine Statements in schlechtem Englisch und las zusätzlich von einem Zettel ab, was auf Twitter für Hohn und Spott sorgte. Dort wurde das Video vom Interview zigfach geteilt:

Auch sorgten Überbachers Aussagen inhaltlich für Irritation. Schon auf die Einstiegsfrage der Moderatorin, wie solche Übergriffe sich direkt im Zentrum Innsbrucks ereignen konnten, wo doch die höchste Polizeipräsenz gewesen sein müsse, reagierte der FPÖler zunächst mit Wünschen zum orthodoxen Weihnachtsfest, das am Wochenende in Russland gefeiert wurde: "Das Problem ist ... Zuerst möchte ich Ihnen und allen Menschen in Russland fröhliche Weihnachten wünschen. Es ist mir wichtig, Russland frohe Weihnachten zu wünschen."

Überbacher zeichnet düsteres Bild von Innsbruck

Schließlich begann er mit seiner Antwort, die anschließend für Kritik in Österreich sorgte. Überbacher versuchte offenbar, das "Flüchtlingsproblem" in Österreich zu schildern, kolportierte aber falsche Informationen. Er sprach von "150 Menschen aus nicht-afrikanischen Staaten wie Marokko". Abgesehen davon, dass Marokko ein afrikanischer Staat ist, leben in Innsbruck insgesamt mehr Flüchtlinge, der "Kurier" korrigierte die Zahl auf 2.000. Überbacher beschrieb sie als in Wahrheit Wirtschaftsflüchtlinge, die dann mit Drogen dealten und sexuellen Missbrauchen betrieben.

Nach Silvesterübergriffen in Innsbruck macht Polizei sechs Männer ausfindig.

"An Niveaulosigkeit kaum zu überbieten"

Aus Sicht des Tiroler Wirtschaftsbunds waren Überbachers Aussagen wirtschaftlich schädlich für Tirol beziehungsweise nach den Worten von Wirtschaftsbundobmann Franz Hörl "an Niveaulosigkeit kaum zu überbieten".

"Tirol ist und bleibt ein weltoffenes Land der Gastgeber, in dem Gäste aus aller Herren Länder willkommen sind und in dem die Gesetze eins Rechtsstaats gelten - auch für jene, die dieses Gastrecht missbrauchen", schrieb Hörl in Aussendung, "wir sind ganz sicher kein Hort xenophober, sprachlich beschränkter Eiferer. Aber das muss man fast glauben, wenn man sich das Live-G'stammel dieses Dr. Überbacher anschaut, es zu verstehen versucht und diesen rechten Attidüden auch nur den geringsten Glauben schenkt. Wir sind kein Flüchtlingslager und schon gar kein Land, das droht im Chaos zu versinken."

FPÖ wehrt sich

Auf die Kritik erklärte Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger: "Nicht Interviews schaden, sondern die EU-Sanktionen (gegen Russland, Anm.), die die ÖVP auch mitgetragen hat, schaden den Beziehungen Österreichs zu Russland". Die Übergriffe in Innsbruck seien "mehr als alarmierend" gewesen. Die Öffentlichkeit habe ein berechtigtes Interesse daran, dass diese aufgeklärt würden.

So ernst das Thema ist: Der Spott über Überbachers Auftritt reißt auch Tage nach seinem Auftritt nicht ab:

(af)

Weitere Nachrichten des Tages

Teaserbild: © YouTube/Russia TV