Angela Merkel distanziert sich von Emmanuel Macron. Dessen Kritik an der NATO sei "nicht nötig" und ein "Rundumschlag". Frankreichs Präsident hatte dem Bündnis zuvor bescheinigt, vor dem "Hirntod" zu stehen.

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Angela Merkel hat die Kritik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an der NATO zurückgewiesen.

"Ich glaube ein solcher Rundumschlag ist nicht nötig, auch wenn wir Probleme haben, auch wenn wir uns zusammenraufen müssen", sagte die Bundeskanzlerin nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

"Macron hat ja drastische Worte gewählt, das ist nicht meine Sicht der Kooperation in der Nato", betonte die Kanzlerin. "Die transatlantische Partnerschaft ist unabdingbar für uns." Ihrer Ansicht nach gebe es viele Bereiche, in denen die Allianz gut zusammenarbeite.

Stoltenberg schloss sich der Sichtweise der Kanzlerin an. "Die NATO ist stark", sagte er.

Macron bescheinigt der NATO den "Hirntod"

Der französische Präsident hatte das Verteidigungsbündnis zuvor infrage gestellt. "Was wir derzeit erleben, ist der Hirntod der NATO", sagte Macron der britischen Zeitschrift "The Economist" in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview.

Es gebe "keinerlei Koordination bei strategischen Entscheidungen zwischen den USA und ihren NATO-Verbündeten".

Auf die USA sei für die Staaten Europas kein Verlass mehr. Die NATO müsse im Lichte des Engagements der Vereinigten Staaten neu bewertet werden.

Macron sieht zwei Schuldige: USA und Türkei

"Wir finden uns das erste Mal mit einem amerikanischen Präsidenten wieder, der unsere Idee des europäischen Projekts nicht teilt", sagte Macron weiter.

Zudem zeige das NATO-Land Türkei ein "unkoordiniertes, aggressives" Vorgehen in einem Bereich, in dem die Sicherheitsinteressen aller berührt seien. Damit spielte er auf die türkische Militäroffensive gegen die Kurden in Nordsyrien an.

In dem Gespräch, das nach Angaben des Magazins bereits Ende Oktober geführt wurde, zweifelte Macron offen an, ob ein Angriff auf ein NATO-Mitglied heute als Angriff auf alle betrachtet würde.

Europa müsse seine militärische Souveränität wiedererlangen, schloss Macron daraus. Die internationale Sicherheitslage und die aufstrebende Macht China hätten zu einer "außergewöhnlichen Schwäche Europas" geführt. "Wenn Europa sich nicht als Weltmacht sehen kann, wird es verschwinden", warnte Macron.

Europa stehe am Rande des Abgrunds und laufe Gefahr, nicht mehr selbst über sein Schicksal bestimmen zu können. Es müsse aufwachen.

Der NATO-Gipfel findet am 3. und 4. Dezember in London statt. In diesem Jahr feiert das Bündnis den 70. Jahrestag seiner Gründung. (hau/ank/AFP/dpa)

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