Marine Le Pen geht bei den Regionalwahlen in Frankreich leer aus, doch aufgeben will die Chefin des Front National noch lange nicht. Die 47-Jährige bleibt kämpferisch – und gefährlich. 2017 will sie Präsidentin werden. Premierminister Manuel Valls und Ex-Präsident Nicolas Sarkozy sehen die politischen Entwicklungen in Frankreich mit Sorge.

Viel Lärm um nichts? Nach den Ergebnissen der Regionalwahlen in Frankreich könnte diese Vermutung naheliegen. Nach dem Triumph im ersten Wahlgang vor gut einer Woche hat der Front National (FN) im zweiten Durchgang eine bittere Niederlage einstecken müssen. Die Partei von Marine Le Pen musste sich am Sonntag landesweit geben, nachdem sie zuvor noch in sechs Regionen geführt hatte.

Dämpfer für den "Front National" um Parteichefin Marien Le Pen: Beim zweiten Durchgang der Regionalwahlen in Frankreich am Sonntag verlor die rechtsextreme Partei in allen Regionen. Für einige Medienvertreter ist Le Pen dennoch die heimliche Siegerin der Wahl. Das sagt die Presse.

"Aber das erlebte politische Drama der Franzosen sagt, dass es kein gutes Ende ist. Die Krankheit des französischen Systems und der Gesellschaft bleibt tief greifend und läuft Gefahr, sich mit Blick auf die Präsidentenwahl 2017 noch zu verschlimmern", wertet der "Corriere della Sera".

Le Pen will Präsidentin werden

Dass in Frankreich der politische Umschwung kommt, daran glaubt Marine Le Pen selbst mehr denn je. Die Rechtspopulistin zeigt sich trotz des Wahldebakels vom Sonntag kämpferisch.

Nach der Niederlage sprach sie von einem "unaufhaltsamen Aufstieg" der Front National. "Nichts kann uns aufhalten", rief Le Pen jubelnden Anhängern zu.

Noch am Sonntagabend eröffnete sie den Präsidentschaftswahlkampf. Die 47-Jährige will selbst für das Präsidentschaftsamt kandidieren.

Le Pen kritisierte die konservativen Parteien. Mit einer Angstkampagne hätten sie ihre Bewegung verleumdet. Damit nahm Le Pen offenbar Bezug auf Manuel Valls Warnung vor einem Bürgerkrieg.

Kurz vor den Regionalwahlen hatte der sozialistische Regierungschef vor möglichen Folgen für Frankreich gewarnt. Die Rechtsextremen wollten eine Spaltung des Landes. "Diese Spaltung kann letztlich zu einem Bürgerkrieg führen", sagte Valls auf France Inter.

Dass Le Pens Front National durchaus Potential hat, den etablierten Parteien den Rang abzulaufen, zeigte sich vor einer Woche. Da hatten Kantersiege des FN in Nord-Pas-de-Calais-Picardie und im Südosten Schlimmeres befürchten lassen.

Im ersten Wahlgang hatte der FN mit 27,7 Prozent sein landesweit bestes Ergebnis erzielt – vor den Konservativen um Nicolas Sarkozy (26,7) und dem Bündnis der Sozialisten von François Hollande (23,1).

Bei den Wählern unter 30 Jahren ist der Front National unter Le Pen die beliebteste Partei. Die 47-Jährige hat die Partei zunehmend seit 2011 – als sie den Vorsitz übernahm – salonfähig gemacht.

Valls und Sarkozy warnen

Zwar ist es den Rechten am Sonntag nicht gelungen, eine der 13 Landesregionen für sich zu gewinnen, dennoch warnt Regierungschef Manuel Valls weiter vor dem FN. Die Gefahr durch Rechtsextreme sei nicht gebannt.

Deswegen gebe es weder Erleichterung noch Triumph. Nun müsse "schneller gehandelt werden, um schneller Ergebnisse zu bekommen".

Als Beispiele nannte Valls Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und die Ausbildung junger Menschen. Die schlechten Wirtschaftswerte werden der Regierung angelastet.

Ex-Präsident Sarkozy sagte, die Mobilisierung der Wähler dürfe die Warnungen aus der ersten Runde an alle verantwortlichen Politiker nicht vergessen lassen.

Etwas anders wertete EU-Parlamentspräsident Martin Schulz den Wahlausgang. "Frau Le Pen ist wahlpolitisch ein Scheinriese", sagte er im "Deutschlandfunk".

Der FN sei nicht so stark, wie es scheine. Das habe die Wahlbeteiligung deutlich gemacht, die am Sonntag um fast zehn Prozentpunkte höher lag als im ersten Wahlgang.

Auch Steinmeier besorgt

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier äußerte sich zufrieden über den Wahlausgang in Frankreich. "Trotzdem: Das Erstarken rechter und rechtsextremer Parteien in Europa bereitet mir große Sorgen. Ein Rückfall in nationale Abschottung ist das Letzte, was wir heute in Europa brauchen", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Montag.

"Denn das vergiftet nicht nur das Klima, schürt Hass und Zwiespalt zwischen den Menschen, sondern er verhindert zudem die Lösung drängender Aufgaben, mit denen Europa heute massiv konfrontiert ist." (far/dpa)