Gregor Gysi: Seine besten Sprüche

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Gregor Gysi ist ein Schwergewicht - politisch wie rhetorisch. Am Freitag zeichnet der Burda-Verlag ihn mit der Goldenen Henne in der Kategorie Politik aus. Mit Witz und spitzer Zunge habe er sich über Parteigrenzen hinweg Achtung verdient, heißt es zur Begründung. Wir gratulieren mit einem Best of seiner Sprüche.

Gregor Gysi war 1989/90 der letzte Vorsitzende der "Sozialistischen Einheitspartei" (SED) der DDR, bevor diese in "Partei des Demokratischen Sozialismus" (PDS) umbenannt wurde. Aus der PDS wurde später die "Linkspartei" und dann die gesamtdeutsche Partei "Die Linke".
Zwischen 1990 und 2000 saß Gregor Gysi schon einmal im Bundestag. Seit 2005 mischt er dort wieder mit und mach nicht nur seinem Ruf als politisches, sondern auch als rhetorisches Schwergewicht alle Ehre. Hier finden Sie eine Auswahl der besten Zitate des Berliners.
Nicht selten müssen seine politischen Gegner vor dem Redetalent in Deckung gehen. Gysi 2011 zu Thomas Oppermann (SPD): "Dass Sie mich fürchten, begrüße ich."
Mit Kritik ist er nicht zimperlich. 2011 sagt er: "Frau Bundeskanzlerin Merkel, wenn ich frage: Was haben Sie zur Vertiefung der deutschen Einheit als Kanzlerin getan, kommt bei mir heraus: gar nichts!"
Zuweilen kommt seine Kritik auch mit einer guten Portion Ironie daher: "Ich fand das Plakat der CSU 'Wer betrügt, der fliegt!' gut. Ich weiß nur nicht, wo wir mit der ganzen Bundesregierung hin sollen", stichelte er am Politischen Aschermittwoch 2015.
Aber auch Selbstironie ist eine der Stärken des begnadeten Rhetorikers. Auf die Frage "Sollen die Männer Feministen sein?" antwortete Gysi der "Tageszeitung" (taz) im September 2012: "Männer können in der Regel keine Feministen sein, ich kenne nur eine Ausnahme - mich selbst."
Auch Selbstkritik gehört zu Gysis Stärken. Nach der Wahl Frank-Walter Steinmeiers zum Bundespräsidenten sagt er: "Ich hoffe, dass wir Politikerinnen und Politiker der nächsten Ebene jeden Monat von ihm eine kleine Backpfeife bekommen, was wir anders machen sollen."
Über die Wiedervereinigung denkt der Linken-Politiker: "Das war ein Beitritt der DDR zur Bundesrepublik. Wir hätten uns damals eine neue Verfassung durch zwei Volksentscheide geben können, dann wäre ein neuer Staat entstanden. Das wäre juristisch chancengleicher gewesen. Natürlich wurde der Osten vereinnahmt, vor allem die Wirtschaft. Da sind Chancen verpasst worden. Deshalb war es keine Vereinigung."
25 Jahren nach der Wiedervereinigung war diese aus Gysis Sicht noch nicht vollendet. Mindestens drei Dinge fehlten: "Wirtschaftlich muss der Osten unbedingt aufholen. Da muss es eine spezifische Förderung zur Ansiedlung von Wirtschaft geben", sagte er 2015 dem "Handelsblatt".
"Das Zweite ist: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit in gleicher Arbeitszeit. Das Dritte: Gleiche Rente für die gleiche Lebensleistung. Außerdem müssen wir mal aus dem Kalten Krieg heraus und uns die Dinge gelassener anschauen."
Nach zehn Jahren als Fraktionschef der Linken im Bundestag gab Gysi den Posten 2015 auf. Auf Facebook schrieb er: "Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich wünsche Ihnen allen aufrichtig beste Gesundheit, schöne Erlebnisse, viel Glück - und nur ein wenig vom Gegenteil, um nicht zu verlernen, Glück zu schätzen."
Weiter hieß es in dem Post: "Außerdem wünsche ich Ihnen allen größte politische Erfolge - natürlich nur insoweit, wie sie mit meinen politischen Sichten übereinstimmen. Und da Sie für mich immer eine Herausforderung waren, was zweifellos zu meiner Entwicklung beigetragen hat, sage ich Ihnen auch: Danke!"
Fraktionsvorsitz hin oder her: Auf Gysis Sprüche muss bislang niemand verzichten. Er ist weiterhin Mitglied des Bundestags, häufig in Talkshows zu Gast und meldet sich auch sonst zu Wort - zuweilen mit intimen Aussagen. "Ich bin jetzt 69 Jahre. Alles hat Grenzen. Wenn überhaupt, findet FKK bei mir nur noch zu Hause statt", sagte er im August der "Bild"-Zeitung.
In einem Interview für die "Bild"-Zeitung stand Gysi Anfang Januar vor der Aufgabe, über ausgewählte Personen etwas Nettes zu sagen. Sein Beitrag zu Angela Merkel "Sie kann zufällig sehr nett lächeln, ist für eine Kanzlerin erstaunlich bescheiden und ist materiell überhaupt nicht interessiert."
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