Während sich nach dem Machtwechsel in Athen die Parteien links wie rechts der Mitte gegen die internationalen Geldgeber verbünden, sitzen sich bei Frank Plasberg Vertreter unterschiedlicher Positionen gegenüber. Eine konkrete Lösung für das Schuldenproblem hat anscheinend jedoch niemand parat.

Kaum zum griechischen Ministerpräsidenten gewählt, erklärte Alexis Tsipras die Rettungspolitik von EU und IWF für gescheitert. Der Syriza-Chef will keine Verlängerung des Ende des Monats auslaufenden Rettungsprogramms beantragen, denn seine Regierung könne "nicht um eine Verlängerung von Fehlern bitten." Gleichzeitig schlägt Tsipras ein Überbrückungsprogramm vor, um die Schuldenkrise zu überwinden, und verlangt von Deutschland Reparationszahlungen. Zudem will er einen Zwangskredit aus dem Zweiten Weltkrieg eintreiben.

"Hart aber fair" widmete sich am Montagabend dem Thema "Griechenlands Schuldenpoker – zieht uns der Süden über den Tisch?" Moderator Frank Plasberg und seine Gäste diskutierten: Ist Sparen in Europa bald out? Wird der Euro zur Weichwährung? Und wer zahlt am Ende den möglichen Kompromiss?

Wer sind die Gäste?

Fünf Gäste diskutieren mit Plasberg über Griechenland und die Schuldenkrise. Mit Spannung wurde das Aufeinandertreffen von Oskar Lafontaine (Die Linke) und dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner erwartet. Daneben sind die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, Attac-Mitglied und Politikwissenschaftler Alexis Passadakis sowie Jochen Bittner, politischer Redakteur der "ZEIT" und Autor des Buches "So nicht, Europa!", zu Gast.

Während der Live-Sendung können sich die Zuschauer wie gewohnt via Telefon, Fax, Twitter und Facebook in die Diskussion einschalten.

Wer liefert sich das Rede-Duell des Abends?

Griechischer Premier verlangt von Deutschland Milliarden-Zahlungen.

Zu Beginn deutet alles auf eine hitzige Diskussion hin: Lindner kritisiert Tsipras, der der griechischen Bevölkerung zwar hehre Wahlversprechen gemacht habe, jedoch keine Vorschläge machen könne, wie diese umzusetzen seien. Einen Seitenhieb gegen Oskar Lafontaine schiebt der FDP-Mann umgehend hinterher. Das sei so, als wäre Lafontaine Bundeskanzler geworden und wolle nun, dass die Wahlversprechen der Linken von Frankreich finanziert würden.

Lafontaine macht kaum Anstalten zu kontern. Er verteidigt Tsipras allerdings und plädiert dafür, Griechenlands neuem Ministerpräsidenten eine Chance zu geben. Überhaupt bleibt der ehemalige Bundesfinanzminister auch nach einigen Spitzen seitens Yasmin Fahimi ungewohnt blass. Die erhoffte Diskussion bleibt aus.

Wer argumentiert am besten?

Alexis Passadakis, dessen Großvater 1941 als Zwangsarbeiter nach Deutschland gebracht wurde, springt Lafontaine zur Seite und wirft diverse Zahlen in den Raum. Kernaussage: Ein Großteil der Gelder aus dem Rettungsprogramm seien an den Finanzsektor geflossen, nicht an die griechische Bevölkerung. Tsipras habe sehr wohl konkrete Pläne, wie die Lage der griechischen Bevölkerung zu verbessern sei, brauche aber Zeit, um diese auch umzusetzen. Die Wahlen in Griechenland sieht Passadakis auch für andere europäische Länder als Signal gegen die missglückte Sparpolitik. Alles in allem wirken die Argumente von Passadakis fundiert, differenziert und sachlich.

Sie tanzen aus der Reihe. Für ihren Kleidungsstil wurden der neue Ministerpräsident Alexis Tsipras und sein Finanzminister Gianis Varoufakis belächelt. Mit ihrem freundlichen Lächeln konnten sie ihrerseits bislang aber keinen so recht überzeugen. In Brüssel und in Berlin hat man ihnen die kalte Schulter gezeigt. Dennoch sind beide nicht zu unterschätzen.

Hat es sich gelohnt, einzuschalten?

Alles in allem verläuft die Diskussion recht harmonisch. Alle Beteiligten verharren - wie nicht anders zu erwarten war - in ihren jeweiligen Positionen. Passadakis und Lafontaine geben sich als Fürsprecher der neuen Regierung in Athen. Lindner fällt hauptsächlich durch Schuldzuweisungen und Belehrungen in alle Richtungen auf, während Bittner und Fahimi zwar sehr besorgt wirken, sich aber mit keiner Position so recht zu solidarisieren vermögen.

Lediglich darin, dass die EU-Sparpolitik gescheitert ist, sind sich bist auf Christian Lindner alle einig. Und die Zuschauer? Die sind unterm Strich am Ende genauso schlau wie zuvor, was sich auch an den ambivalenten Kommentaren widerspiegelt, die gegen Ende der Sendung verlesen werden. (lug)