Nicht nur Deutschland trauert um Altkanzler Helmut Schmidt. Die internationalen Pressestimmen zum Tod des Altkanzlers.

Österreich


Erika Steinbach eckt mit ihrem Helmut-Schmidt-Zitat allerorten an.

Der Standard: "Eingemischt hat er sich bis ins hohe Alter. Aber kaum jemand nahm es Helmut Schmidt übel, nicht einmal die Sozialdemokraten, an deren Politik er gelegentlich auch etwas auszusetzen hatte. Im Gegenteil: Kein Altkanzler hat in Deutschland so große Verehrung genossen wie 'Schmidt-Schnauze', wie er seit vielen Jahren wegen seiner pointierten Sprüche genannt wurde. Zum Schluss wagte auch keiner mehr zu widersprechen, denn es war ja keiner mehr da, der so viel miterlebt hatte wie der nun 96-jährig Verstorbene."

Die Presse: "Er war der Methusalem der deutschen Politik, und längst war Helmut Schmidt gerade für eine jüngere Generation trotz seines mitunter schroffen Tons zu einer Kultfigur avanciert. Da erhob sich einer eigenmächtig und kraft seiner Autorität über die Gesetze politischer Korrektheit. Er nahm sich die Freiheit, bei jeder Gelegenheit – auf der Theaterbühne, im TV-Studio – an seinen geliebten Mentholzigaretten zu qualmen und Cola light zu schlürfen und dabei als politischer Kommentator der Weltenläufe die Nation zu schulmeistern."

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Schweiz

Neue Zürcher Zeitung: "Wie hanseatisch dieser Schmidt doch war und wie sehr man sich unter Kennern damals stritt, was er denn für eine Kopfbedeckung trug, dieser kalkulierende Kämpfer gegen die grosse Sturmflut von 1962! War es eine Prinz-Heinrich-Mütze? Nein, zu kleiner Deckel, zu hoher Steg. War es das Modell 'Elbsegler'? Schon besser, aber noch nicht ganz! Elblotsenmütze? Korrekt! Und, wichtig: immer in gedeckten Farben. (...) Darunter steckte ein Kopf, der dauernd zu rauchen schien. Die glühende Zigarette deutete ein Weltverhältnis an, das sich den Problemen der Zeit, den Öl- und Weltwirtschaftskrisen sowie Linksterrorismus, ganz auf den Spuren seiner politischen Vorbilder, Otto von Bismarck, Walther Rathenau oder Winston Churchill, näherte. Unaufgeregt wirkte Schmidt, ruhig, souverän."


Mit rührenden Worten ehren unsere Leser Helmut Schmidt.

Tages-Anzeiger: "Dass der glänzende Rhetoriker auch energisch zupacken konnte, bewies Schmidt bei der Hochwasserkatastrophe 1962 in seiner Heimatstadt Hamburg. Als Innensenator leitete er die Rettungsmaßnahmen bei der verheerender Sturmflut mit mehr als 300 Todesopfern. (...) Die überforderten Polizisten, die er vor Ort antraf, bezeichnete Schmidt später als 'aufgeregte Hühner, die wild durcheinander liefen'. Schmidt aber behielt die Ruhe, verschaffte sich einen Überblick und organisierte dann – seinen guten Beziehungen sei Dank – einen beispiellosen Hilfseinsatz mit Booten, Hubschraubern, Soldaten. Schmidts unzimperlicher Einsatz eckte bei einigen an – rettete wohl aber manches Menschenleben und verschaffte ihm den Ruf, kein Schwätzer, sondern ein Macher zu sein."

Frankreich

Le Monde: "Helmut Schmidt ist tot, ehemaliger Kanzler und Architekt der französisch-deutschen Freundschaft."

Großbritannien

The Guardian: "Schmidt sollte nicht nur als deutscher Kanzler betrachtet werden. Er spielte auf der Weltbühne, sowohl in Wirtschafts- als auch in Sicherheitsfragen. Seine Regierungszeit war durchwachsen, sein Fall schmählich. Aber er machte Westdeutschland zur verbündeten Supermacht. Helmut Schmidt verdient es, als Westdeutschlands 'Kanzler von Welt' erinnert zu werden."

BBC: "Pragmatisch, geradeheraus und oft kontrovers, war Helmut Schmidt ein weitsichtiger politischer und wirtschaftlicher Stratege, der Westdeutschland in den 1970ern durch turbulente Zeiten geführt hat und seinen Wunsch nach einem wiedervereinigten Land erfüllt gesehen hat."

USA

New York Times: "Helmut Schmidt vereinigte persönliche Dynamik, brillante Führungsqualitäten und häufig spitzzüngige Ungeduld, um sein Land in eine international bestimmende Rolle zu drängen, als sich der Kalte Krieg bis in die 1970er-Jahre hinzog."

Spanien

El País: "Helmut Schmidt ist tot, der Kanzler, der sich nicht dem Terrorismus unterworfen hat."


Er war der letzte noch lebende Ex-Außenminister der FDP: Klaus Kinkel ist tot. Der politische Ziehsohn von Hans-Dietrich Genscher starb am Montag mit 82 Jahren.


(zusammengestellt von ank)