Jetzt soll es Carlo Cottarelli in Italien richten: Nach dem Scheitern der geplanten Fünf Sterne/Lega Nord-Koalition hat der Wirtschaftsexperte den Auftrag zur Bildung einer Regierung in Italien erhalten.

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Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella erteilte dem ehemaligen Direktor beim Internationalen Währungsfonds, Carlo Cottarelli, am Montag das Mandat, eine Übergangsregierung zusammenzustellen, die das Land zu einer Neuwahl führen könnte.

Mit der Personalie hofft Mattarella auch, die unruhigen Finanzmärkte zu stabilisieren und das Vertrauen in Italien wiederherzustellen.

Cottarelli war von 2008 bis 2013 Direktor beim Internationalen Währungsfonds. Auch diente der 1954 im norditalienischen Cremona geborene Cottarelli in einer Regierung unter Ministerpräsident Enrico Letta als "Sparkommissar".

Neuwahlen werden kommen

Cottarelli wird nicht lange an der Macht sein. Lega und Sterne haben im Parlament die Mehrheit und wollen gegen ihn stimmen. Das bedeutet, dass der dann so schnell wie möglich zu einer neuen Wahl führen muss.

Bekomme er keine Zustimmung im Parlament, würde eine "sofortige" Neuwahl angepeilt - das könnte "nach August" passieren.

Sollte er vom Parlament doch gewählt werden, könnte Anfang 2019 gewählt werden, so Cottarelli.

Aber auch dann droht eine ähnliche Hängepartie wie am 4. März. Damals waren die Sterne mit 32 Prozent stärkste Kraft geworden.

Die Lega hatte 17 Prozent innerhalb einer Mitte-Rechts-Allianz bekommen, die insgesamt auf rund 37 Prozent gekommen war.

Präsident lehnte Finanzminister ab

Fast drei Monate nach der Parlamentswahl war der Versuch der Anti-Establishment-Parteien, eine Regierung zu bilden, am Sonntag überraschend gescheitert.

Ihr gemeinsamer Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Giuseppe Conte, gab nach nur vier Tagen den Regierungsauftrag an Mattarella zurück.

Mattarella hatte sich verwehrt, den Euro- und Deutschland-Kritiker Paolo Savona zum Finanzminister der Koalition zu ernennen. Er könne keinen Kandidaten akzeptieren, der einen Euro-Ausstieg Italiens ins Spiel bringe, hatte er gesagt.

In Italien muss der Präsident das Kabinett erst absegnen, bevor es sich im Parlament zur Wahl stellt und die Regierungsgeschäfte aufnehmen darf. Sowohl die Lega als auch die Sterne sehen in Mattarellas Entscheidung einen direkten Angriff auf demokratische Grundsätze.

"Er repräsentiert die Interessen der anderen Länder, (...) wir sind eine deutsche oder französische Kolonie", sagte Lega-Chef Matteo Salvini. (ff/sz/dpa)

Drei Monate nach der Wahl sollte das Populisten-Bündnis besiegelt werden, da zerplatzt es an einer Personalie. Profitieren davon jetzt die nun gescheiterten Parteien? Wahrscheinlich - auch weil sie bereits einen Schuldigen gefunden haben.