Jubel, Protest und eine Rüge: Die Bilder zu Erdogans Staatsbesuch

Der Staatsbesuch von Recep Tayyip Erdogan verlief trotz Tausender feiernder Erdogan-Anhänger und Demonstranten auf der anderen Seite weitgehend ruhig. Der türkische Staatspräsident wertete seinen Deutschland-Besuch als Erfolg. Tatsächlich schlug Erdogan versöhnliche Töne an – doch es gab auch einen Eklat. Der umstrittene Staatsbesuch in Bildern.

Dort wurden sie von Konrad Arz von Straussenburg (li.), Protokollchef des Auswärtigen Amtes, und dem Chef des Bundespräsidialamtes Stephan Steinlein (r.) empfangen.
Erdogan kam im Bemühen um ein Ende der politischen Differenzen nach Deutschland. Vor seinem dreitägigen Besuch hatte er für einen Neustart der angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern geworben.
Dass der türkische Präsident zu einem offiziellen Staatsbesuch mitsamt Bankett und militärischen Ehren eingeladen worden war, stieß im Vorfeld auf massive Kritik.
Erdogan traf noch im Laufe des Donnerstags Berater und Vertreter türkischer Organisationen. Die Gespräche sollten in der Türkischen Botschaft und im Hotel Adlon stattfinden.
Viele Menschen hießen Erdogan in Berlin willkommen, doch es gab auch zahlreiche Proteste gegen den türkischen Staatspräsidenten.
Wegen des Staatsbesuchs galt ab Donnerstagmorgen Sicherheitsstufe 1 im Berliner Regierungsviertel. Schwer bewaffnete Polizisten patrouillierten zwischen Bundeskanzleramt, Reichstagsgebäude und dem Hotel Adlon am Brandenburger Tor.
Auf dem Dach des Adlon postierten sich vermummte Scharfschützen aus den Spezialeinheiten der Polizei. Erdogan und seine Delegation kamen während des Deutschlands-Besuchs in dem Luxushotel unter.
Insgesamt würden während des Staatsbesuchs bis zu 4.200 Polizisten in Berlin im Einsatz sein, hatte es im Vorfeld geheißen.
Das offizielle Programm startete am Freitagmorgen. Zunächst empfing Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Erdogan mit militärischen Ehren auf Schloss Bellevue.
Der Eintrag im Goldenen Buch gehört zum Standardprozedere eines Staatsbesuchs.
Im Anschluss an den offiziellen Teil gab es ein Gespräch zwischen den beiden Staatsoberhäuptern. Steinmeier wollte sich dabei für mehr Rechtsstaatlichkeit in der Türkei einsetzen, hieß es im Vorfeld aus dem Präsidialamt.
Am Freitagmittag empfing Bundeskanzlerin Angela Merkel Erdogan im Kanzleramt , wo zunächst ein gemeinsames Mittagessen auf dem Programm stand.
Im Anschluss an die Gespräche gaben Merkel und Erdogan eine gemeinsame Pressekonferenz. Merkel äußerte dabei Kritik an der Lage in der Türkei. Es gebe weiterhin "tiefgreifende Differenzen" zwischen Deutschland und der Türkei, betonte sie.
Auf der Pressekonferenz kam es zu einem Zwischenfall: Der Journalist Ertugrul Yigit, der ein T-Shirt mit der Aufschrift "Gazetecilere Özgürlük - Freiheit für Journalisten in der Türkei" trug, wurde von Sicherheitsleuten hinausgeführt.
Regierungssprecher Seibert verteidigte das Vorgehen bei der Pressekonferenz im Anschluss: "Wir halten es bei Pressekonferenzen im Kanzleramt wie der Deutsche Bundestag: keine Demonstrationen oder Kundgebungen politischer Anliegen", schrieb er auf Twitter.
Auch der frühere Chefredakteur der Zeitung "Cumhuriyet", Can Dündar, hatte sich zur Pressekonferenz angekündigt. Nachdem es aus der Erdogan-Delegation jedoch Drohungen gab, seinetwegen die Pressekonferenz platzen zu lassen, verzichtete er. Erdogan fordert die Auslieferung des in Deutschland im Exil lebenden Journalisten.
Der Staatsbesuch wurde von zahlreichen Protesten begleitet. Verschiedene Gruppen und Bündnisse riefen am Freitag und Samstag zu Demonstrationen gegen Erdogan auf. Auch in Köln kam es zu Protesten.
Am Freitagabend fand das Staatsbankett im Schloss Bellevue statt, zu dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geladen hatte. Mehrere Oppositionspolitiker hatten ihre Teilnahme im Vorfeld aus Protest abgesagt.
Der Grünen-Politiker Cem Özdemir ließ sich die Begegnung mit Erdogan hingegen nicht nehmen. Bei der Begrüßung vor dem Staatsbankett kam es zu einem frostigen Händedruck. "Ich bedauere, dass von dem früheren Erdogan nichts mehr übrig ist", sagte Özdemir nach eigenen Angaben.
Steinmeier sprach in seiner Rede erneut die Themen Pressefreiheit und Menschenrechte in der Türkei an, worauf Erdogan wütend reagierte. Er rügte den Bundespräsidenten in seiner Tischrede und wies die Vorwürfe Deutschlands scharf zurück.
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