Bei einem der schwersten Anschläge der vergangenen Jahre in der afghanischen Hauptstadt Kabul nahe der deutschen Botschaft wurden Dutzende Menschen getötet und Hunderte verletzt, darunter auch Bedienstete der deutschen Botschaft.

Ein afghanischer Sicherheitsmitarbeiter, der das Gelände beschützte, wurde getötet, wie Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin mitteilte.

Deutsche Botschaft massiv beschädigt

Gabriel berichtete, der Anschlag sei in "unmittelbarer Nähe" der deutschen Botschaft verübt worden.

Fotos zeigten, dass das Gebäude massiv beschädigt wurde. Unter anderem wurden Dutzende Fenster herausgesprengt.

Gabriel verurteilte die Bluttat aufs Schärfste. "Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer."

Zugleich betonte er: "Solche Anschläge ändern nichts an unserer Entschlossenheit, die afghanische Regierung bei der Stabilisierung des Landes weiter zu unterstützen."

Die Taliban haben nach Angaben der Nachrichtenagentur AP über ihren Sprecher Zabihullah Mujahid betont, nicht für den Anschlag verantwortlich zu sein.

Bei dem verheerenden Autobombenanschlag nahe der deutschen Botschaft wurden mindestens 80 Menschen getötet und über 300 Menschen verletzt. Das bestätigte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums gegenüber "Spiegel Online."

"Unseren ersten Ermittlungen zufolge hat ein Selbstmordattentäter eine Autobombe gezündet", erklärte zudem Nadschib Danisch, Sprecher des Innenministeriums, gegenüber "Spiegel Online".

Bei einem der schwersten Anschläge in der afghanischen Hauptstadt seit Jahren ist die deutsche Botschaft massiv beschädigt worden.

An der Frontseite wurden unter anderem Dutzende Fenster eingedrückt, wie Fotos vom Tatort zeigen. In dem Gebäude haben auch der Botschafter und sein Stellvertreter ihre Büros.

Schreckliche Bilder vom Anschlagsort

Die Zahl der Opfer steigt stetig. Zuletzt war die Rede von über 60 Toten, mittlerweile geht ein Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums von über 80 Todesopfern aus, darunter auch Frauen und Kinder.

Afghanistans Präsident Ashraf Ghani verurteilt aufs Schärfste "diese feige Attacke, die nur auf das Alltagsleben unschuldigen Zivilisten" abziele.

Der Anschlag wurde im dichten Morgenverkehr verübt, das Ziel war zunächst unklar. Bilder in sozialen Medien zeigten zerfetzte Autos und blutige Körper.

Die deutsche Botschaft liegt rund 300 Meter vom Anschlagsort entfernt. Bislang hat sich keine Gruppe zu der Tat bekannt.

Es ist der achte schwere Anschlag in Kabul seit Jahresbeginn. Hunderte Menschen sind bei diesen Anschlägen der radikalislamischen Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) getötet oder verletzt worden.

Der oder die Attentäter könnten für ihre Autobombe einen schwarzen Tanklastwagen für Wasser oder Abwasser benutzt haben, sagte der Sprecher des Innenministeriums Nadschib Danisch.

"Aber weil die Explosion so schwer war, können wir das noch nicht mit Sicherheit sagen. Vom Tanker ist kaum noch etwas übrig."

Sprengstoffanschlag mit Tanklastwagen vermutet

Die Explosion habe sich an einer viel befahrenen Straße zwischen der deutschen Botschaft und einem Sicherheitsposten am Sanbak-Platz ereignet, sagte Danisch.

In den schwer gesicherten Vierteln stehen aber auch viele andere Botschaften, das Nato-Hauptquartier in Kabul und afghanische Ministerien.

Tausende Mitarbeiter dieser Ministerien, von Botschaften und anderen Büros waren zur Zeit der Explosion um kurz nach 8.30 Uhr (Ortszeit) auf dem Weg zur Arbeit gewesen.

Ein Hauptquartier von Afghanistans größter Telekommunikationsfirma Roshan liegt ebenfalls sehr nahe dem Anschlagsort. Der Sender Tolo TV meldete, viele der Opfer seien Roshan-Mitarbeiter.

Die Straße ist eng und wird an beiden Seiten von hohen Sprengschutzmauern begrenzt. Die Wucht der Explosion habe mindestens 30 Fahrzeuge zerstört, sagte Ministeriumssprecher Danisch.

Tolo TV meldete schwere Schäden an Gebäuden. Bilder zeigten eine von dichtem Rauch erfüllte Straße, mit zerrissenen Autowracks und blutigen Körpern.

Die Nato-Mission Resolute Support ließ verlauten, man sei dabei zu überprüfen, wie es allen Nato-Mitarbeitern gehe.

Afghanische Medien berichteten, es seien nun ausländische Soldaten am Ort der Explosion. (dpa/mwo)