Die Kanzlerin wird 65: Durch die Jahre mit Angela Merkel

Angela Merkel wird am 17. Juli 65 Jahre alt. Seit vierzehn Jahren ist sie bereits Bundeskanzlerin. Doch wie war ihr Werdegang von der unsportlichen Einserschülerin zur "Mutter der Nation"? © spot on news

Angela Merkel kommt am 17. Juli 1954 als Angela Dorothea Kasner in Hamburg zur Welt. Sie ist die Tochter von Englisch- und Latein-Lehrerin Herlind Kasner und Horst Kasner, einem evangelischen Theologen. Sie hat zwei jüngere Geschwister, Marcus und Irene.
Merkel zeichnet sich in ihrer Schulzeit nicht nur durch ein 1,0-Abitur aus. Sie nimmt an Mathe-Olympiaden in Brandenburg teil und schafft es bei den Russisch-Olympiaden sogar auf die nationale Ebene als beste Russisch-Schülerin in der DDR. Nur mit den Jungs klappte es noch nicht so richtig. Man sagte ihr nach, dass sie bereits damals zur CDU gehörte - zum Club der Ungeküssten.
Nach ihrem Abitur in Templin studiert und promoviert sie in Physik. Fast hätte sie übrigens ihr Physik-Examen nicht geschafft. Grund dafür war ihre klägliche Leistung im Sport, weshalb es für sie auch nicht zur Balletttänzerin gereicht hatte, ein Kleinmädchentraum, den sie schon früh begraben musste. Nach dem Examen zieht sie mit ihrem Ehemann Ulrich Merkel nach Ost-Berlin. Die beiden lassen sich 1982 nach fünf Jahren Ehe scheiden, dennoch trägt sie seinen Nachnamen bis heute.
Merkel arbeitet in Berlin im Zentralinstitut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaft und macht dort 1986 ihren Doktor in Physik. Schon zu DDR-Zeiten (1981) lernt sie ihren heutigen Ehemann Joachim Sauer kennen. Zu dem Zeitpunkt waren sie aber beide noch verheiratet. Die gemeinsame Hochzeit folgt dann 1998.
Merkel und die Politik: Seit 1989 engagiert sie sich beim "Demokratischen Aufbruch". Die politische Gruppierung ist eng mit der evangelischen Kirche verbunden und schließt sich ein Jahr später mit der CDU zusammen.
Angela Merkel zieht bei den ersten gesamtdeutschen Bundeswahlen 1990 in den Bundestag ein. Gleich auf ihrem ersten Parteitag lernt sie Helmut Kohl kennen und bekommt den Spitznamen "Kohls Mädchen“.
Im Jahr 1991 macht Kohl die damals 37-jährige Merkel zur Bundesministerin für Frauen und Jugend. Im selben Jahr ersetzt sie Lothar de Maiziére als stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU. 1994 wird sie Bundesumweltministerin (bis 1998) und vier Jahre später Generalsekretärin der CDU (1998 bis 2000).
Es folgt die Distanzierung von Kohl. 1999 kommt ein Skandal ans Licht: CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep soll unter Kohls Regierung die Partei-Spenden nicht versteuert haben. Aufgrund dessen soll Merkel Kohl auch in der Öffentlichkeit gemieden haben.
Im April 2000 wird Merkel mit 96 Prozent aller Stimmen zur Parteivorsitzenden der CDU gewählt. Unter ihrer Führung halten sich die Erfolge bei den Landtagswahlen in Grenzen. Zu dieser Zeit ist Gerhard Schröder Kanzler. Er stellt am 1. Juli 2005 die Vertrauensfrage. Es kommt zur vorgezogenen Bundestagswahl.
Angela Merkel wird im Mai 2005 zur Kanzlerkandidatin der CDU/CSU gewählt. Die Partei gewinnt am 18. September 2005 die Bundestagswahl mit 35,2 Prozent der Stimmen, knapp ein Prozent mehr als die SPD. Merkel wird als erste Frau, erste Ostdeutsche und mit 51 Jahren jüngste Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland.
Merkel gewinnt auch die drei darauffolgenden Bundestagswahlen. Wenn sie die momentane Amtsperiode wie geplant durchführt, ist sie insgesamt 16 Jahre im Amt der Bundeskanzlerin. Das wäre gemeinsam mit Helmut Kohl die längste Amtsperiode der Bundesrepublik Deutschland.
Dieses Jahr feiert unsere Bundeskanzlerin ihren 65. Geburtstag. In letzter Zeit kommt es zu starken Zitteranfällen bei offiziellen Anlässen der Kanzlerin. Nun hat sie eine neue Taktik, um ihre Gesundheit zu schützen: Sie lässt die Begrüßung im Sitzen stattfinden.