• Mitglieder einer Chatgruppe haben Anschläge und die Entführung Karl Lauterbachs geplant.
  • In einem Interview erzählt der Gesundheitsminister nun, dass er sich um seine Familie sorgt.
  • Außerdem spricht er über eine nie dagewesene Wut gegenüber der Politik.

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sorgt sich angesichts der Bedrohungslage gegen ihn vor allem um seine Kinder. "Ich bin selber kein ängstlicher Mensch. Ich habe aber große Sorgen um meine Kinder. Und es tut mir natürlich weh, dass meine Kinder Angst um mich haben. Es ist nicht richtig, wenn Kinder lesen müssen, dass Radikale ihren Vater entführen wollten", sagte Lauterbach der "Bild am Sonntag" (Osterausagbe).

Lauterbach hat vier erwachsene Kinder und eine Tochter im Teenageralter. "Ich spüre die Bedrohung leider täglich", sagte er. Häufig werde ihm Gewalt angedroht, "ich stehe auf diversen Todeslisten". Seine Wohnhäuser in Köln und Berlin hätten die Täter besprüht, sein Privatauto beschädigt.

Lauterbach: "Hass-Täter wollen mir Angst machen. Das lasse ich nicht zu."

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Mitglieder einer bundesweiten Telegram-Chatgruppe aus sogenannten Reichsbürgern und Gegnern der Corona-Politik Sprengstoffanschläge und die Entführung Lauterbachs geplant hatten. Bei bundesweiten Durchsuchungen wurden zuvor vier Beschuldigte festgenommen. Bundesinnenministerin Faeser sprach von einer "schwerwiegenden terroristischen Bedrohung".

Lauterbach versucht, mit der Situation "möglichst professionell" umzugehen: "Jede Gewalt- und Mordandrohung bringe ich zur Anzeige. Ich bekomme sie auf allen Wegen, per E-Mail, per Post, Drohungen werden in meine Briefkästen gelegt." Er lese die Hasspost aber nicht selbst, sondern übergebe die Schreiben an Mitarbeiter, die sie prüften. Er unterschreibe die Anzeigen dann nur. "Die Hass-Täter wollen mir Angst machen, mich einschüchtern. Das lasse ich nicht zu", sagte Lauterbach.

"Alleine in Köln gibt es aktuell 98 eingeleitete und laufende Ermittlungsverfahren, in 65 Fällen wurde die Identität der Täter ermittelt", sagte der Minister. "Ich mache das so konsequent, weil ein Impfgegner, der mir Gewalt androht, wahrscheinlich auch seinen Bürgermeister oder Stadtrat bedroht."

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Lauterbach: "Wir hatten noch nie eine so große Gruppe von Staatsfeinden"

Der SPD-Mann sitzt seit 17 Jahren im Bundestag - doch solch eine Wut mancher Menschen auf die Politik, "so hart und aggressiv", habe er noch nie erlebt. "Wir hatten noch nie eine so große Gruppe von Staatsfeinden. Die wollen das Vertrauen in den Staat aushöhlen und ihn stürzen. Das sind Demokratie-Gegner."

Innenministerin Nancy Faeser sagte der "Bild am Sonntag", die Entführungspläne gegen Lauterbach, die Vorbereitung von Anschlägen und die gewaltsamen Umsturzfantasien zeigten eine neue Qualität der Bedrohung. Der Anstieg von Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger zeige eine Verrohung und eine Verachtung von Staat und Demokratie, die konsequentes Handeln erfordere. "Wir sind äußerst wachsam. Und wir lassen uns nicht einschüchtern." (dpa/afp/mbo)

Teaserbild: © IMAGO/Bettina Strenske/IMAGO/Bettina Strenske