Die Krise auf der ukrainischen Halbinsel Krim hält die Welt weiter in Atem: Der abgesetzte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch soll einen Herzinfarkt erlitten haben. Und ohne greifbares Ergebnis endete ein direktes Telefonat zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama. Verfolgen Sie in unserem Ticker die aktuelle Entwicklung in dem osteuropäischen Krisengebiet.

17:45 Der ukrainische Oppositionspolitiker Vitali Klitschko ist von Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande im Elysee-Palast empfangen worden. Bei dem Treffen bezeichnete Hollande die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine als "nicht verhandelbar".

16:45 Dreht Gazprom der Ukraine den Gashahn zu? Der russische Staatskonzern sieht die Gefahr, dass man zu einer "Situation wie 2009" zurückkehre, sollte die Regierung in Kiew nicht bald ihre Schulden begleichen. "Heute, am 7. März, läuft die Frist für die Bezahlung aus", sagte Unternehmenschef Alexej Miller in Moskau. Er drohte mit einer Reduzierung der Gasexporte. 2009 hatte Gazprom seine Gaslieferungen an die Ukraine komplett eingestellt.

16:12 Verhandlungen zwischen den OSZE-Beobachtern und den Milizionären auf der Krim enden erfolglos. Die Militärexperten werden nicht auf die Halbinsel gelassen - wie bereits am Vortag. Sie machen kehrt und wollen es morgen noch einmal probieren.

US-Zerstörer passiert Bosporus auf dem Weg ins Schwarze Meer

15:48 Vor dem Hintergrund der Krise auf der Krim hat der US-Zerstörer "Truxtun" auf dem Weg ins Schwarze Meer den Bosporus in Istanbul passiert. Das Nato-Mitglied Türkei hatte den USA zuvor grünes Licht für eine Passage durch die Meerenge gegeben. Die US-Marine hatte mitgeteilt, das Schiff mit einer Besatzung von etwa 300 Mann wolle an einer Trainingsmission mit der rumänischen und bulgarischen Marine teilnehmen. Vorgesehen seien auch eine Hafenvisite und weitere seit längerem geplante Übungen. Am Dienstag waren zwei russische und ein ukrainisches Kriegsschiff auf dem Weg ins Schwarze Meer durch den Bosporus gefahren.

15:25 Die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind erneut von Bewaffneten daran gehindert worden, auf die ukrainische Halbinsel Krim zu gelangen. Der Konvoi mit den rund 40 Militärexperten wurde am Nachmittag bei Tschongar von etwa zehn nicht identifizierten Bewaffneten an einem Kontrollposten am Zugang zur Krim gestoppt, wie AFP-Reporter berichteten. Am Donnerstag waren die Beobachter durch Bewaffnete daran gehindert worden, in das Gebiet vorzustoßen. Die Beobachter sollen Angaben überprüfen, wonach Russland in großem Umfang Truppen auf die Krim geschickt hat. Moskau bestreitet das.

14:35 In Dublin beim Treffen der konservativen Parteien Europas hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den ukrainischen Politikern Julia Timoschenko und Vitali Klitschko getroffen. Timoschenko warnte dabei "Stern Online" zufolge vor einem Guerilla-Krieg, sollte Russland sich die ukrainische Krim einverleiben. Zudem forderte sie EU und USA auf, härtere Sanktionen gegen Russland zu verhängen.

14:10 In der Krim-Krise hat Russland der Europäischen Union für den Fall schärferer Sanktionen mit einer deutlichen Antwort gedroht. Härtere Strafmaßnahmen gegen Moskau würden nicht ohne Reaktion bleiben, teilte das Außenministerium in Moskau am Freitag mit. Die jüngsten Beschlüsse der EU zur Lösung des Ukraine-Konflikts seien "nicht konstruktiv". Besonders das Einfrieren von Verhandlungen über Visa-Erleichterungen und über ein neues Rahmenabkommen für die Beziehungen zwischen Brüssel und Moskau sei "befremdlich". Es dränge sich der Eindruck auf, dass diese Entscheidungen nicht vom "gesunden Menschenverstand" geleitet worden seien, hieß es.

Frank-Walter Steinmeier warnt Russland vor Annexion der Krim

13:45 Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat Russland mit Nachdruck vor einer Aufnahme der Krim in die Russische Föderation gewarnt. "Ganz sicherlich wäre die Annexion nicht nur ein von der Europäischen Union vehement verurteilter Schritt", sagte Steinmeier am Freitag nach einem Treffen mit dem tschechischen Außenminister Lubomir Zaoralek in Berlin. "Die Weltgemeinschaft bis hin zu den Nachbarstaaten Russlands würde empört reagieren." Die EU droht für diesen Fall bereits mit weiteren Sanktionen.

Abermals forderte Steinmeier Russland auf, die von Deutschland vorgeschlagene Krim-Kontaktgruppe nicht länger zu blockieren. Aus Moskau gebe es allerdings keine positiven Signale. "Das liegt im Augenblick auf Eis", gab der Minister zu. "Ich habe innerhalb der letzten 24 Stunden keine eindeutigen Signale aus Russland, dass man sich an einer Kontaktgruppe beteiligen wird." Die Bemühungen im Kreis der Außenminister, Russland doch noch zu einer Zustimmung zu bewegen, sollen aber weitergehen.

13:05 Trotz der Krim-Krise tritt die ukrainische Mannschaft bei den Paralympics im russischen Sotschi an. Das verkündete Verbandspräsident Waleri Suskewitsch wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier. Man habe den Beschluss gefasst, die Fahne einer unabhängigen, souveränen Ukraine zu hissen. Allerdings machte der Chef der ukrainischen Delegation bei den Paralympics auch klar, dass im Fall eines Kriegsbeginns während der Spiele die Mannschaft Sotschi sofort verlassen werde. Das Internationale Paralympische Komitee reagierte erleichtert.

12:45 Die Androhung harter Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland wegen der Krim-Krise alarmiert die deutsche Wirtschaft. Deutschland sollte sich keine Sanktionen leisten, weil das eigentlich keine Option sei, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben. Auch das Münchner Info-Institut spricht sich dagegen aus - Deutschland könne angesichts der schleppenden Energiewende auf absehbare Zeit gar nicht auf russisches Gas verzichten.

Moskau will Krim in Russische Föderation aufnehmen

12:20 Gut eine Woche vor einem Referendum auf der Krim stellt Moskau der Schwarzmeer-Halbinsel eine Aufnahme in die Russische Föderation in Aussicht. "Wenn eine solche Entscheidung bei dem Krim-Referendum getroffen wird, dann wird die Republik zu einem gleichberechtigten Subjekt der Russischen Föderation mit allen Rechten und Vollmachten", sagte die Chefin des russischen Föderationsrates, Valentina Matwijenko, am Freitag.

12:05 Für das kommende Referendum auf der Krim lädt das von Russland unterstützte Parlament internationale Beobachter ein. Parlamentspräsident Wladimir Konstantinow will aber vor allem russische Offizielle zulassen. Westliche Entsandte seien nicht objektiv, wie Konstantinow der Nachrichtenagentur Itar-Tass sagte. Am 16. März sollen die Einwohner der Krim mit einem umstrittenen Referendum darüber abstimmen, ob die Halbinsel zukünftig zu Russland gehören soll.

10:45 Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) überlegt offenbar, Sanktionen gegen die Ukraine zu verhängen. Das Komitee prüft "Spiegel Online" zufolge, ob die Mannschaft der Ukraine am Donnerstag bei der Willkommens-Feier in Sotschi gegen die olympische Charta verstoßen hat. "Wenn es ein politischer Protest gewesen sein sollte, wären wir enttäuscht", sagte IPC-Sprecher Craig Spence. In Sotschi solle der Sport im Vordergrund stehen.

10:15 Russen spenden für die Krim: Ein Konvoi mit zehn Tonnen Hilfsgütern soll die russische Stadt Wolgograd am Sonntag Richtung Sewastopol auf der Krim verlassen, wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass berichtet. Die beiden Städte sind seit Ende 2013 mit einer Partnerschaft verbunden.

10:05 Sicherheitskräfte auf dem Wiener Flughafen haben am Donnerstagabend ein Flugzeug mit dem ukrainischen Premier Arsenij Jazenjuk an Bord umstellt. Die Aktion stellte sich jedoch schnell als falsche Terrorwarnung heraus. Als Drahtzieher des falschen Alarms vom Donnerstag werden laut der österreichischen Tageszeitung "Kurier" russische Geheimdienstkreise vermutet. Dem Bericht zufolge ging die Warnung vor einem mutmaßlichen Terroristen an Bord bei der deutschen Flugsicherung ein und wurde von dieser an das zuständige österreichische Unternehmen Austro Control weitergeleitet.

9:45 Das russische Parlament wird nach den Worten des Duma-Präsidenten das Ergebnis des geplanten Referendums über die Zukunft der ukrainischen Halbinsel Krim anerkennen. "Wir werden die historische Entscheidung der Bevölkerung der Krim akzeptieren", sagte der Präsident des Unterhauses, Sergej Naryschkin, am Freitag laut russischer Nachrichtenagenturen bei einem Treffen mit einer Delegation des Regionalparlaments der Krim in Moskau. "Wir werden die freie und demokratische Entscheidung der Krim-Bevölkerung unterstützen."

Janukowitsch angeblich in Klinik

08:45 Der gestürzte ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch soll in eine Moskauer Klinik eingeliefert worden sein. Das berichtet die russische Zeitung "Moskovsky Komsomolets" in ihrer Online-Ausgabe. Grund sei ein Verdacht auf Herzinfarkt. Janukowitschs Gesundheitszustand werde als kritisch eingestuft. Eine offizielle Bestätigung steht bislang aus.

Gabriel in Kiew eingetroffen

08:18 In der Krim-Krise ist Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) am Freitag in der ukrainischen Hauptstadt Kiew eingetroffen. Der Bundeswirtschaftsminister will am Morgen mit dem Ministerpräsidenten der Übergangsregierung, Arseni Jazenjuk, zusammentreffen. Berlin ist besorgt, weil nicht nur auf der Halbinsel Krim, sondern auch im Osten des Landes prorussische Kräfte weiter Auftrieb bekommen, die eine Abspaltung von der Ukraine befürworten.

Gabriel hatte zuvor am Donnerstag in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über Möglichkeiten zur Entspannung beraten. Die Fronten mit dem Westen sind verhärtet. Die USA und die EU haben erste Sanktionen gegen Russland auf den Weg gebracht. (dpa)

"Deutschlandtrend": Vertrauen in Russland so gering wie nie

07:52 Der Konflikt in der Ukraine hat auch in Deutschland starkes Misstrauen gegenüber Russland geschürt. Im aktuellen ARD-"Deutschlandtrend" geben nur noch 15 Prozent der Bürger an, Russland für einen vertrauenswürdigen Partner zu halten. Das ist der tiefste Wert, den Infratest dimap bei dieser Frage in Bezug auf Russland je gemessen hat. Angesichts des russischen Vorgehens halten 72 Prozent der Deutschen Wirtschafts- und Finanzhilfen für die Ukraine für richtig. 62 Prozent befürworten politischen Druck seitens der USA und der EU auf Russland. Wirtschaftliche Sanktionen halten 38 Prozent für sinnvoll.

Deutlich kritischer wird ein Ausschluss Russlands aus der Gruppe der G8-Staaten gesehen: Einen solchen Schritt befürworten nur 19 Prozent. 12 Prozent plädieren für eine militärische Unterstützung der Ukraine, 7 Prozent für den Abbruch aller politischen Beziehungen zu Russland.

Die Mehrheit der Befragten (58 Prozent) sieht die Europäische Union und die Bundesregierung in der Pflicht, die Ukraine in der Auseinandersetzung mit Russland zu unterstützen. Ein gutes Drittel (37 Prozent) findet, dass sich Brüssel und Berlin nicht einmischen und die beiden Länder die Auseinandersetzung alleine austragen lassen sollten. Infratest dimap befragte am 4. und 5. März 1003 Bürger. Die Fehlertoleranz wird - je nach Anteilswert - mit 1,4 bis 3,1 Prozentpunkten angegeben. (dpa)

Telefonat zwischen Obama und Putin ergebnislos

07:31 Angesichts der Machtübernahme prorussischer Kräfte auf der Halbinsel Krim haben US-Präsident Barack Obama und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin die aktuelle Lage in der Ukraine erörtert. Eine Annäherung der Positionen gab es in dem einstündigen Telefongespräch offensichtlich nicht. Die Diskussion habe die unterschiedlichen Positionen deutlich gemacht, wie die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass am Freitagmorgen berichtete.

Der Kremlchef hob die Wichtigkeit der Beziehungen zwischen beiden Ländern hervor. Putin betonte nach Angaben des Kreml, das bilaterale Verhältnis dürfe nicht unter dem Ukraine-Konflikt leiden. Die russisch-amerikanischen Beziehungen seien von größter Bedeutung für die Aufrechterhaltung von Stabilität und Sicherheit in der Welt. Putin erklärte, die augenblickliche politische Führung der Ukraine sei auf nicht verfassungsgemäßem Weg an die Macht gekommen.

Obama machte nach Angaben des Weißen Hauses klar, dass das russische Vorgehen die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine verletzt habe. Deshalb hätten die USA und ihre europäischen Partner Maßnahmen ergriffen.

Zur Konfliktlösung auf diplomatischem Wege schlug Obama Putin direkte Gespräche zwischen den Regierungen der Ukraine und Russlands vor. Internationale Beobachter könnten sicherstellen, dass die Rechte aller Ukrainer, einschließlich der ethnischen Russen, geschützt würden. Nach Angaben des Kreml kamen beide Präsidenten überein, dass die beiden Außenminister, Sergej Lawrow und John Kerry, weiter in engem Kontakt bleiben sollten. (dpa)

Milde Sanktionen gegen Russland

07:04 Die Europäische Union hatte einen folgenreichen Sanktionsplan gegen Russland beschlossen. Die EU einigte sich am Donnerstag bei einem Sondergipfel nach stundenlangem Ringen in Brüssel auf einen Drei-Stufen-Prozess. Dies geschah im Schulterschluss mit den USA. Sollte sich die Krim an Russland anschließen, will Brüssel Wirtschaftssanktionen gegen Moskau verhängen.

Im ersten Schritt setzte die EU Verhandlungen über Visa- Erleichterungen und über ein neues Rahmenabkommen für die Beziehungen zwischen Brüssel und Moskau aus. Verweigere sich Moskau Verhandlungen zur Lösung des Krise und der Beteiligung an einer Kontaktgruppe mit Kiew, werde die EU Einreiseverbote, Kontensperrungen und notfalls auch wirtschaftliche Sanktionen verhängen. Das sagte EU-Gipfelchef Herman Van Rompuy. Die EU erwarte, dass Russland "innerhalb der nächsten Tage" Verhandlungen mit der Ukraine über eine friedliche Beilegung des Konflikts beginne. Obama verfügte bereits Einreiseverbote und Kontensperrungen. Wen dies trifft, blieb unklar. (dpa)

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