Die Bundeswehr wird erneut von einem Neonazi-Skandal erschüttert. Ausgerechnet beim Kommando Spezialkräfte wird ein Rechtsextremist suspendiert. Mit seinem Weltbild war der Soldat in der Eliteeinheit nicht allein.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) hat bei der Eliteeinheit der Bundeswehr mindestens zwei rechtsextreme Soldaten enttarnt. Wie die "Bild am Sonntag" ("BamS") berichtete, soll ein Unteroffizier in der Feldwebellaufbahn in der kommenden Woche vom Dienst beim Kommando Spezialkräfte (KSK) suspendiert werden, da er als überzeugter Rechtsextremist erkannt wurde.

Der neue Skandal trifft die Bundeswehr empfindlich. So gilt das KSK als die geheimste Einheit der ganzen Truppe, sie ist auf Geiselbefreiungen im Ausland spezialisiert und agiert vollkommen abgeschirmt. Dass es in dieser Einheit von nur 1000 aufwendig ausgesuchten Soldaten eindeutig rechtsextreme Soldaten gibt, muss für Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ein deutliches Warnzeichen sein, dass sie handeln muss.

Der Unteroffizier ist nicht der einzige Soldat, der bei einer schon länger laufenden MAD-Operation wegen Rechtsextremismus beim KSK im Visier ist. Auch zwei Stabsoffiziere stehen unter Verdacht. Laut "BamS" hatten sie auf einer privaten Feier des Unteroffiziers den Hitlergruß gezeigt. Einer von ihnen wurde deswegen schon vor einigen Wochen suspendiert, der andere gilt beim MAD als Verdachtsfall.

Rechtsextreme beim KSK? Für Insider wenig überraschend

Das Verteidigungsministerium bestätigte der Zeitung auf Anfrage, dass man den Unteroffizier suspendieren wolle - formal wird ein sogenanntes Dienst- und Uniformtrageverbot gegen ihn verhängt. Der Soldat hat jahrelange Erfahrung bei der Eliteeinheit, war auch schon bei Auslandseinsätzen wie in Afghanistan im Einsatz. Ob seine Gesinnung dabei nie auffiel oder sogar ignoriert wurde, wird jetzt zu ermitteln sein.

Die Enttarnung von Rechtsextremen beim KSK kommt für Insider nicht vollkommen überraschend. Der MAD hatte schon im Sommer eine eigene Arbeitsgruppe gegründet, um die eingeschworene Gemeinschaft des KSK genauer zu durchleuchten und immer neuen Hinweisen auf rechtsextreme Soldaten oder Anhänger der Prepper-Szene zu enttarnen.

MAD-Chef Christof Gramm hatte damals in geheimen Bundestags-Briefings gesagt, es gebe aus seiner Sicht "viel zu viele" Verdachtsmomente auf rechte Umtriebe beim KSK. Für den MAD sind die Recherchen beim KSK in Calw allerdings mehr als schwierig, der Geheimdienst hat noch nicht mal eine Dienststelle in der Kaserne der Kommandokrieger.

Ermittlungen gegen zwei Dutzend Soldaten

Im September hatte das Ministerium das Geheimdienstkontrollgremium in einer ersten Bilanz unterrichtet, das KSK aber habe sich aktuell zum "Arbeitsschwerpunkt" des MAD entwickelt. Fast warnend hieß es in dem Geheim-Bericht, die steigende Zahl von Verdachtsmomenten mache "weitergehenden Handlungsbedarf deutlich".

Im September mussten die Abgeordneten dann in einem SPIEGEL-Bericht nachlesen, dass der MAD in der kleinen Einheit gegen zwei Dutzend Soldaten ermittelt, Anfang des Jahres führte der Bundeswehrgeheimdienst nur halb so viele Fälle. Für eine kleine Einheit wie das KSK waren das besorgniserregende Zahlen.

Den nun enttarnten Unteroffizier hatte der MAD offenbar schon damals im Visier und beobachtete seine Umtriebe mit nachrichtendienstlichen Mitteln wie Telefonüberwachungen und Observationen. Als die "BamS" jedoch Anfragen an das Ministerium stellte, wurde die Aktion abgebrochen, nun soll der Soldat umgehend suspendiert werden.

Schweinekopf-Weitwurf und Rechtsrock

Meldungen über reichlich merkwürdige Umtriebe beim KSK gab es in den letzten Jahren immer wieder. So organisierten Kameraden für einen scheidenden Kommandeur im April 2017 eine mehr als geschmacklosen Abschiedsfeier. Laut einer Zeugin soll nach einem Parcours-Lauf, bei dem ein Schweinekopf-Weitwurf auf dem Programm stand, Rechtsrock gelaufen sein. Der Kommandeur wurde mittlerweile mit einem Strafbefehl belegt.

Der MAD steht nicht nur wegen dieses Vorfalls unter Druck. So wurde im Februar ein in der Bundeswehr bis dahin hoch angesehener Offizier der Eliteeinheit suspendiert, weil er nach MAD-Ermittlungen als Anhänger der rechtsextremen "Identitären Bewegung" erkannt wurde.

Im Nachhinein wirkte die Entlassung von Oberstleutnant Daniel K. als reichlich späte Maßnahme, denn schon 2007 hatte er einer kritischen Soldaten-Vereinigung schriftlich gedroht und einen Einblick in sein Weltbild gegeben.

Damals beschimpfte K. einen kritischen Soldaten als "Feind im Inneren". Die Zeilen aus dem Brief, der damals auch seinen Vorgesetzten vorlag, waren nicht weniger als eine Todes-Drohung.

"Sie werden beobachtet, nein nicht von impotenten instrumentalisierten Diensten, sondern von Offizieren einer neuen Generation, die handeln werden, wenn es die Zeit erforderlich macht", schrieb K. Den Brief unterschrieb er mit den Worten "Es lebe das heilige Deutschland".  © SPIEGEL ONLINE

Ein Instagram-Eintrag der Bundeswehr sorgt für Aufregung: Ein Mitarbeiter postete auf dem offiziellen Account eine Uniform mit Hakenkreuzsymbolen und zynischen Kommentaren.