Der ehemalige SPD-Vorsitzende Martin Schulz hat im Rückblick schwere Fehler eingeräumt, sieht sich aber zugleich als Sündenbock seiner Partei.

Martin Schulz hat eingeräumt, nach der Bundestagswahl schwere Fehler gemacht zu haben. "Ich habe dumme Fehler gemacht und mich damit auch meinen Gegnern ausgeliefert", sagte Schulz laut einem Vorabdruck des Buchs "Die Schulz-Story" des "Spiegel"-Autors Markus Feldenkirchen, wie das Magazin am Wochenende berichtete.

"Ich habe das falsch eingeschätzt mit dieser Glaubwürdigkeitslücke. Komplett falsch eingeschätzt."

Kehrtwende wurde Martin Schulz zum Verhängnis

Schulz hatte nach der Bundestagswahl erklärt, dass die SPD in die Opposition gehen werde und er auf keinen Fall in eine Regierung von Angela Merkel (CDU) eintreten würde. Nach dem Platzen der Jamaika-Verhandlungen zwischen Union, Grünen und FDP lies er sich doch auf Koalitionsverhandlungen mit der Union ein.

Er habe damals gedacht: "Wenn der Bundespräsident dich zu sich zitiert, kannst du ja nicht Nein sagen oder zurücktreten."

Er selbst habe den "Schwenk" zunächst nicht gewollt, sich auf das Werben von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hin aber in der Pflicht gefühlt.

Seine Disziplin sei ihm zum Verhängnis geworden, sagte Schulz dem "Spiegel" zufolge. Im Rückblick sagte er zu der 180-Grad-Wende der SPD: "Da hätte ich zurücktreten müssen. Zu dem Zeitpunkt hätte ich gehen müssen."

"Ich bin der ideale Sündenbock"

Stattdessen überdauerte Schulz die Koalitionsverhandlungen mit der Union als SPD-Parteichef. Nach deren erfolgreichem Abschluss bot er seinen Rücktritt an, wollte stattdessen Außenminister werden.

Nach massiver Kritik aus der Partei sah er sich jedoch schließlich gezwungen, auch auf das Auswärtige Amt zu verzichten.

"Ich war ein glückloser Parteiführer", sagte Schulz im Rückblick. "Ich glaube, ich bin nicht politisch gescheitert, aber sicher teilweise an den Strukturen der Partei zerschellt."

Die SPD könne gnadenlos sein. "Ich bin der ideale Sündenbock für alles, was die Partei seit Jahren falsch gemacht hat."

Den für ihn verheerenden Satz, nicht in eine Merkel-Regierung einzutreten, habe er für seine Partei gesagt. Daraus sei ihm dann ein "Strick gedreht" worden. (dpa/afp)

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