Am Wochenende haben die USA und Verbündete Syrien bombardiert. Nun sollen in dem Konflikt statt Waffen wieder Worte zum Einsatz kommen. Dabei liegt große Hoffnung auf Deutschland, das an den Angriffen nicht beteiligt war, was der Bundesregierung aber auch Kritik einbringt.

Weitere aktuelle News finden Sie hier

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat die Absage der Bundesregierung an eine militärische Beteiligung an den Luftangriffen westlicher Staaten auf Syrien verteidigt.

"Nur, weil wir nicht selber Luftschläge ausführen, heißt das nicht, dass wir uns 'raushalten'", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung.

Die Bundesregierung bemühe sich auf allen Kanälen, das Morden in Syrien zu stoppen. "Wir stehen zur Solidarität des Westens, haben aber andere Aufgaben übernommen als andere, zum Beispiel die Ausbildung der Peschmerga."

Die USA, Frankreich und Großbritannien hatten in der Nacht auf Samstag als Vergeltung für einen mutmaßlichen Giftgasangriff der syrischen Regierungstruppen auf eine Rebellenhochburg bei Damaskus mindestens drei Ziele in Syrien beschossen. Nach den Luftangriffen starten Frankreich und Deutschland eine diplomatische Friedensinitiative.

Macron will mit Russland und Türkei verhandeln

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron sagte am Sonntagabend, er wolle Russland und die Türkei an den Verhandlungstisch holen.

Macron nannte es die Aufgabe Frankreichs, "mit allen zu sprechen". Weiter wies er in dem Interview der Sendern BFMTV und RMC sowie der Internetzeitung "Mediapart" auf seine Gespräche mit US-Präsident Donald Trump hin.

"Wir haben ihn überzeugt, dass es nötig ist, (in Syrien) zu bleiben", sagte der 40-Jährige mit Blick auf Trumps Ankündigung, Truppen aus dem Bürgerkriegsland abziehen zu wollen. Frankreich habe Washington auch überzeugt, die Militärschläge auf Chemiewaffeneinrichtungen zu beschränken.

Frankreich will bereits am Montag mit einer umfassenden UN-Resolution einen neuen Anlauf zur Entschärfung des Syrienkonfliktes unternehmen, wie es aus Diplomatenkreisen in New York hieß.

Wann es zu einer Abstimmung im UN-Sicherheitsrat kommen könnte, war zunächst unklar. Die Ausgangslage ist schwierig, denn allein seit Mittwoch sind dort vier Resolutionen zu Syrien gescheitert.

Außenminister Heiko Maas (SPD) betonte, es könne nach jahrelangem Krieg nicht so weiter gehen. "Wir versuchen, den politischen Prozess neu aufzusetzen."

Maas sagte in der Sendung "Berlin direkt", Deutschland sei wegen einer Beteiligung an den Luftangriffen am Wochenende nicht angefragt worden, wohl aber wegen der nun geplanten politischen Initiative.

Gysi: Deutschland soll als neutraler Vermittler auftreten

Der Chef der Europäischen Linken, Gregor Gysi, schlug die Bundesregierung als neutralen Vermittler in dem Krieg vor. "Ich wäre glücklich, wenn meine Regierung eine neutrale Vermittlerrolle einnehmen würde", sagte Gysi der "Rheinischen Post" (Montag).

Deutschland müsse sich als global denkender Nato-Partner und mit der Kraft einer ganzen Regierung dafür anbieten. Die Bundesregierung müsse sich neutral verhalten und weder für die einen noch für die anderen Stellung beziehen.

Kiesewetter: Deutsche Haltung zeuge von "Ratlosigkeit"

Zu den Erfolgsaussichten äußerte sich der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sehr skeptisch. Er sagte der "Schwäbischen Zeitung": "Solange die entscheidenden Akteure, Russland und Iran, kein Interesse an weiteren Friedensverhandlungen in Genf unter dem Dach der Vereinten Nationen haben, sind die Europäer zu Zuschauern degradiert."

Die USA verhielten sich weder strategisch noch suchten sie den Schulterschluss mit Europa. Auch die Haltung der Bundesregierung zeuge von "Ratlosigkeit und Strategielosigkeit", sagte er. "Auf der einen Seite wollen wir dort militärisch aus guten Gründen nicht eingreifen, auf der anderen Seite heißen wir militärische Einsätze anderer gut."

Die Luftangriffe hatten nach US-Angaben gegen eine Forschungseinrichtung des Militärs in Barsah bei Damaskus, eine Lagerstätte für Chemiewaffen westlich der Stadt Homs sowie ein weiteres Depot nahe Homs zum Ziel.

Die USA und Frankreich machten klar, erneut angreifen zu wollen, wenn wieder Chemiewaffen zum Einsatz kommen sollten.

Der Exekutivrat der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) tritt unterdessen am Montag in Den Haag zu einer Sondersitzung über Syrien zusammen. Ein OPCW-Team versucht derzeit in Syrien den Vorwurf aufzuklären, Regierungstruppen hätten das Giftgas in Duma eingesetzt.

USA kündigen neue Sanktionen gegen Russland an

Die USA bleiben dagegen hart gegenüber Russland. Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley kündigte bereits für Montag neue Sanktionen gegen russische Firmen an.

Sie richten sich demnach gegen Unternehmen und deren Produkte, die in Verbindung mit dem syrischen Staatschef Baschar al-Assad oder dem Einsatz von Chemiewaffen stehen.

Der russische Präsident Wladimir Putin warnte daraufhin vor weiteren Angriffen, die nach seinen Worten die UN-Charta verletzen würden. Sollten sie fortgeführt werden, entstehe internationales "Chaos", sagte er einer Kreml-Mitteilung zufolge am Sonntag in einem Telefongespräch mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani. (ank/dpa)

Bildergalerie starten

Angriff durch USA, Frankreich und Großbritannien auf Syrien: Die Ereignisse und Entwicklungen im Überblick

Nach dem gemeinsamen Angriff von USA, Frankreich und Großbritannien auf mehrere Ziele in Syrien ist die politische Lage angespannt. Wie der Angriff ablief - und wie es in dem Konflikt jetzt weitergeht. (Mit Material der dpa)