In Thailand werden Erinnerungen an die blutigen Unruhen des Jahres 2010 wach: Demonstranten wollen die Regierung von Ministerpräsidentin Shinawatra zum Rücktritt zwingen und haben einen Marsch auf verschiedene Einrichtungen des Staates gestartet. Am Montag besetzten sie das Finanzministerium und offenbar auch das Außenministerium.

Die Demonstranten legten den Verkehr in Bangkok weitgehend lahm und drangen ins Machtzentrum vor. Protestanführer Suthep Thaugsuban, bis vor kurzem Abgeordneter der Opposition, drang trotz massiver Polizeipräsenz mit Hunderten Anhängern in das Finanzministerium ein und besetzte einen Teil des Gebäudes. "Brüder und Schwestern, kommt und übernachtet im Ministerium, um unsere Steuergelder zu bewachen", postete Suthep auf Facebook.

Die Aktivisten werfen der Regierung Korruption vor und verlangen ihren Rücktritt. Regierungschefin Yingluck Shinawatra sagte nach einer Kabinettssitzung, ihre Regierung bleibe im Amt. Am Sonntag brachte die Opposition 100.000 Menschen auf die Straße, die größten Straßenproteste seit 2010, als 92 Menschen ums Leben kamen. Regierungsanhänger versammelten 40.000 Anhänger in einem Stadion.

Die beiden Lager spalten sich an dem 2006 gestürzten Regierungschef Thaksin Shinawatra. Seine Anhänger tragen rote T-Shirts ("Rothemden"). Dazu gehören weite Teile der ländlichen Bevölkerung, die Thaksin mit populistischen Maßnahmen für sich gewann. Thaksin und ihm nahestehende Regierungen haben seit zehn Jahren alle Wahlen gewonnen. Zur Zeit regiert seine Schwester Yingluck, die Rothemden sind also heute Regierungsanhänger. Bei den blutigen Demonstrationen 2010 waren sie Regierungsgegner, weil damals die Opposition nach Machtspielen in Parlament vorübergehend regierte.

Die Thaksin-Gegner waren früher Gelbhemden. Die Bewegung hat sich aufgelöst. Die heutigen Regierungsgegner schmücken sich mit Halsbändern in den Farben der thailändischen Flagge: blau, weiß und rot. Sie sind Anhänger der alten Ordnung. Ein vor allem in Bangkok mächtiger Elitekreis bestimmte vor Thaksin Jahrzehnte die Geschicke des Landes. Tausende Regierungsgegner marschieren mit Trillerpfeifen auf 13 staatliche Einrichtungen wie Ministerien, Staatssender und Armeezentrale, um öffentliche Bedienstete zu zivilem Ungehorsam zu animieren. (dpa/jfi)