In Nigers Hauptstadt sperren Berichten zufolge Mitglieder der Präsidentengarde die Zugänge zum Palast des Präsidenten ab. Es sieht nach einem Putschversuch in dem westafrikanischen Land aus. Folgen könnten über Afrika hinaus bis nach Europa reichen.

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Im westafrikanischen Land Niger ist es möglicherweise zu einem Putschversuch durch die Garde des Präsidenten gekommen. Medienberichten zufolge soll die Eliteeinheit am Mittwochmorgen den Zugang zum Palast von Staatsoberhaupt Mohamed Bazoum in der Hauptstadt Niamey gesperrt und den Präsidenten festgesetzt haben. Auch der Zugang zu weiteren umliegenden Ministerien wurde den Berichten zufolge gesperrt. Zudem soll die Garde das Gebäude des nationalen Rundfunksenders umstellt haben. Die Präsidentengarde ist eine Eliteeinheit der Armee. Den Berichten zufolge verhandelte Präsident Bazoum mit Vertretern des Militärs.

Das Büro des Präsidenten teilte später auf Twitter mit, Bazoum und seiner Familie gehe es gut. Zudem drohte es mit einem Gegenangriff: Die Armee und die Nationalgarde seien bereit, die Präsidentengarde anzugreifen, sollten diese sich nicht zurückziehen.

Putschversuch in Niger: USA und EU in Sorge

Die EU verfolgt die aktuellen Entwicklungen mit großer Sorge. Nach der Meuterei von einem Teil der Präsidialgarde an der Residenz von Bazoum sei die Lage nach wie vor angespannt, teilte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell am Mittwochabend mit.

Nach Angaben von EU-Diplomaten haben Borrell und EU-Ratspräsident Charles Michel am Mittwoch zweimal mit Bazoum gesprochen. Er war demnach bis zuletzt mit seiner Familie in seiner Residenz. Den Informationen der EU zufolge liefen am Abend Verhandlungen mit den Meuterern. Zudem sollte nach Gesprächen mit anderen Staatschefs der Region eine Delegation aus Nigeria im Niger eintreffen.

UN-Chef António Guterres verurteilte "jede Anstrengung, Macht mit Gewalt zu ergreifen und Regierungsführung, Frieden und Stabilität im Niger zu untergraben auf das Schärfste". Er verfolge die Lage genau, sagte Guterres laut Mitteilung vom Mittwoch. Alle Beteiligten rief der UN-Chef zu "Zurückhaltung und Sicherung der verfassungsgemäßen Ordnung" auf.

Auswärtiges Amt hat kein genaues Lagebild über Putschversuch

Die US-Regierung zeigte sich "zutiefst besorgt" über die Entwicklungen. Sie forderte die beteiligten Mitglieder der Präsidentengarde dazu auf, das Staatsoberhaupt freizulassen und von Gewalt abzusehen. Es sei noch nicht ganz klar, was genau passiert sei, betonte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte, es sei zu früh, um die Lage zu bewerten. Die in dem Land eingesetzten deutschen Soldaten seien "erst mal in Sicherheit". Wie es weitergehe, müsse in den kommenden Tagen bewertet werden. Die Bundeswehr unterhält in Niamey einen Lufttransportstützpunkt für das militärische Engagement in Westafrika, auf dem rund 100 deutsche Soldaten arbeiten. Dieser Stützpunkt ist auch für den laufenden Abzug der Bundeswehr aus dem benachbarten Mali wichtig.

Zwischenzeitlich war am Mittwoch nach Informationen der dpa auch der praktische Betrieb auf dem Flughafen in Niamey eingestellt, dann aber wieder aufgenommen worden. Am Nachmittag lief die Abfertigung wieder.

Bereits 2021 Putschversuch im Niger

In Berlin hatte das Auswärtige Amt nach den ersten Berichten über den möglichen Putschversuch zunächst kein genaues Lagebild. "Es ist so, dass die Lage, das haben mir die Kollegen berichtet, die Lage vor Ort weiterhin sehr unklar ist. Wir stehen sowohl mit unserer Botschaft vor Ort als auch mit internationalen Partnern dazu in Kontakt", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. "Und wenn es erforderlich ist, ergreifen wir natürlich auch entsprechende Maßnahmen."

Ein Umsturz hätte weitreichende Folgen. Der Niger gehört mit seinen rund 26 Millionen Einwohnern zu den ärmsten Ländern der Welt. Nach Militärputschen in Mali und Burkina Faso ist das Land das letzte der drei Nachbarländer in der Sahelzone, das von einer demokratisch gewählten Regierung geführt wird. Erst Ende vergangenen Jahres hatte die EU eine Militärmission im Niger beschlossen, um den Terrorismus in der Region zu bekämpfen. Die Bundeswehr stellt für diese EU-Mission bisher nur einige wenige Soldaten, die in Niamey sind.

Bereits 2021 kam es in dem westafrikanischen Land zu einem Putschversuch als eine militärische Einheit versuchte, wenige Tage vor dem Amtsantritt Bazoums den Präsidentenpalast zu stürmen. Damals schlug die Präsidentengarde den Angriff jedoch zurück. (mt/dpa)

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