20 Staats- und Regierungschefs, mehr als 80 Minister und hunderte Experten kommen ab Freitag für drei Tage auf der Münchner Sicherheitskonferenz zusammen. Gesprächsstoff gibt es genug: Der Chef des wohl wichtigsten informellen Treffens zur Sicherheitspolitik hat vor Beginn vor neuen Kriegen gewarnt.

Vor dem Start der Münchner Sicherheitskonferenz am Freitagnachmittag hat der Chef der Veranstaltung vor neuen Kriegen gewarnt. Dem Deutschlandfunk sagte Wolfgang Ischinger: "Wir haben noch nie seit dem Ende der Sowjetunion eine so hohe Gefahr auch einer militärischen Konfrontation von Großmächten gehabt."

Seine Einschätzung begründete Ischinger unter anderem mit dem großen Misstrauen, das zwischen den USA und Russland herrsche. "Es könnte schlimmer nicht sein."

Dieses Misstrauen können zu Missverständnissen und Fehlkalkulationen führen und in einer kriegerischen Auseinandersetzung der Großmächte enden, so seine Sorge.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz debattieren mehr als 500 Experten für Sicherheitspolitik über die Situation an den Krisenherden der Welt, über Verteidigungsfragen und internationale Beziehungen.

Deutschland ist mit fünf Bundesministern vertreten, darunter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die die Konferenz am Freitag um 14 Uhr eröffnet, und Außenminister Sigmar Gabriel, der am Samstag spricht.

Hier ein Überblick über die wichtigsten Themenfelder:

USA

Vor einem Jahr schickte der damals frisch vereidigte US-Präsident Donald Trump seinen Vize Mike Pence nach München, um seine Außenpolitik zu erklären. Pence übermittelte zwar ein Bekenntnis zu EU und Nato, ließ aber viele Fragen offen.

Auch weiß man in vielen außenpolitischen Feldern von Nordkorea bis Nahost noch nicht so genau, was Trump eigentlich will. Diesmal soll sein sicherheitspolitischer Berater Herbert Raymond McMaster Antworten geben.

Einer von Trumps schärfsten Widersachern aus den eigenen republikanischen Reihen ist diesmal nicht dabei: Senator John McCain, bisher Stammgast in München, ist schwer erkrankt. Er wird in Abwesenheit den Ewald-von-Kleist-Preis erhalten. Die Laudatio hält der demokratische Ex-Vizepräsident Joe Biden.

Europa

Trumps "Amerika-zuerst"-Politik hat in Europa in den vergangenen zwölf Monaten zu Emanzipationsbestrebungen geführt. Überall ist zu hören, dass die Europäer selbstständiger werden müssten. In wichtigen Feldern wie der Klima- und Handelspolitik gibt es keinen Konsens mehr mit den USA.

Die zwei wichtigsten Politiker für das Europa-Thema fehlen in München aber: Der französische Präsident Emmanuel Macron, der Reformvorschläge vorgelegt hat. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), von der die EU-Partner dringend eine Antwort darauf erwarten.

Nahost

Dieses Thema ist in München mit am prominentesten besetzt. Mit Benjamin Netanjahu nimmt erstmals ein israelischer Ministerpräsident an der Konferenz teil. Er wird am Sonntag reden.

Die konkurrierenden Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien sind mit den Außenministern Mohammed Sarif und Adel al-Jubeir vertreten. Die Türkei, die gerade von Norden in den Syrien-Konflikt eingegriffen und sich damit auch mit Nato-Partner USA angelegt hat, schickt gleich zwei Vertreter: Ministerpräsident Binali Yildirim und Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

Ukraine

Zum ersten Mal seit einem Jahr werden sich am Rande der Konferenz die Außenminister Deutschlands und Frankreichs mit denen aus Russland und der Ukraine im sogenannten Normandie-Format treffen. Ziel sind Fortschritte bei der Beilegung des Konflikts zwischen pro-russischen Separatisten und Regierungstruppen in der Ostukraine.

Das letzte Treffen fand auch in München statt. Damals verkündete Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) einen Waffenstillstand, der wie so oft aber kurz danach wieder gebrochen wurde.

Jetzt gibt es wieder Hoffnung. Es wird über eine UN-Blauhelmmission diskutiert, mit der auch der russische Präsident Wladimir Putin grundsätzlich einverstanden ist. An dieser Stelle könnte es Bewegung geben. (dpa/mcf)