Donald Trump und Kim Jong Un - so kam es zum historischen Gipfel zwischen den USA und Nordkorea

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Das Treffen zwischen Kim Jong Un und Donald Trump ist historisch. Es ist das erste Mal, dass ein amtierender US-Präsident einen Machthaber Nordkoreas trifft. Formell herrscht noch der Kriegszustand zwischen den koreanischen Bruderstaaten und die atomare Aufrüstung Nordkoreas sorgt für große Spannungen. Ein Rückblick auf die Chronologie des Korea-Konflikts bis zur Entspannungspolitik, die diesen Gipfel möglich macht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Korea entlang des 38. Breitengrades geteilt. Juni 1950 stoßen nordkoreanische Truppen in den Süden vor und werden von US-Truppen zurückgedrängt. China unterstützt Nordkorea. Erst im Juli 1953 schweigen die Waffen. Mehr als drei Millionen Menschen sterben im Koreakrieg.
Nach Staatsgründer Kim Il Sung und dessen Sohn Kim Jong Il übernimmt dessen jüngster Sohn Kim Jong Un 2011 die Macht im stalinistischen Nordkorea. Wie seine Vorgänger setzt er von Anfang an auf eine martialische, konfrontative Außenpolitik. So droht er 2013 den Vereinigten Staaten erstmals mit einem "nuklearen Präventivschlag".
Als Hauptgegner Nordkoreas gilt neben Südkorea und dessen Schutzmacht USA vor allem Japan, weswegen die Drohungen Nordkoreas auch stets in Richtung dieser drei Staaten gehen. Nordkorea ist ein durchmilitarisierter Staat. Auf einen Soldaten kommen in Nordkorea 20 Zivilisten. Zum Vergleich: Bei den USA sind es 220 Zivilisten je Soldat.
Im April 2012 erklärt sich Nordkorea offiziell zur Atommacht und entwickelt seine Raketensysteme weiter. Nach einem neuen Atomwaffentest sowie mehreren Raketenstarts 2013 verhängt der UN-Sicherheitsrat verschärfte Sanktionen. Kim Jong Un kündigt das Waffenstillstandsabkommen von 1953 auf und erklärt den Kriegszustand mit Südkorea.
Auch die jährlichen Großmanöver der USA mit Südkorea sorgen für Spannungen. Nordkorea unterstellt den beiden Ländern, eine Invasion zu proben. Immer wieder kommt es dabei zu Scharmützeln. Nach Schusswechseln an der Grenze droht Kim Jong Un 2015 mit einem Militärschlag, der nur durch intensive Krisengespräche abgewendet werden kann.
Einen neuen Höhepunkt erreicht die Krise 2017. Nach dem erfolgreichen Test einer Interkontinentalrakete, die auch die USA erreichen könnte, und zahlreichen Raketentests über Japan hinweg, scheint ein Krieg vielen Sicherheitsexperten unvermeidlich. In mehreren Präfekturen Japans werden die Menschen aufgefordert, sich in Schutzräume zu begeben.
Donald Trump beordert daraufhin Bomber von der US-Luftwaffenbasis Anderson auf Guam in Richtung koreanische Halbinsel. Zum ersten Mal in diesem Jahrhundert operieren damit amerikanische Kampfflugzeuge so weit nördlich der entmilitarisierten Zone vor der nordkoreanischen Küste. Nordkorea nennt einen Raketenangriff "nun unvermeidlich".
Mit "Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es noch nicht gesehen hat" droht Donald Trump Nordkorea, sollte Kim Jong Un seine aggressive Außenpolitik fortsetzen. Dieser reagiert mit der Ankündigung, den strategisch bedeutsamen US-Stützpunkt auf Guam zu beschießen.
Anfang September zündet Nordkorea erneut eine Atomwaffe, angeblich eine Wasserstoffbombe. Ende November 2017 wird ein neuer Raketentyp namens Hwasong-15 getestet, der offenbar jedes Ziel in den USA treffen kann. Das südkoreanische Militär bemisst die erreichte Höhe der Rakete mit 4.500 Kilometern. Das ist zehnmal höher als die Umlaufbahn der internationalen Raumstation ISS.
Die mobil abfeuerbare Interkontinentalrakete hat eine geschätzte Reichweite von 13.000 Kilometern und könnte somit jeden Punkt der USA und sogar Deutschland anvisieren. Damit erreicht eine beispiellose Serie von über 20 Raketentests 2017, darunter drei Interkontinentalraketen, ihren Höhepunkt.
Donald Trump reagiert martialisch. Vor der UN-Vollversammlung sagt der US-Präsident: Der "kleine Raketenmann" befinde sich auf einer Selbstmordmission. Nordkorea drohe die "völlige Zerstörung", wenn das Land nicht einlenke.
Kim Jong Un antwortet umgehend auf Donald Trumps Drohungen bei den Vereinten Nationen. Zwei Tage später gibt er sich kriegerisch: "Ich werde den geistesgestörten amerikanischen Greis sicher und endgültig mit Feuer bändigen."
In seiner Neujahrsrede 2017/18 legt der nordkoreanische Diktator nach: "Die gesamten Vereinigten Staaten liegen in Reichweite unserer Kernwaffen und auf meinem Schreibtisch steht immer ein Atomknopf." US-Präsident Donald Trump antwortet daraufhin via Twitter, er habe einen "viel größeren und mächtigeren" Atomknopf.
Doch dann kommen plötzlich versöhnliche Töne aus Nordkorea: In seiner Neujahrsrede zeigt sich Kim Jong Un bereit, eine Delegation zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang zu entsenden. Tatsächlich einigen sich Nord- und Südkorea auf ein gesamtkoreanisches Team im Damen-Eishockey.
Überraschend reist auch Kim Jong Uns Schwester Kim Yo-Jong während der Olympischen Spiele nach Südkorea. Sie gilt als Vertraute des nordkoreanischen Staatsführers und trifft sich mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In zu informellen Gesprächen. Dieser Besuch gilt als Beginn des politischen Tauwetters auf der koreanischen Halbinsel.
Trotz Trumps Ankündigung im Februar, neue Sanktionen zu verhängen, bleibt Kim Jong Un versöhnlich. Er sagt im März einem Stopp der Atom- und Raketentests zu und lädt Donald Trump zu einem Gipfeltreffen ein. Im April treffen sich Kim und der südkoreanische Präsident Moon Jae In in der demilitarisierten Zone und überschreiten Hand in Hand die Grenze. Das Ende des über 60 Jahre andauernden Konflikts ist greifbar.
Donald Trump stimmt einem Treffen mit Kim Jong Un zu - unter der Bedingung, dass Nordkorea sein Atomprogramm komplett beendet. Im Gegenzug werde es umfassende Sicherheitsgarantien für Nordkorea geben. Heißt: Das Regime darf weiterbestehen, wenn es einen Friedensprozess gibt. Die Strategie des maximalen Drucks scheint aufzugehen, der nordkoreanische Machthaber willigt ein.
Kim Jong Un lässt sogar sein Nukleartestgebiet Punggye Ri zerstören. Zuvor gab es allerdings Berichte, wonach es ohnehin schon schwer beschädigt gewesen sei.
Fast wäre das Treffen doch noch geplatzt. Der nordkoreanische Vizeaußenminister Choe Son Hui nannte US-Vizepräsident Mike Pence einen "politischen Dummkopf". Dieser hatte zuvor das nordkoreanische Regime mit dem gestürzten libyschen unter Gaddafi verglichen. Anschließend schreibt Trump einen Brief an Kim - und sagt das Treffen wegen "offener Feindschaft" ab.
Nun treffen sich Donald Trump und Kim Jong Un doch - weil sich Nordkorea zuvor erneut kleinlaut gab. Der Gipfel findet am 12. Juni ab 9 Uhr Ortszeit auf der zum Stadtstaat Singapur gehörenden Freizeitinsel Sentosa statt. Die Insel ist durch eine einzige Brücke mit dem Festland verbunden, weswegen sich das Gipfeltreffen gut abschirmen lässt.
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