Donald Trump macht sich über die Gesprächsbemühungen seines Außenministers mit Nordkorea lustig. Nun fragen sich Experten: Geht der US-Präsident auf Distanz zu Rex Tillerson - oder verfolgt er eine Strategie?

Die USA sind bereit, Gespräche mit Nordkorea zu führen. Das ließ US-Außenminister Rex Tillerson am Rande seines China-Besuchs wissen.

Was zunächst wie eine gute Nachricht klang - diverse Staaten und Organisationen dringen auf eine diplomatische Lösung des Konflikts zwischen den USA und Nordkorea - sorgte für harsche Reaktionen aus dem Weißen Haus. Er verschwende seine Zeit, twitterte US-Präsident Donald Trump am Sonntag in Richtung Tillerson.

Was bezweckte Trump mit seinen diversen Tweets? Experten und Beobachter sind sich bei der Einschätzung uneins, schreibt die "New York Times" ("NYT").

Manche sehen die Kommentare als klare Kritik Trumps an seinem Außenminister oder zumindest an dessen Nordkorea-Politik. Andere würden dahinter eine "Good cop, bad cop"-Strategie vermuten - Trump gibt sich demnach hart, um die Nordkoreaner für Gespräche mit Tillerson gefügiger zu machen.

Eine weitere These: Trump versuche mit dem Verweis auf die angebliche "Zeitverschwendung", das Tempo für die Verhandlungen zu erhöhen.

Nordkorea hatte am 3. September seinen bislang stärksten Atomwaffentest durchgeführt und kündigt seitdem weitere Tests an. Trump selbst hatte dem Land vergangene Woche mit "vollständiger Vernichtung" gedroht.

Ranghohe Regierungsmitarbeiter sind jedoch davon überzeugt, dass ein militärisches Eingreifen auf der koreanischen Halbinsel kompliziert und gefährlich wäre. Diktator Kim Jong Un zeigt bislang aber wenig Interesse an Gesprächen zu seinem Atomprogramm.

Der ehemalige Asien-Experte der Regierung von US-Präsident George W. Bush, Michael Green, sagte der "NYT", das Regime in Pjöngjang sei noch nicht bereit für ernsthafte Verhandlungen. "Der Präsident hat in diesem Fall recht.

Nordkorea wird nicht über seine Atomwaffen verhandeln und sich auch nicht durch Sanktionen dazu zwingen lassen", so Green.

Sue Mi Terry, Korea-Analystin im Nationalen Sicherheitsrat, glaubt nicht recht an die "Good cop, bad cop"- Erklärung. Man könne das zwar vermuten, aber die Tweets seien dafür zu heftig ausgefallen. "Schwer vorzustellen, dass irgendein anderer Präsident solche Worte wählen würde", sagte Terry.

"Das ist offenbar sein [US-Präsident Trump, Anm. d. Red.] Managementstil, der vorsieht, die Leute um sich herum kategorisch runterzumachen", sagte Christopher Hill, ebenfalls Korea-Experte der Bush-Regierung, der Zeitung zufolge.

Die Twitter-Tirade des Präsidenten habe sicherlich auch in Peking Irritationen ausgelöst. Dorthin war Tillerson gereist, auch um mit dem wichtigsten Verbündeten Nordkoreas über den Konflikt zu sprechen. "Nun werden sich seine Gesprächspartner fragen, warum sie ihre Zeit mit ihm verschwendet haben", sagte Hill.© SPIEGEL ONLINE