Nordkoreas Außenministerium wirft Washington in einem Schreiben vor, die Annäherung zwischen beiden Staaten zu hintertreiben. Der Zorn richtet sich vor allem gegen zwei Personen.

Das Regime in Nordkorea ist unzufrieden mit dem Verlauf der Verhandlungen mit den USA. In einem offenen Brief wirft das Außenministerium in Pjöngjang Mitgliedern der US-Regierung vor, die Annäherung zwischen beiden Staaten zu hintertreiben - "gegen die Intention von Präsident Trump".

"Einige hochrangige Beamte in der US-Regierung erheben unbegründete Anschuldigungen gegen uns und versuchen verzweifelt, die internationalen Sanktionen und den Druck zu verstärken", heißt es in dem Schreiben vom Donnerstag. Das nordkoreanische Regime nennt keine Namen, doch allem Anschein nach richtet sich die Wut vor allem gegen US-Außenminister Mike Pompeo und den Nationalen Sicherheitsberater John Bolton.

Pompeo hat sich in den vergangenen Wochen mehrfach dafür ausgesprochen, die Sanktionen gegen Nordkorea weiter aufrecht zu erhalten. Zudem verlangt er, dass Pjöngjang innerhalb der nächsten sechs bis acht Monate rund zwei Drittel seiner Atomwaffen aufgeben müsse. Das Regime von Kim Jong Un lehnt das ab.

Auch Bolton kritisierte in dieser Woche, Nordkorea habe noch nicht die notwendigen Schritte zur Denuklearisierung eingeleitet. In der nordkoreanischen Tageszeitung Rodong Sinmun hieß es, vor der Denuklearisierung müsse es erst einen formalen Friedensvertrag geben, der den Koreakrieg offiziell beendet.

Das nordkoreanische Außenministerium verweist darauf, dass man seit dem Gipfeltreffen von Kim und Trump in Singapur bereits zahlreiche Zugeständnisse gemacht habe. Unter anderem habe Pjöngjang seine Raketentests gestoppt und die sterblichen Überreste von 55 US-Soldaten übergeben, die im Koreakrieg vor mehr als 60 Jahren gefallen waren.

"Ergebnisse zu erwarten, indem man den Dialogpartner beleidigt und kaltes Wasser über unsere ernsthaften vertrauensbildenden Maßnahmen schüttet, ist ähnlich dumm wie der Versuch, ein gekochtes Ei auszubrüten", schreiben die Nordkoreaner.

Aber: Das Außenministerium nimmt den US-Präsidenten von seiner Kritik ausdrücklich aus. Donald Trump habe "Dankbarkeit gegenüber unseren Gesten des guten Willens" lobt Pjöngjang. Offenbar will Nordkorea Trump schmeicheln - in der Hoffnung, dass er sich gegen Pompeo und Bolton durchsetzt.  © SPIEGEL ONLINE