Chronologie der NSU-Morde: Die blutige Spur des Terrors

Morde, Sprengstoffanschläge, Raubüberfälle: Die rechtsextreme Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" hat eine blutige Spur der Gewalt durch Deutschland gezogen. Eine Chronologie. © dpa

Februar 1998: Die Sicherheitsbehörden werden auf die geplanten Verbrechen des NSU aufmerksam. Das Landeskriminalamt von Erfurt zeigt der Presse die Bausteine für eine Rohrbombe. Zwei Wochen zuvor wurde die Bombenwerkstatt des NSU von der Polizei bei einer Razzia aufgedeckt. Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe waren zuvor schon polizeilich bekannt, können aber untertauchen.
Nur zwei Jahre später beginnt die Mordserie der Rechtsterroristen in Nürnberg. Mundlos und Böhnhardt erschießen den türkischen Blumenhändler Enver Simsek. Zwei weitere Morde in der Stadt und 7 in ganz Deutschland werden folgen. Heute erinnert ein Mahnmal in Nürnberg an die Taten.
Seit 1998 wird nach den beiden Uwes mit den Fahndungsfotos rechts gesucht. Die Terrorserie kann trotzdem weitergehen. Kurz vor Weihnachten 2001 deponieren die Täter eine Christstollendose mit einem eingebauten Sprengsatz in einem Lebensmittelgeschäft einer iranischstämmigen Familie in Köln. Die Tochter öffnet die Dose einige Wochen später, wird schwer verletzt.
Nur wenige Monate später wird der Türke Abdurrahim Özüdogru wird in seiner Änderungsschneiderei in der Gyularer Straße in Nürnberg erschossen. Sein Landsmann Süleyman Tasköprü stirbt in Hamburg.
Ebenfalls im Sommer 2001: Mord an dem Gemüsehändler Habil Kilic in München. Wieder dieselbe Tatwaffe, wieder das gleiche Muster. In der Öffentlichkeit werden die Taten als "Döner-Morde" bekannt.
2004: In Rostock wird der damals 25-jährige Imbiss-Verkäufer Mehmet Turgut erschossen. Zum Todestag werden noch heute Gedenkfeiern am Tatort abgehalten.
Ein großes mediales Echo erfährt auch die zweite Tat des NSU 2004. Eine Nagelbombe explodiert in der Kölner Keupstraße. Mehr als 20 Menschen werden verletzt, einige lebensgefährlich.
Juni 2005: Auch die Taten ein Jahr später werden dem NSU zugeschrieben. Erst der Mord an dem Imbiss-Inhaber Ismail Yasar in Nürnberg, wenige Tage später wird der Grieche Theodoros Boulgarides in seinem Münchner Schlüsseldienst erschossen.
April 2006: In Dortmund wird der türkischstämmige Kioskbetreiber Mehmet Kubasik erschossen. Zwei Tage später treffen tödliche Schüsse Halit Yozgat in seinem Kasseler Internet-Café. Heute ist unweit des Cafés ein Mahnmal am nach ihm benannten Halitplatz zu sehen.
2007: Die Täter erschießen in Heilbronn die Polizistin Michéle Kiesewetter. Ihr Kollege wird schwer verletzt. Am Polizeiwagen wird die DNA-Spur einer Unbekannten sichergestellt. Für zwei Jahre jagen die Ermittler daraufhin ein Phantom. Die Gen-Spuren wurden ebenfalls bei 35 anderen Straftaten festgestellt. 2009 stellt sich heraus, dass die Spuren beim Verpacken an die Wattestäbchen gelangt sind.
Im Herbst 2011 überschlagen sich die Ereignisse. Das Bild einer Überwachungskamera zeigt die Täter bei einem Bankraub in Eisenach in Thüringen. Doch die Polizei ist dem NSU nun auf den Fersen. Böhnhardt und Mundlos verstecken sich in einem Wohnmobil. Den Ermittlern zufolge erschießen sie sich am 4. November, als die Polizei sie entdeckt.
In Zwickau geht währenddessen die Wohnung, in der die beiden Mitglieder der Terrorzelle gelebt hatten, in Flammen auf und wird komplett zerstört. Beate Zschäpe soll den Brand gelegt haben. Kurz darauf stellt sie sich der Polizei.
Dezember 2011: Die Bundesanwaltschaft und BKA greifen zu einem ungewöhnlichen Schritt. Sie bitten die Bevölkerung mittels eines Plakats, das in ganz Deutschland aufgehängt werden soll, um Hinweise auf die Terrorzelle. Bislang hatte die Polizei nur 250 Hinweise erhalten. Die öffentliche Fahndung bringt zahlreiche weitere, außerdem setzt die Bundesanwaltschaft auf zwei ältere Bekennervideos. Doch die Ermittlungen decken auch Missstände im Verfassungsschutz auf.
Einem Geheimbericht zufolge war der Verfassungsschutz den Neonazis mehrmals auf der Spur, griff aber nicht ein. 2012 wird bekannt, dass beim Verfassungsschutz Akten vernichtet wurden, nachdem die Terrorgruppe aufgeflogen war. Wegen der schweren Ermittlungspannen räumt der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, im Juli seinen Posten.
06. Mai 2013: Der Prozess gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Zschäpe und vier Mitangeklagte beginnt unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und von weltweitem Medieninteresse in München. Das Verfahren soll zunächst bis zu zwei Jahre dauern. Drei Verhandlungstage pro Woche sind angesetzt. Über fünf Jahre später endet der Prozess tatsächlich - mit einem Schuldspruch für Beate Zschäpe.
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