Drei Jahre hat die Hauptangeklagte im NSU-Prozess kein Wort vor dem Oberlandgericht in München gesprochen. Nun hat Beate Zschäpe ihr Schweigen gebrochen und persönlich eine Stellungnahme vorgelesen. Das berichtet die "Bild".

Beate Zschäpe spricht das erste Mal persönlich vor Gericht. Im NSU-Prozess verlas die Hauptangeklagte eine vorgefertigte Stellungnahme. Laut der "Bild" sagte sie: "Es ist mit ein Anliegen folgendes mitzuteilen. Als ich Uwe Böhnhardt kennen lernte, habe ich mich mit nationalsozialistischen Gedankengut identifiziert."

Zschäpe: "Gewalt kein Mittel zur Durchsetzung von Zielen"

Später habe sich das jedoch geändert: "Angst vor Überfremdung wurde mir zusehends unwichtiger. Heute weiß ich, Gewalt ist kein Mittel zu Durchsetzung von Zielen." Mittlerweile beurteile sie "Menschen nicht nach Herkunft und politischer Einstellung, sondern nach Benehmen", sagte Zschäpe.

Dann grenzte sie sich von den Taten des NSU ab: "Ich verurteile, was Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den Familien angetan haben." Damit war die Stellungnahme beendet.

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Beim Verlesen ihrer eigenen kurzen Erklärung sprach sie sehr schnell mit leiser Stimme und wirkte nervös.

Zschäpe hatte bislang immer Aussage verweigert

Die Bundesanwaltschaft hat sie als Mittäterin der zehn überwiegend rassistisch motivierten Morde angeklagt, die Zschäpes mutmaßliche Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos verübt haben sollen.

Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess. Sie hatte jahrelang auf Anraten ihrer drei Verteidiger Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm jede Aussage verweigert.

Im vergangenen Dezember hatte sie mit Unterstützung von zwei weiteren Anwälten eine Aussage und mehrere Antworten auf Fragen des Oberlandesgerichts München verlesen lassen, bisher aber nie selber das Wort ergriffen.