Beate Zschäpe will nichts mit den NSU-Morden zu tun haben, noch sei sie Mitglied des NSU gewesen. Mit dieser Aussage im NSU-Prozess hat sie aber niemanden überzeugt. Dementsprechend fallen die Reaktionen der Presse aus.

Faz.net: "Die Behauptung, die ahnungslose Frau an der Seite zweier ruchloser Mordgesellen gewesen zu sein, wird sie kaum vor der härtesten Sanktion des Strafrechts bewahren können – eine Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit der Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld."


Die Hauptverdächtige im NSU-Prozess will erstmals ihre kalte Maske ablegen.

Spiegel Online: "Das Ziel der Hauptangeklagten ist ziemlich klar: Zschäpe will offenbar vom Vorwurf der Mittäterschaft weg. Übrig bliebe Beihilfe. Hätte sie damit beim Senat Erfolg, drohten theoretisch nicht mehr etwa 20 Jahre Gefängnis, sondern deutlich weniger. Dass diese Taktik funktioniert, darf aber bezweifelt werden."

Welt.de: "Zschäpe begeht den prozessualen Selbstmord. Im Nachhinein sind die Alt-Anwälte Wolfgang Stahl, Wolfgang Heer und Anja Sturm bestens zu verstehen. Sie haben immer gesagt, dass eine Aussage den 'prozessualen Selbstmord' bedeuten würde. Der ist heute im NSU-Prozess vollzogen worden. Zschäpe, deren Karten ohnehin schlecht waren, steht nun endgültig als unglaubwürdig und uneinsichtig da."

Bild-Zeitung: "Beate Zschäpe spielte gestern das dumme Mäuschen an der Seite von zwei Serienmördern. Das war eine miese Show! Doch sie hatte auch ihr Gutes. Denn sie hat uns mit aller Wucht noch einmal auf die NSU-Verbrechen und das Versagen der Sicherheitsbehörden gestoßen."

Focus Online: "Die Verteidigung versucht, aus der Terrorbraut ein hilfloses Mädchen zu machen. Doch das ist viel zu einfach."

Augsburger-Allgemeine.de: "Beate Zschäpe und ihre neuen Verteidiger sind mit ihrer Strategie, das Schweigen zu brechen, ein hohes Risiko eingegangen. Und sie sind damit auf die Nase gefallen. Das 'Geständnis' wirkt nicht glaubwürdig. Es ist nicht vorstellbar, dass Zschäpe einfach zugeschaut hat. Das 'Geständnis' ist nicht umfassend. Wichtige Fragen bleiben unbeantwortet. (...) Auch ihre Entschuldigung ist pure Taktik."

NSU-Prozess: Angeklagte bestreitet Beteiligung an zehn Morden.

DerWesten.de: "Die Erklärung, die sie mit ihren neuen Anwälten seit Monaten vorbereitete, liest sich in Teilen wie ein Groschenroman. Der Vater, den sie nie hatte, die Mutter, die sie vernachlässigte, die Freunde, die sie verführten: Es war alles Schicksal. Am Ende wurde sie zur Gefangenen der Mörder, die sie liebte. Glaubwürdig ist dies alles nicht, zumal Zschäpe viele Dinge ausließ."

Sächsische Zeitung: "Schuld waren immer die anderen: Die Mutter, die Polizei, der Neonazi-Kamerad, der für den Verfassungsschutz arbeitete und natürlich, die alten Freunde aus dem Untergrund. Wie viel Substanz von dieser Erklärung am Ende übrig bleibt, wird sich in den nächsten Verhandlungstagen erweisen."

Märkische Oderzeitung: "Gemessen an den Erwartungen war der Auftritt (...) nichts weiter als ein die Opfer verhöhnendes Schmierentheater. Da präsentiert sich ein kleines, dummes Mädchen, emotional abhängig erst von dem einen, dann von dem anderen Uwe und sagt: Ich habe nichts gewusst, ich habe nichts getan und als ich doch von all dem Schrecklichen erfahren habe, war es sowieso zu spät. Das ist schon ein dreistes Stück, das Beate Zschäpe aufführen ließ. Vermutlich aber – und das ist zu hoffen – wird es ihr nichts nützen.

Rheinische Post: "Es war die große Zschäpe-Show, von Reue und echter Einsicht keine Spur. Die wenigen Hinweise der NSU-Komplizin sollte das Gericht dennoch aufnehmen und bewerten. Sodann sollte es nach gründlicher Abwägung zügig ein Urteil sprechen, um den Angehörigen der Mordopfer endlich Genugtuung zu verschaffen."


Der neue Tag: "Die Geschichte von dem armen Mädchen aus der DDR, das von den beiden bösen Uwes nur benutzt wurde, das nichts wusste, das nur die Waffen aufräumte: Bei so viel Pathos und Naivität stockt einem der Atem. Schuld waren immer nur die anderen, ihre Neonazi-Kumpels und danach ihre Verteidiger. Die Strategie scheint so durchsichtig wie dreist."

Badische Zeitung: "Zschäpe bietet in ihrer Aussage wenig Beweisbares an. Es ist viel von Liebe die Rede und praktisch nichts von überprüfbaren Fakten. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Richter ihr folgen – und das ist auch gut so."