Die neue österreichische Regierung: Expertenkabinett an der Macht

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Nach dem Ende der rechtskonservativen Regierung in Österreich hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen die erste Expertenregierung der Alpenrepublik vereidigt. Erste Kanzlerin Österreichs ist seit Montag die Verfassungsrichterin Brigitte Bierlein (69). Wir stellen die zwölf Regierungsmitglieder vor.

Brigitte Bierlein - Kanzlerin: Bierlein war zuletzt Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs, davor von 2013 bis 2018 Vizepräsidentin. Eigentlich wollte sie Kunst studieren, sie entschied sich aber dann doch für Jura. Die 69-Jährige wird dem bürgerlichen Lager zugerechnet.
Clemens Jabloner - Vizekanzler, Justizminister: Jabloner war lange Jahre Präsident des Verwaltungsgerichtshofs. Er wird der sozialdemokratischen SPÖ zugeordnet. Als Traumjob soll der 70-Jährige laut APA einst Staatsoperndirektor angegeben haben.
Wolfgang Peschorn - Innenminister: Um dieses Amt wurde dem Vernehmen nach am längsten verhandelt. Peschorn ist seit 2006 oberster Rechtsvertreter des Landes. Bekanntheit erlangte der 54-Jährige durch seine Tätigkeit bei der Aufarbeitung der Vorgänge rund um die Pleite der Bank Hypo Alpe Adria und der Eurofighter-Vergabe.
Alexander Schallenberg (l.) - Minister für Äußeres, Europa, Kunst, Kultur und Medien: Der Karrierediplomat leitete zuletzt die Europa-Sektion im Bundeskanzleramt. Sein Vater war ebenfalls Diplomat, Schallenberg wuchs dadurch in Indien, Spanien und Frankreich auf. Der 49-Jährige gilt als enger Vertrauter des Ex-Kanzlers Sebastian Kurz (ÖVP).
Elisabeth Udolf-Strobl - Wirtschaftsministerin: Die 63-Jährige gilt als Tourismus-Expertin, bisher leitete sie die Sektion für kulturelles Erbe im Wirtschaftsministerium.
Brigitte Zarfl - Ministerin für Arbeit, Soziales und Gesundheit: Die 56 Jahre alte Ernährungswissenschaftlerin arbeitete ab 1997 erstmals im Gesundheitsministerium, ab 2004 vertrat sie Österreich im EU-Sozialschutzausschuss. Ex-Gesundheitsminister Rudolf Hundstorfer lobte ihre Durchsetzungsstärke und ihren kollegialen Führungsstil.
Eduard Müller - Minister für Finanzen, Sport, öffentlichen Dienst: Müller war zunächst Finanzbeamter und arbeitete sich hoch bis ins Finanzministerium. Von 2013 bis 2015 war der 56-Jährige Geschäftsführer des Linde Verlags, für den er ab und zu publiziert.
Maria Patek - Landwirtschaftsministerin: Die 60-Jährige leitete im Ministerium bereits die Sektionen "Wasserwirtschaft" und "Forstwirtschaft", auch im Bereich der Lawinenverbauung sammelte sie jahrelang Erfahrungen. Außerdem war sie Initiatorin des internationalen Frauennetzwerkes im Naturgefahrenmanagement.
Andreas Reichhardt - Verkehrsminister: Seine Ernennung zum Minister könnte noch für Diskussionen sorgen: Laut österreichischen Medien nahm er in seiner Jugend mit dem späteren FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache an einer rechtsextremen Wehrsportübung teil. Seit 2003 arbeitet der 50-Jährige im Verkehrsministerium und war zuletzt auch Aufsichtsratmitglied beim Autobahnbetreiber Asfinag sowie bei den Österreichischen Bundesbahnen.
Thomas Starlinger (l.) - Verteidigungsminister: Seit Anfang 2017 war Starlinger Militäradjutant bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen (r.). Zuvor absolvierte der 56 Jahre alte Generalmajor für das Bundesheer Auslandseinsätze in Syrien, Zypern, im Iran und in Tadschikistan. Starlinger war laut Berichten ein Befürworter der Abschaffung der Wehrpflicht.
Ines Stilling - Familien- und Frauenministerin: Stilling (42) sammelte Erfahrungen bei der Arbeiterkammer, ehe sie 2007 ins Frauenministerium wechselte. Zuletzt war sie Leiterin der Sektion Frauenangelegenheiten und Gleichstellung im Bundeskanzleramt.
Iris Rauskala - Bildungsministerin: Die neue Bildungsministerin studierte Internationale Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck und hatte in den vergangenen Jahren verschiedene Leitungspositionen im Ministerium inne. Rauskala (41) gilt als ehrgeizige Pragmatikerin.