Am 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz diskutiert man bei "Hart aber fair" über: Sparbücher und Aktienfonds. Das hätte man durchaus zu einem besseren Zeitpunkt machen können, aber wenigstens war es eine gute Diskussion – wenn auch nicht mit guten Botschaften für Geringverdiener.

Christian Vock
Eine Kritik
von Christian Vock, Freier Autor

Der 27. Januar wäre natürlich die Gelegenheit gewesen, bei "Hart aber fair" über Judenhass zu sprechen. Am 27. Januar 1945 wurde der Massenmord-Lagerkomplex von Auschwitz befreit und wann, wenn nicht am 75. Jahrestag wäre ein besserer Zeitpunkt gewesen, über ein "Nie wieder" zu sprechen – gerade in Zeiten, in denen ein "Nie wieder" nicht für alle selbstverständlich ist.

Bei "Hart aber fair" entschied man sich anders und wollte stattdessen lieber übers Sparen, über Zinsen und Aktienfonds reden. "Wer jetzt noch spart, ist selber schuld: Muss uns die Politik vor den Minuszinsen retten?", war das Thema am Montagabend.

Die neue Moderation bei "Hart aber fair":

Dass Frank Plasberg für einen längeren Zeitraum ausfallen würde, war bereits seit einigen Tagen bekannt. Der Stamm-"Hart aber fair"-Moderator laboriert laut ARD gerade "an einem temporären Ausfall des rechten Gleichgewichtsorgans" und muss sich deshalb aktuell schonen.

An seiner Stelle begrüßte "ARD-Morgenmagazin"-Moderatorin Susan Link Gäste und Zuschauer und ließ keinen Zweifel, dass sie nicht gekommen ist, um zu bleiben. Sie wolle lediglich "den Platz warmhalten", bis Plasberg wieder auf den Beinen ist.

Ihre erste Vertretungsstunde absolvierte Link aber dennoch souverän, ließ die Diskussion laufen, wenn es passte und intervenierte, zumindest zaghaft, wenn es nötig war.

Mit diesen Gästen diskutierte Susan Link:

  • Markus Blume (CSU), Generalsekretär
  • Christian Achilles, Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV)
  • Sahra Wagenknecht (Die Linke), ehemalige Fraktionsvorsitzende
  • Anja Kohl, ARD-Börsenexpertin
  • Dorothea Mohn, Leiterin der Finanzmarkt-Teams Bundesverband der Verbraucherzentrale

Das waren die Themen bei "Hart aber fair":

Wie geht es weiter mit den Strafzinsen?

Christian Achilles verteidigt gleich zu Beginn Susan Links Feststellung, dass bereits einige Sparkassen Negativzinsen eingeführt hätten. Keine Bank wolle Negativzinsen einführen, sondern dass die Menschen sparen, "allerdings nur unter Bedingungen, die der Markt auch erlaubt." Deshalb würden die Sparkassen "diese Bastion so lange es irgendwie geht verteidigen."

Auch Dorothea Mohn glaubt nicht, "dass kleine Sparer in der Masse getroffen werden." Wenn doch würden Kunden die Bank wechseln. Trotzdem seien Banken bei weitem nicht gezwungen, die Negativzinsen der EZB weiterzugeben, schließlich würden die Banken ja woanders Geld verdienen: "Die Gewinne der Banken sehen ja gut aus."

Ähnlich sieht es Sahra Wagenknecht, bringt aber noch die soziale Dimension ein: "Man nimmt es bei denen, die sich am wenigsten wehren können und sich teilweise eben auch am wenigsten wehren. So schlimm ist die Gewinnlage nicht."

Anja Kohl hingegen macht Sparern wenig Hoffnung, dass es besser werden wird: "Die Banken generieren keine Erträge mehr. (…) Man muss einfach verstehen: Wir haben jetzt eine Welt ohne Zins. Die meisten haben die Tragweite der Entwicklung noch nicht verstanden. Der Zins wird nicht wiederkommen. Auch nicht in den nächsten Jahren."

Lohnen sich noch Sparverträge?

Susan Link bringt die Tatsache ins Spiel, dass viele alte Prämiensparverträge von Sparkassen gekündigt würden. Auch hier ist Achilles in der Verteidigungssituation und weist darauf hin, dass man bei diesen Verträgen mit über meist 15 Jahre aufbauenden Zins im letzten Jahr bis zu 50 Prozent auf die Einzahlungen bekommen habe. Danach sei der Vertragszweck erreicht. Diese letzte Stufe weiter in die Zukunft zu verlängern: "Mit Verlaub, das geht nicht."

"Ganz so, Herr Achilles, ist es nicht", widerspricht Anja Kohl und rät jedem, eine solche Kündigung rechtlich prüfen zu lassen: "Ein Großteil dieser Kündigungen sind nicht unbedingt rechtens, das steht alles im Kleingedruckten."

Eigentlich gibt es von der Bank Zinsen auf Erspartes. Doch immer häufiger drehen die Institute den Spieß um und nehmen Gebühren dafür, dass Geld bei ihnen liegt. Wen der Negativzins trifft und wie Sparer ihn vermeiden können.

Das ist der CSU-Vorschlag

Die CSU hat eine "Innovationsanleihe" ins Spiel gebracht, bei der Kunden zehn Jahre lang ihr Erspartes in Startups im Bereich der Digitalisierung investieren können und vom Staat dann zwei Prozent für ihre Einlagen bekommen. Würden die zwei Prozent nicht erreicht werden, würde der Staat einspringen.

"Es ist so ein halbgarer Vorschlag", kritisiert Anja Kohl und bekommt Unterstützung von Sahra Wagenknecht: "Es ist so eine typische CSU-Idee: Klingt erstmal gut, wenn man genau hinguckt, merkt man: Es kann ein Millionen- oder auch Milliardengrab werden für Steuergelder – Stichwort Maut." Wagenknecht schließt nicht aus, dass hier vor allem internationale Finanzinvestoren zuschlagen würden.

Was bringen Immobilien und Aktien?

Anja Kohl hat hier eine klare Meinung: "Die Menschen müssen aufwachen und anlegen. Es gibt kaum noch Anlageklassen, die Rendite abwerfen. Eigentlich fast nur noch zwei: Das sind die Unternehmensbeteiligungen, auch Aktien genannt, und das sind die Immobilien. Das gehört staatlich gefördert", erklärt Kohl und fordert einen Staatsfonds wie in Norwegen.

Ähnlich sieht es Dorothea Mohn und rät, bei Aktien mindestens 15 Jahre lang zu investieren, die vergangenen 70 Jahre würden einen positiven Trend zeigen. Gleichzeitig verweist Mohn darauf, bei Anlagen auch auf niedrige Kosten zu achten.

Das ist aber gerade beim Hausbau- oder kauf nur noch auf dem Land noch möglich, erklärt Sahra Wagenknecht und sieht auch Aktien für die Altersvorsorge kritisch: "Ich finde es wirklich fahrlässig, Kleinanleger auf das Casino der Aktienmärkte zu verweisen."

Der Schlagabtausch des Abends:

Während die anderen Gäste vor allem in der Sache argumentierten, brachte Markus Blume ein ums andere Mal das Politphrasenschwein zum Glühen. Ein paar Beispiele aus nur einem Wortbeitrag: "Ich halte es für eine gefährliche Entwicklung, wenn das Vertrauen in das Geld brüchig wird", "Sparen muss sich lohnen", "Genauso wichtig ist, dass am Ende der Sparer nicht der Dumme ist" oder "Wir brauchen klare Regelungen."

Am Negativgipfel angekommen, war sich Blume dann auch nicht zu schade, beim Schlagabtausch mit Sahra Wagenknecht, die Sozialismus-Keule auszupacken, an irgendeinem bayerischen Stammtisch wird schon jemand mitgrölen.

Das Fazit:

Die Diskussion bei "Hart aber fair" verlief tief in der Materie, aber für den Zuschauer trotzdem noch überaus verständlich. Eine Lösung, wie Geringverdiener bei Nullzinsen ebenso ausreichend wie risikoarm fürs Alter vorsorgen können, präsentierte aber auch diese Sendung nicht.

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