Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea um das nordkoreanische Raketen- und Atomprogramm droht zu eskalieren. US-Präsident Donald Trump drohte mit "Feuer und Wut", Pjöngjangs Machthaber Kim Jong Un ließ zuletzt eine Rakete Japan überfliegen. Bei Maybrit Illner herrschte Uneinigkeit, wer den Streit aktuell mehr anheizt.

In diesem Punkt stimmten alle Gäste bei Maybrit Illner schnell überein: Die Welt benötigt keinen neuen Krieg auf der koreanischen Halbinsel, schon gar nicht mit Atomwaffen. "Eher stürzen sich seine Minister auf diese Köfferchen", meinte die Politikwissenschaftlerin Constanze Stelzenmüller.

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Gemeint waren die Koffer mit den Atomcodes, dir nur Donald Trump bedienen kann. Doch in anderen Punkten herrschte in der Runde große Uneinigkeit.

Wer ist für die Eskalation des Konfliktes verantwortlich? Und wer der beiden Staatschefs ist berechenbarer?

"Da habe ich gedacht, er hat einen Dachschaden"

Die deutsch-koreanische Dokumentarfilm-Regisseurin Sung-Hyung Cho plädierte dafür, die Schuld nicht allein in Nordkorea zu suchen. "Die Provokation ist gegenseitig", sagte sie auch angesichts großer Seemanöver der USA in der Region.

Bei Maybrit Illner (M.) diskutieren (v.li.) Ska Keller, Klaus von Dohnanyi, Maybrit Illner, Peter Rough, Constanze Stelzenmüller und Hans-Lothar Domröse über den Konflikt zwischen den USA und Nordkorea.

Sie warf dem US-Präsidenten vor, "keine verantwortliche Politik" zu machen, weil er seine Meinung ständig ändere.

Als Beleg nannte Cho Trumps Äußerung vor einigen Monaten, es sei "eine große Ehre", den nordkoreanischen Machthaber zu treffen. "Da habe ich gedacht, er hat einen Dachschaden."

Für Cho steht fest, dass die "größere Gefahr" in dem aktuellen Konflikt Donald Trump darstellt. Denn von Kim wisse man, dass es ihn mit den ganzen Provokationen letztlich nur um den Erhalt seiner Macht gehe.
Für Constanze Stelzenmüller waren solche Worte eine große Provokation. Die Politologin erinnerte daran, dass die USA eine funktionierende Demokratie mit Gewaltenteilung, einem unabhängigen Rechtssystem und einem frei gewählten Präsidenten sind – im Gegensatz zu Nordkorea. "Wer sagt, Nordkorea ist berechenbar, hat einfach nicht recht", rief die US-Expertin sichtlich erregt.

Peter Rough, Politikberater, konnte da nur zustimmen. "Wer hat denn diesen Wahnsinn ausgelöst?", fragte der bekennende Trump-Unterstützer – um selbst die Antwort zu liefern: "Der Schlächter aus Pjöngjang." Man dürfte Trump nicht auf eine Stufe mit Kim stellen, so Rough.

Ex-Militär: Einen Krieg "möge Gott verhindern"

Ska Keller von den Grünen schloss wie das SPD-Urgestein Klaus von Dohnanyi (89) aus, dass militärische Mittel geeignet sind, den Konflikt zu befrieden. "Man muss verhandeln", sagte die Bundestagsabgeordnete. Dohnanyi nickte leise.

Und selbst der General a.D. Hans-Lothar Domröse erklärte zur Frage nach einem Krieg: "Das möge Gott verhindern. Das wäre verheerend. Ich schließe es aus, dass es zu einem Waffengang kommt."

Es soll bereits das dritte Kind für den nordkoreanischen Diktator sein.


Doch Trump-Freund Rough blieb dabei: Diplomatische Mittel entfalten nur vor dem Hintergrund einer möglichen Militäroperation ihren wahren Druck. Der Konflikt müsse auch mal ein Ende haben.

Ende? Damit war wohl ein Militäreinsatz der USA gemeint.

Keller war grundsätzlich anderer Meinung, nicht nur in Bezug auf Nordkorea. "Mit Panzern drauf hauen, das bringt nichts." In der EU werde schon viel zu viel Geld für Rüstung ausgegeben.

Die Grüne sprach sich hingegen für mehr Zusammenarbeit in Europa aus. Und auch von Dohnanyi forderte ein stärkeres Europa sowie eine stärke Einbindung der EU in wichtigen außenpolitischen Entscheidungen durch die USA. Es müsse mehr miteinander gesprochen werden. Zwischen den USA und Europa, aber auch zwischen den USA und Nordkorea.

Reden über "Feuer und Wut", wie zuletzt vom US-Präsidenten Richtung Pjöngjang adressiert, seien nicht hilfreich, so von Dohnanyi. Er griff nicht zuletzt den Begriff "Wandel durch Annäherung" auf, der in der Kanzlerschaft von Willy Brandt geprägt wurde.

Experte: ständige Regelbrüche Nordkoreas

Zugleich kam Kritik an der Rolle der USA als Weltpolizist auf. Von Dohnanyi erinnerte an die fehlgeschlagenen Versuche der USA in den letzten Jahren, in anderen Ländern Demokratien zu installieren.

"Hätte Trump schweigen sollen?", fragte US-Expertin Stelzenmüller, die mit dem SPD-Urgestein ein ums anderen Mal aneinander geriet. Sie beklagte sich, dass Nordkorea in den letzten Jahren sein nukleares Know-how in andere Länder exportiert habe, etwa nach Syrien. Auch Rough wies auf die ständigen Regelbrüche der Nordkoreaner hin.

Der zugeschaltete Kanzleramtschef Peter Altmeier (CDU) meinte, der Konflikt sei militärisch trotzdem nicht zu befrieden. Trump wollte er für dessen harte Rhetorik zwar nicht kritisieren, aber er äußerte die Hoffnung, dass die USA trotz aller innenpolitischen Skandale weiter "Teil der Lösung" seien.

Regisseurin Sung-Hyung Cho gab noch einige spannende Einblicke aus dem Inneren des nordkoreanischen Regimes. Sie sagte, es sei eigentlich alles wie immer, auch in Südkorea. "Es gibt keine Angst vor einem Krieg."

Der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea scheint sich ein wenig zu entspannen. Nur wenige Stunden nach der Ankündigung von Kim Jong Un, seine Pläne für einen Angriff auf die US-Pazifikinsel Guam vorerst zurückzustellen, lobte US-Präsident Donald Trump in einem Tweet die Entscheidung des nordkoreanischen Machthabers.