Donald Trump hat am Sonntag beim G7-Gipfel für einen Eklat gesorgt. Via Twitter ließ er die gemeinsame Abschlusserklärung des Gipfels platzen. Die übrigen G7-Teilnehmer reagierten verstimmt - ebenso wie die internationale Presse.

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Das gab es noch nie: Der G7-Gipfel endete ohne gemeinsame Abschlusserklärung - wegen den USA. US-Präsident Donald Trump hatte erst Zustimmung signalisiert, diese dann aber wegen Äußerungen des kanadischen Premiers Justin Trudeau zurückgezogen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron fand scharfe Worte, Kanzlerin Angela Merkel nannte das Verhalten Trumps "ernüchternd und deprimierend".

Auch Medien reagieren alarmiert.

Ausgewählte deutsche und internationale Pressestimmen zum G7-Eklat

"Spiegel Online": Ein beispielloser Egotrip

"Der Untergang des Westens, das Ende der Nachkriegsordnung, Beginn eines neuen Zeitalters - es werden viele große Worte benutzt, um zu beschreiben, was Donald Trump gerade anstellt. Alle sind sie richtig und doch wieder nicht.

Das G7-Debakel zeigt: Das eigentliche Problem an Donald Trumps Politik ist Donald Trump. Sein Handeln folgt keiner Ordnung, keiner Vernunft, sondern allein dem Willen, der Beste, Wichtigste und Größte sein zu wollen. Der Zusammenbruch des Westens, die Zerstörung jahrzehntealter Freundschaften sind nur das Nebenprodukt dieses beispiellosen Egotrips."

"Süddeutsche Zeitung": G7 heißen nun G6

"Bündnispolitik gehorcht gerade einer seltsamen Arithmetik. Sieben plus eins ist nicht acht, sondern sechs. Der US-Präsident möchte Russland wieder in die G7 hineinbefördern, aber dieser typisch Trump'sche Erschütterungsvorschlag führte lediglich dazu, dass die Grundregeln der Mathematik geändert werden müssen. Die USA wollen Isolation, sie betreiben Isolation, sie bekommen Isolation. Die G7 heißen nun G6, die USA dürfen aber weiter vorbeischauen. Wie lange der Laden noch zusammenhält, ist fraglich."

"Welt": Niedergang bekommt der Westen selbst hin

"Trump verbindet ein schockierendes Maß an Ignoranz mit einem genauso schockierenden Maß an Feindseligkeit gegenüber Amerikas Alliierten und der westlichen Werteordnung. Egal ob Brexit, die Populisten in Osteuropa und Italien oder der Totalausfall an der Spitze der westlichen Führungsnation: Man bekommt derzeit das Gefühl, der Westen habe den roten Selbstzerstörungsknopf gedrückt. Wir brauchen die Chinesen und Russen gar nicht mehr, um unseren Niedergang zu betreiben, das bekommen wir viel besser selbst hin."

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": Ausgerechnet Kim profitiert von Trump

"Einer, der die Sache aufmerksam verfolgt haben dürfte, heißt Kim Jong Un - der nordkoreanische Diktator, den zu treffen Trump nach Singapur flog. Nach dem Rückzug aus dem Iran-Abkommen ist es das zweite Mal binnen Wochen, dass der amerikanische Präsident wortbrüchig geworden ist.

Am Morgen hatte Trump Kim auf seiner Pressekonferenz in Kanada wieder einmal die Chance ausgemalt, in kürzester Zeit seine abgeschottete Diktatur in ein florierendes Land zu verwandeln. Kann Kim sich auf Trump eher verlassen als Kanada, Japan und die EU?"

"Financial Times" (Großbritannien): Trump macht aus G7 ein G6 plus eins

"Indem er sich selbst so gründlich isoliert, hat Trump beschlossen, aus den G7 ein G6 plus eins zu machen. Ein Forum, das bislang als Steuerungsinstrument der Weltwirtschaft agiert hat, ist nun lediglich ein Schauplatz für den törichten Handelskrieg des Präsidenten. (...)

Die G6 und andere gleichgesinnte Länder müssen sich nun zusammentun, um dem Protektionismus zu widerstehen. Sie sollten versuchen, Trump durch Handelsabkommen zu umgehen, von denen die USA ausgeschlossen sind, und das System der globalen Kooperation so funktionsfähig zu erhalten, wie es ihnen möglich ist. Und zwar so lange, bis die Vernunft hoffentlich in das Weiße Haus zurückkehrt.

Das zurückliegende Wochenende hat eine Welt in Verwirrung gezeigt, in der Amerika sich seiner Verantwortung verweigert hat. Der Rest der Welt sollte daraus Konsequenzen ziehen."

"La Stampa" (Italien): Trumps U-Turn sorgt für Pessimismus in Berlin

"Die G7 ist tot. Ihre Glaubwürdigkeit wurde mit einem Tweet zerstört. (...) Der Pessimismus aus Berlin nach dem kanadischen Gipfel kommt nicht aus dem Nichts. Der unglaubliche U-Turn von Donald Trump zur Abschlusserklärung der G7 ist der Tropfen, der das Fass der Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zum Überlaufen bringen kann. Man kann nicht länger auf den historischen Verbündeten vertrauen und es gibt nicht mal mehr einen Tisch, an den man sich setzen kann, um Kompromisse zu finden."

Vertreter von Regierung und Opposition in Deutschland üben unisono scharfe Kritik an Donald Trumps Verhalten beim G7-Gipfel. SPD-Chefin Nahles sagt: "Die Antwort auf 'America first' kann nur 'Europe united' lauten".

"Der Standard" (Österreich): Trump ist eine Katastrophe für die Europäer

"Für die Europäer ist dieser Mann eine Katastrophe: Die USA sind von einer Schutzmacht zu einem Risikofaktor geworden, der das internationale Regelwerk genauso wenig respektiert wie Russland oder China. Aber was sollen sie tun? Die Versuche von [dem kanadischen Premier Justin] Trudeau oder dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, Trump zu schmeicheln, sind gescheitert. Aber ob Aufrufe zum Widerstand etwas nützen, ist unklar.

Trump reagiert auf Gegendruck meist mit noch mehr Härte – und kümmert sich nicht um Schaden für sein eigenes Land. Trump hat seit seinem Amtsantritt alle Verbündeten vergrault und sein Land in die Isolation geführt. Freuen können sich nur die Feinde der USA, allen voran Nordkorea."

"De Tijd" (Belgien): Zeit für echte Gegenmaßnahmen ist gekommen

"Nach dem Streit um das Klimaabkommen, um die Nato und nun beim G7-Gipfel bleibt die Frage, wie zu reagieren ist. Erstaunen, Wut und dergleichen reichen nicht aus. US-Präsident Donald Trump folgt nur seiner eigenen Agenda.

Und das ist absolut nicht lustig für Europa. Eine deutliche Antwort bleibt jedoch aus. Gut, Levi's, Jack Daniels und Harley Davidson werden hier in Kürze teurer. Aber ist das eine echte Gegenmaßnahme? Was geschieht, wenn Trump die Autos anpackt? Jeder weiß, dass das Deutschland und Japan im Herzen treffen würde. Und dieser Schritt erscheint unvermeidlich, wie alle gut informierten US-Medien berichten.

Aus verschiedenen Gründen will Trump die bestehende Ordnung umkrempeln. Der US-Präsident ist unzuverlässig, chaotisch und unberechenbar. Aber er ist und bleibt der US-Präsident. Es genügt nicht, empört zu sein. Wenn europäische Regierungschefs etwas unternehmen wollen, dann ist jetzt der Moment dafür gekommen. Das Stadium von Verhandlungen ist vorbei."

"El Mundo" (Spanien): Wir stehen vor einer besorgniserregenden Weltunordnung

"Das Kommuniqué, mit dem das stürmische Treffen der G7 in Kanada zu Ende gegangen ist, scheint wie ein Werk von Groucho Marx. Die sieben führenden Industriemächte stellen darin fest, man sei sich einig, dass man sich uneinig sei. Ein Kauderwelsch, das sehr gut die besorgniserregende Weltunordnung symbolisiert, vor der wir stehen. Diese ist in gutem Maße eine Folge der Unvorhersehbarkeit des Verhaltens von Donald Trump (...)

Man muss sich nun fragen, ob dieser Präsident, der in Kanada mit befreundeten Führern null diplomatisches Geschick bewiesen hat, in der Lage sein wird, morgen beim historischen Treffen mit seinem ärgsten Feind, dem nordkoreanischen Diktator, irgendeine Verhandlung durchzuführen. Die ganze Welt schaut auf dieses Treffen, bei dem es um nichts Geringeres geht als die Sicherheit des Planeten."

"Lidove noviny" (Tschechien): Trump spielt den Verrückten

"Wer sagt, dass sich [US-Präsident] Donald Trump wie ein kindhafter Narziss, Rüpel oder Verrückter verhält, findet für seine Behauptung genügend Gründe - zum Beispiel sein Verhalten beim G7-Gipfel in Kanada. Nicht nur war es eher ein G6+1-Gipfel - die Staats- und Regierungschefs von sechs Staaten gegen Trump -, sondern der US-Präsident unterstützte erst das Abschlusskommuniqué, um seine Unterstützung dann mit einem Tweet aus dem Flugzeug zu widerrufen. Handelt so nicht ein Verrückter?

Doch eher ist es so, dass sich Trump selbst in die Rolle eines Verrückten hineinstilisiert. Das ist keine Neuheit. Schon Machiavelli schrieb, dass es mitunter klug ist, Verrücktheit vorzutäuschen. (...) Trump haut auf den Tisch, weil er darin einen Weg sieht, seine Partner davon zu überzeugen, dass er es ernst meint. Schön ist das nicht, aber er macht nur das, was er seinen Wählern versprochen hat."

"Jyllands-Posten" (Dänemark): Erfolg wurde zum Fiasko

"Man kann darüber diskutieren, ob es vom Gipfelgastgeber, Kanadas Premierminister Justin Trudeau, weise war, erst einen diplomatischen Sieg einzufahren, indem er Einigkeit über die Schlusserklärung schaffte - um sich danach auf einer Pressekonferenz vor heimischem Publikum aufzublasen. Das Weise wäre gewesen, sich über den Erfolg zu freuen.

In der Geschäftswelt spricht man nicht schlecht von den Partnern, mit denen man gerade ein Abkommen geschlossen hat, schon gar nicht von Donald Trump. Weil er das trotzdem tat, musste der Gipfelgastgeber erleben, dass Präsident Trump seinen Stab in Charleroi aus der Air Force One auf dem Weg nach Singapur instruierte, die Schlusserklärung nicht zu unterschreiben. Somit wurde G7 zu G6 und Erfolg zum Fiasko."

(zusammengestellt von cai)
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Donald Trump und Kim Jong Un - so kam es zum historischen Gipfel zwischen den USA und Nordkorea

Das Treffen zwischen Kim Jong Un und Donald Trump ist historisch. Es ist das erste Mal, dass ein amtierender US-Präsident einen Machthaber Nordkoreas trifft. Formell herrscht noch der Kriegszustand zwischen den koreanischen Bruderstaaten und die atomare Aufrüstung Nordkoreas sorgt für große Spannungen. Ein Rückblick auf die Chronologie des Korea-Konflikts bis zur Entspannungspolitik, die diesen Gipfel möglich macht.