Die Aussage von Horst Seehofer (CSU), der Islam gehöre nicht zu Deutschland, schlägt anhaltend Wellen. Das sind die Pressestimmen aus dem In- und Ausland zum viel diskutierten Zitat des neuen Bundesinnenministers.

Die erste Amtshandlung des neuen Bundesinnenministers Horst Seehofer hatte es gleich mal in sich.

Der "Bild"-Zeitung gab der 68-Jährige am Freitag ein Interview, in dem er mit einer klaren Islamkritik aneckte.

Für Seehofer gehöre der Islam nicht zu Deutschland, die hierzulande lebenden Muslime gehörten aber selbstverständlich schon zu Deutschland.

Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Der neue Innenminister Horst Seehofer hat dazu eine andere Meinung als Kanzlerin Angela Merkel. Seehofer entfacht damit eine Debatte neu, die einst nach einer Rede von Christian Wulff entstand. Wulffs Ursprungsaussage traf zuvor allerdings ein anderer Minister.

Die Medien berichteten kontrovers über die Kritik. Hier eine Auswahl an Pressestimmen aus dem In- und Ausland.

"Frankfurter Allgemeine": Seehofer und die "Nein-Bewegung"

"Der neue Bundesinnenminister Seehofer posaunte gleich am zweiten Tag im neuen Amt mit Hilfe der größten Boulevard-Trompete hinaus, dass er nun die Führung der Nein-Bewegung zu übernehmen gedenke.

Es pressiert schließlich, schon am 14. Oktober ist in Bayern Landtagswahl, in der es für die CSU und damit auch für ihren Vorsitzenden um die absolute Mehrheit geht, also um alles."

"Münchner Merkur": "Brüchiger Frieden" bei der CSU

"Just an dem Morgen, an dem Markus Söder zu seinem Nachfolger gewählt werden sollte, knallte ihm Horst Seehofer eine dicke Schlagzeile um die Ohren. Die Islam-Äußerungen des neuen Bundesinnenministers beweisen, dass Seehofer auch künftig bei jeder Gelegenheit seinem Nachfolger in die Suppe spucken wird.

Der Machtkampf in München mag entschieden sein, doch der CSU-Chef könnte sich gegenüber der Landtagsfraktion und ihrem neuen Liebling als nachtragend erweisen. Ob der brüchige Frieden bis zur Landtagswahl hält, bleibt abzuwarten."

"Westfälische Nachrichten": Seehofer "bläst zur Attacke"

"Seehofer bläst schon einmal zur Attacke. Er führt vor, wie die künftige Arbeitsteilung laufen soll.

Der neue Bundesinnenminister sorgt mit seinem Islam-Vorstoß in Berlin für populistisches CSU-Gebrüll, während Markus Söder mit ruhiger Hand die Fäden in München zieht."

"Stuttgarter Zeitung": Seehofer "predigt keine Apartheid"

"Seehofers Verdikt mag als Anbiederung an all jene zu verstehen sein, die glauben, das Abendland müsse vor dem Islam gerettet werden. Deren Repräsentanten sitzen mittlerweile ja auch im Bundestag. Ihre Wahlerfolge gefährden die Macht der Union. Der provokante Innenminister predigt aber keine Apartheid.

Was er sagt, läuft nicht auf eine Ausbürgerung der Muslime hinaus. Es lässt sich auch als barsch formulierte Einladung zur Integration verstehen: Muslime müssen mit uns leben, nicht neben oder gegen uns, betont er. An diesem Seehofer-Satz ist nichts falsch."

"Fuldaer Zeitung": Seehofer "poltert, provoziert und penetriert"

"Dass Muslime zu Deutschland gehören, das sieht jeder, der durch Innenstädte spaziert, vorbei an Moscheen und orientalisch-gastronomischen Betrieben. Dass der Islam historisch nicht zu Deutschland gehört und das Land durch und durch geprägt ist von unserer christlich-abendländischen Kultur, ist ebenso eine Binsenweisheit.

Seehofer poltert, provoziert und penetriert mit seinem Debüt die Kanzlerin. Das lässt für die Zusammenarbeit der beiden im Berliner Wahlverlierer-Bündnis nichts Gutes erahnen."

"Nordwest-Zeitung": "Geistige Brandstiftung" der CSU

"Vor Amtsantritt rechtfertigte Seehofer den Ausbau seines künftigen Ressorts: Es gehe um weit mehr als 'Dirndl, Lederhose, Folklore'. Nach Amtsantritt wird klar, was er damit meint: Es geht darum, die Wähler zu gewinnen, die im September in vollem Bewusstsein Rassisten in den Bundestag gewählt haben und im Oktober in den bayerischen Landtag wählen werden.

Frei nach dem Motto: 'Wenn ihr Rassismus wollt, könnt ihr doch auch uns wählen!' Die CSU nennt das 'Klartext', der richtige Terminus wäre 'geistige Brandstiftung'. Man bekämpft Rechte nicht, indem man sie kopiert. Im Gegenteil: Man macht nur ihre Menschenverachtung salonfähig."

"Fränkischer Tag": Rechtliche Gleichstellung mit unseren Kirchen?

"Ob es dem neuen Bundesinnenminister Horst Seehofer nun passt oder nicht - faktisch gehört der Islam zu Deutschland.

Dem Minister ist aber dort Recht zu geben, wo er den großen Islamverbänden mit ihrem zweifelhaften Islamverständnis die rechtliche Gleichstellung mit unseren Kirchen verweigert."

"NZZ" (Schweiz): Deutschlands "naiver Dialog"

"Die Integration der Muslime funktioniert schlechter als diejenige anderer ausländischer Bevölkerungsgruppen. Das liegt auch daran, dass ihre Integration durch islamische Verbände und Moscheen, viele von Saudi-Arabien und der Türkei finanziert, aktiv hintertrieben wird. Oft führt der deutsche Staat ausgerechnet mit diesen Verbänden einen naiven Dialog.

Der Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" kann bis jetzt auch als Einladung in die Parallelgesellschaft verstanden werden. (...) Der explizite Ausschluss des Islams, ausgesprochen vom deutschen Innenminister, ist dem Dialog nicht dienlich, eine explizite Einladung verfrüht. Erst sollen sich die islamischen Verbände in Deutschland verstärkt um die Integration bemühen."

"De Telegraaf" (Niederlande): Direkte Konfrontation zu Merkel

"Mit dieser Äußerung geht der ehemalige bayerische Ministerpräsident, der Vorsitzende der Regierungspartei CSU, in direkte Konfrontation zu seiner Chefin Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende sagte bereits 2015 - also noch vor der Flüchtlingskrise - dass der Islam sehr wohl zu Deutschland gehört. Deshalb gibt es nun Streit.

Aber Seehofer muss hart bleiben, denn er fürchtet die rechte Konkurrenz von der AfD. Im Herbst wird in Bayern gewählt und zusammen mit dem neuen Ministerpräsidenten Markus Söder will "Heimat-Horst" der AfD den Wind aus den Segeln nehmen."

(dpa/fte)

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