Pegida-Gründer Lutz Bachmann ist zurücktreten - wegen zweifelhafter Facebook-Posts. Dazu gibt es interne Querelen zwischen Pegida und den einzelnen Ablegern. Die Dresdner fordern, dass der Leipziger Ableger Legida ihr Positionspapier unterschreibt - doch die weigern sich. Fällt die Anti-Islam-Bewegung jetzt auseinander oder können sie sich jetzt erst Recht in der bürgerlichen Mitte festsetzen? Das sagen die Medien dazu.

"Süddeutsche Zeitung": "Deutschland braucht keine Hinwendung zu Pegida und Co.; es braucht stattdessen eine Hinwendung der Politik zu den Menschen. Die Demokratie muss näher hin zum Bürger: Das beginnt bei öffentlichen Fraktionssitzungen in den Kommunen, das setzt sich fort bei Regionalkonferenzen, die die Parteien nicht nur für ihre Mitglieder abhalten; das geht hin zu Volksabstimmungen auf Bundesebene. Der Souverän Bürger soll nicht das Gefühl haben müssen, nur alle vier oder fünf Jahre einmal gefragt zu sein, aber ansonsten die Klappe halten zu sollen. Demokratie braucht das andauernde Gespräch mit dem Bürger, aber nicht das Gespräch mit dem Hitlerbärtchen, wie es sich der nun zurückgetretene Pegida-Chef 'aus Spaß' angeklebt hatte."

"Zeit Online": "15.000 Wütende, kein Anführer (...) Es gibt gute Gründe zu glauben, dass der Niedergang der Pegida-Bewegung spätestens hier, an diesem Leipziger Abend, begonnen hat. Nicht nur wegen der inhaltlichen Konfusion. Nicht nur wegen des Rückzugs des Dresdner Pegida-Gründers Lutz Bachmann. Sondern auch, weil die Pegida-Ableger in den verschiedenen Städten inzwischen heillos zerstritten sind."

"N-tv.de": "Obwohl sich Pegida-Gründer Lutz Bachmann wegen etwas haltbarerer Nazivorwürfe zum Rückzug entschieden hat, wird sich am Ruf von Pegida bei den Kritikern der Bewegung so schnell nichts ändern. Weiterhin werden sich die Pegida-Anhänger ständig in der Position wiederfinden, 'Nazi'-Vorwürfe von sich weisen zu müssen. Warum das so ist, ist schnell erklärt. Volksverräter, Lügenpresse, Überfremdung – diese Worte stammen aus dem Vokabular der Nationalsozialisten. Wer das weiß, lehnt Pegida deshalb ab oder toleriert die Wortwahl. Wer es nicht weiß, der wird automatisch mit etwas in Zusammenhang gebracht, das er womöglich nicht vertritt."

"Leipziger Volkszeitung": "Es geht nicht irgendwie um einen kritischen Umgang mit dem Islam. Es geht um den 'Systemwechsel'. Legida in Leipzig schlägt härtere Töne an als Pegida in Dresden. Die Bewegung in der Landeshauptstadt, die gestern quasi im Galopp ihren Chef Lutz Bachmann per Rücktritt verlor, versucht sich von Legida zu distanzieren. Ob das alles noch einzufangen ist, weiß niemand so genau. Pegida/Legida - die Bewegung droht 'das Volk' zu spalten."

"Bild.de": "Leipzig lässt Legida auflaufen. Es war der größte Demo-Tag seit der Wende in Leipzig. Der Legida-Aufmarsch und 19 Gegenveranstaltungen. (...) Leipzig im Ausnahmezustand – auch wenn nur 15.000 statt der erst vom Veranstalter angemeldeten 40.000 Legida-Anhänger kamen. Die Gegendemonstranten blieben mit über 20.000 erneut in der Mehrheit!"

"Spiegel Online": "Der Legida-Marsch zeigt, wie sehr sich die Protestkultur in Leipzig von Dresden unterscheidet: Die Islamgegner von Legida sind noch schriller, undifferenzierter. Aber sie stehen auch entschlosseneren Gegendemonstranten gegenüber."

(zusammengestellt von Christian Aichner)