Hat die FDP eine Chance für den Wiederaufbau? Nach dem Rausschmiss aus dem Bundestag droht die große liberale Partei vergangener Zeiten in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Klappt 2017 der Wiedereinzug in den Bundestag nicht, könnte das das Ende der FDP bedeuten. Christian Lindner soll als neuer Parteichef den Karren aus dem Dreck ziehen

Schafft die FDP die politische Rückkehr? Nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag sortieren sich die Liberalen auf ihrem Bundesparteitag am Wochenende neu. Ein längst überfälliger Schritt, meint Parteienforscher Jürgen Falter im Interview mit unserem Portal.

Mit der Antrittsrede des neuen Parteichefs Christian Lindner setzte die FDP am ihren Sonderparteitag fort. Der 34-jährige Lindner stellte seine Strategie vor, mit der er die Liberalen zurück in den Bundestag führen will. Die FDP war im September bei der Wahl mit 4,8 Prozent gescheitert.

Lindner war am Samstag mit rund 79 Prozent zum Nachfolger von Philipp Rösler gewählt worden. Er forderte die Partei auf, die Niederlage abzuhaken und zu kämpfen: "Die Zeit der Trauerarbeit ist zu Ende", sagte Lindner. Als erste Bewährungsprobe für den bisherigen Bundesvize und nordrhein-westfälischen Landeschef gilt die Europawahl Ende Mai.

Seine Parteifreunde kennen die rhetorischen Fähigkeiten des studierten Politikwissenschaftlers natürlich schon lange. Aber die Show, die Christian Lindner am Samstag in seinen 15 Minuten Bewerbungszeit lieferte, war trotzdem bemerkenswert. Zwischendurch fragt er grinsend den Versammlungsleiter: "Ihr müsst mir mal ne Zwischenzeit geben." Da sind 10 Minuten um. Die reichen schon, um die nach dem Wahl-Aus tief verunsicherten Mitglieder wieder aufzurichten. Jubelnd feiern sie den 34-Jährigen und wählen ihn hinterher mit 79 Prozent zum neuen FDP-Chef. Kein Traumergebnis, aber sehr respektabel.

Steht die FDP geschlossen hinter Lindner?

Lindner weiß, dass nicht alle ihn mögen. Er wird Überzeugungsarbeit leisten müssen. Er wolle den Menschen klar machen, dass die FDP die Partei der sozialen Marktwirtschaft bleibe. "Es ist der Markt, der die Pfosten einschlägt, an denen dann die sozialen Netze aufgehängt werden." Auch in Europa bleibe die Partei auf Kurs. Sie werde den Bauernfängern von der AfD nicht nachlaufen. Auch Flügelkämpfe solle sich die FDP nicht einreden lassen, sagt Lindner mit Blick auf das hauseigene Lager der Euro-Kritiker um Frank Schäffler. Die öffentlichen Attacken auf die FDP verunsichern Lindner so wenig wie die Häme nach der Wahlpleite: "Die FDP muss nicht fürchten, für das bekämpft zu werden, wofür sie steht. Die FDP muss nur fürchten, für nichts zu stehen."

Der SPD, die offen Liberale zum Überlaufen ermuntert, ruft Lindner zu: "Greift der politische Gegner einen von uns an, bekommt er es mit der gesamten FDP zutun." Für den Moment reicht das, um den eigenen Laden zu begeistern. Aber bis 2017 ist der Weg auch für Lindner sehr weit. Solche Herausforderungen reizen ihn. Dass er es auf kleinerer Bühne kann, zeigte er 2012 in Nordrhein-Westfalen. Mit smartem Auftritt, begeisternden Reden und dem Gespür für die richtigen Themen führte er die in Umfragen totgesagte FDP auf 8,6 Prozent. Damit bügelte er aus eigener Sicht die Schmach seines überstürzten Rücktritts als Generalsekretär der Bundespartei Ende 2011 aus.

Der neue Parteichef, der mit einer Journalistin verheiratet ist und in der Nähe von Düsseldorf lebt, galt schon früh als Wunderkind der FDP. Mit 21 Jahren wurde er jüngster Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag, mit 25 Generalsekretär der Landespartei. Jetzt wird er wieder häufiger in Berlin sein, wo er sich zuletzt noch mit Journalisten in einem Restaurant-Gewölbe unter einer S-Bahnbrücke traf. Sein großes Ziel: 2017 wieder mit seiner Partei im Bundestag zu sein. (jfi/dpa)