Die Enthüllung über die Folterungen durch CIA-Mitarbeiter schlägt globale Wellen. China und Nordkorea nutzen die Chance zur Kritik an den USA und dem UN-Sicherheitsrat und auch Polens Ex-Präsident Kwasniewski gerät unter Druck. In Frankreich zeigt die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen dagegen Verständnis für die Foltermethoden - und löst einen Eklat aus.

Die zuvor erwarteten Proteste sind bislang ausgeblieben, doch die Enthüllungen über sogenannte "harsche Verhöre" in geheimen CIA-Gefängnissen lösten weltweite Empörung aus. Kritik kam vor allem aus China und Nordkorea, die die Veröffentlichung des Folterberichts nutzen, um mit den USA abzurechnen.

Peking und Pjöngjang reiben sich die Hände

Peking verbittet sich angesichts der CIA-Praktiken weitere Kritik Washingtons wegen Menschenrechtsverletzungen. "Amerika ist weder ein geeignetes Rollenmodell noch ein qualifizierter Richter für Menschenrechtsfragen in anderen Ländern, wie es vorgibt zu sein", kommentierte die amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Das kommunistische Regime Nordkoreas übte nach den Enthüllungen harsche Kritik am Weltsicherheitsrat. Der UN-Sicherheitsrat würde "sein Gesicht von der unmenschlichen Folterpraxis der CIA abwenden", wurde am Mittwoch auf der Website der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA ein Sprecher des Außenministeriums zitiert. Die Kritik steht im Zusammenhang mit dem Vorwurf gravierender Menschenrechtsverstöße gegen Pjöngjang. Ausgerechnet die Staaten, die wegen Menschenrechtsverletzung immer wieder massiv international kritisiert werden, fühlen sich nun in ihrem Recht bestätigt und verurteilen die Verstöße der USA besonders scharf.

Angela Merkel zeigt sich erschüttert

Einige der Folter-Gefängnisse wie Guantanamo oder Abu Ghraib sind bekannt, doch zahlreiche Geheimgefängnisse sollen sich überall auf der Welt befinden. US-Außenminister John Kerry und andere Beamte seien mit zahlreichen Regierungen in Kontakt, sagte Außenamtssprecherin Jen Psaki. Wie der Senatsbericht sagte sie aber nicht, in welchen Ländern es solche Geheimgefängnisse gegeben habe. Bereits früher wurden inoffiziell unter anderem Rumänien sowie mehrere Nahost-Staaten genannt.

Auch Litauen - wo es ebenfalls Verhöre gegeben haben soll - zeigte sich irritiert. Die Generalstaatsanwaltschaft forderte mehr Informationen von Washington.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich erschüttert. Sie erwarte eine juristische Aufarbeitung in den USA. "Ich denke, das wird Amerika auf die notwendige Art und Weise auch tun", sagte sie dem TV-Sender N24. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) appellierte in der "Bild"-Zeitung, solche Verhörpraktiken dürften sich nie mehr wiederholen.

Verhöre in Polen: "Wir hatten Bedenken"

Des Weiteren gab der ehemalige polnische Präsident Aleksander Kwasniewski zu, US-Sicherheitsdiensten geheime Verhöre in Polen ermöglicht zu haben. "Es gab eine Zusammenarbeit der Sicherheitsdienste, aber keine Zustimmung zu Folter", sagte er nach den Enthüllungen über brutale CIA-Praktiken durch einen Bericht des US-Senats.

Die US-Dienste hätten sich an Polen gewandt, "um einen ruhigen Ort zu finden, um Informationen zu erlangen", sagte er über Verhöre von Terrorverdächtigen auf polnischem Boden 2002 bis 2003. Warschau habe einen ehemaligen Stützpunkt in Masuren zur Verfügung gestellt. "Wir hatten Bedenken, aber nicht, dass die Amerikaner das Recht in diesem Maße brechen könnten", sagte er dem Sender TOK FM.

Le Pen: "Ich verurteile das nicht"

Laut Spiegel Online sorgte in Frankreich die Parteichefin der rechtsextremen Front National (FN) Marine Le Pen für Aufregung: Le Pen verteidigte die brutalen Foltermethoden mit dem Hinweis, sie könnten "nützlich sein, eine Person zum Sprechen zu bringen". Es müssten "die Mittel" eingesetzt werden, "die möglich sind", sagte Le Pen. "Ich verurteile das nicht."

Amnesty International und Human Rights Watch verlangten, dass die Peiniger bestraft werden. Dies verlangten auch Bundesjustizminister Heiko Maas und Ben Emmerson, der UN-Sonderberichterstatter für Terrorismusbekämpfung und Menschenrechte in Genf. US-Präsident Barack Obama hatte jedoch bereits in der Vergangenheit klar signalisiert, dass er keine Prozesse und Strafen wolle.

"Wenn wir Fehler machen, dann geben wir die auch zu", sagte Obama dem TV-Sender Telemundo. Er werde alles tun, damit solche Verhörmethoden nie mehr angewendet werden. Obama hatte die "harschen Verhöre" nach seinem Amtsantritt 2009 verboten. dpa/she  © dpa