Robert Habeck hat die Einführung einer Plastiksteuer gefordert. Der Grünen-Vorsitzende beklagt, dass der Staat die Plastikflut sogar fördere. Allein in den europäischen Meeren landen jährlich 100.000 Tonnen Kunststoff.

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Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck will Wegwerfprodukte aus Kunststoff über eine neue Steuer teurer machen.

"Wir brauchen eine EU-weite Plastiksteuer auf Wegwerfprodukte", sagte er der "Welt". "So lässt sich eine Lenkungswirkung erreichen."

Auch an einer anderen Stelle will der Kieler Umweltminister an der Steuerschraube drehen, um "raus aus der Wegwerf-Plastikgesellschaft" zu kommen.

Es könne nicht sein, "dass Erdöl, das beispielsweise für die Produktion von Kunststoffen verwendet wird, anders als Öl für Kraftstoffe steuerlich bevorzugt wird".

Der Staat fördere die Plastikflut mit mindestens 780 Millionen Euro jährlich, sagte Habeck unter Hinweis auf eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS). "Diese Plastiksubvention gehört abgeschafft."

Auch EU-Kommissar Günther Oettinger habe unlängst eine Plastiksteuer gefordert. "Die Bundesregierung sollte Oettinger dabei unterstützen", forderte der Grünen-Chef.

Die Welt hat ein Plastikproblem

Im Sommer 2017 hatten US-amerikanische Forscher eine Studie mit erschreckenden Zahlen veröffentlicht. Demnach wurden seit den 1950er-Jahren weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik hergestellt - das entspricht dem Gewicht von einer Milliarde Elefanten.

Besonders gravierend: Lediglich neun Prozent des Plastiks wurden recycelt, zwölf Prozent verbrannt. Die restlichen 79 Prozent sammeln sich den Wissenschaftlern zufolge in Deponien oder in der Umwelt.

Alleine in den europäischen Meeren landen jährlich etwa 100.000 Tonnen Plastik, ganze Berge von Hausmüll auf Deponien. Zur Beendigung dieser Missstände hatte das Europaparlament vor knapp einer Woche vier Gesetze verabschiedet, die das Recyceln von Abfällen deutlich ankurbeln sollen.

Deutschland erfüllt die Vorgaben bereits - mit einer Recyclingquote von 66 Prozent ist die Bundesrepublik Spitzenreiter in der EU.

Den vom Europaparlament verabschiedeten Gesetzen zufolge müssen bis zum Jahre 2030 mindestens 60 Prozent der Haushaltsabfälle recycelt werden, bis 2035 muss die Quote 65 Prozent betragen.

Deutsche produzieren erhebliche Mengen Müll

Bis zu diesem Zeitpunkt soll zudem der Anteil von Hausmüll, der auf Deponien landet, auf maximal zehn Prozent reduziert werden.

Deutschland, Belgien, Dänemark und Österreich verzichten bereits seit 2014 auf diese für die Umwelt besonders schädliche Entsorgung. In Griechenland, Lettland, Malta, Kroatien und Zypern hingegen landen noch mehr als drei Viertel der Abfälle auf Müllkippen.

Laut einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft nimmt die Müllmenge in Europa generell ab - zwischen 2005 und 2016 um vier Prozent. Deutschland ist allerdings eine Ausnahme: Hier stieg der Müllberg in dem Zeitraum um elf Prozent.

Jeder Deutsche produzierte 2016 im Schnitt 626 Kilo Müll. Damit war Deutschland EU-weit auf Platz vier. Spitzenreiter sind die Dänen mit 777 Kilogramm pro Kopf. (tfr/AFP/dpa)