Die Menschen im afrikanischen Simbabwe gehen am Mittwoch an die Wahlurnen – und haben doch eigentlich keine Wahl. Denn in der ehemaligen britischen Kolonie herrscht Robert Mugabe seit Jahrzehnten wie ein Diktator. Dabei ruhten einst große Hoffnungen auf dem Mann.

Es gibt viele Fotos von Robert Mugabe, die besonders westliche Politiker und Würdenträger inzwischen wohl lieber verschwinden lassen würden. Da ist zum Beispiel jener Schnappschuss aus dem Jahr 1994, auf dem Mugabe gemeinsam mit der englischen Königin Elisabeth II. und ihrem Mann Prinz Philip zu sehen ist. Die britische Monarchin zeichnete Mugabe damals mit einer der höchsten Ehrung aus, die sie zu vergeben hat: Sie ernannte ihn zum "Knight Grand Cross" des "Order of the Bath".

14 Jahre später entzog sie Mugabe diese Würde wieder. Seit Jahren hatte es da schon entsprechende Initiativen gegeben, gegen die sich die Krone allerdings zunächst gesperrt hatte – bis die Ehrung für Mugabe wegen der sich drastisch verschlechternden Menschenrechtslage in Simbabwe, für die vor allem er verantwortlich gemacht wurde, nicht mehr zu halten war. Aus dem einstigen afrikanischen Vorzeigepolitiker, der nicht nur von der Queen hofiert wurde, sondern der auch Ehrendoktorwürden von Universitäten im Vereinigten Königreich und in den USA sammelte, war längst ein international isolierter Staatschef geworden.

Der Mythos Mugabe

Damit verkörpert die persönliche Geschichte von Robert Mugabe viele der Hoffnungen und letztlich auch der Enttäuschungen, die Europa und die USA im Zuge der großen Dekolonialisierungswelle erfuhren, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch Afrika rollte. Seine Biografie ist eng mit dem Ende der weißen Kolonialherrschaft auf dem schwarzen Kontinent verbunden, die ab den 1960er Jahren endgültig in sich zusammenfiel. Und so ist Mugabes Kampf gegen die Weißen in Afrika bis heute Teil jenes Mythos', der ihn umgibt und der – neben den massiven Repressalien seines Regimes gegen Andersdenke – maßgeblich mit dazu beitragen wird, dass er vermutlich auch nach der Wahl vom Mittwoch weiter an der Spitze Simbabwes stehen dürfte.

Geboren wird Mugabe als drittes von sechs Kindern 1924. Er wächst im heutigen Masvingo nordwestlich des heutigen Harare, der Hauptstadt Simbabwes, auf. Seine Eltern sind streng katholisch. Sie erziehen ihren Sohn in diesem Glauben und schicken ihn auf eine Jesuitenschule. Obwohl er aus einfachen Verhältnissen stammt und sein Vater während seiner Kindheit unter mysteriösen Umständen verschwindet, genießt Mugabe auch nach seiner Zeit bei den Jesuiten eine gute Ausbildung. In den 1950er Jahren erwirbt er durch das Studium an mehreren afrikanischen Hochschulen mehrere BA-Abschlüsse und arbeite – teilweise parallel zu seiner Ausbildung – als Lehrer.

Mugabe als Unabhängigkeitskämpfer

Anfang der 1960er Jahre politisiert sich Mugabe mehr und mehr. Angesichts der Unterdrückung der Afrikaner durch die weiße Minderheit im britischen Südrhodesien – so heißt Simbabwe zu Kolonialzeiten – engagiert er sich in mehreren Oppositionsgruppierungen und gründet schließlich 1963 die Zimbabwe African National Union (ZANU) mit; eine Oppositionsgruppe, deren militanter Arm einen Guerillakrieg gegen das weiße System führte. Nur ein gutes Jahr nach Gründung der ZANU wird die Organisation wie auch andere Teile der Opposition verboten. Mugabe kommt für mehr als zehn Jahre in Haft. Wieder nutzt er die Zeit zum Lesen und macht weitere Universitätsabschlüsse; per Fernstudium.

1974 wird Mugabe dann aus dem Gefängnis entlassen. Und nach einigem komplizierten innenpolitischen Hin und Her in dem Land, das sich 1965 einseitig von der englischen Krone losgesagt hatte und nun Rhodesien nennt, ist er es, der maßgeblich an der Aushandlung des sogenannten Lancaster House Agreement mitarbeitet. Der Vertrag bringt Rhodesien, das dann Simbabwe heißt, 1979 die wirkliche Unabhängigkeit.

Vom Widerstandskämpfer zum Diktator

Kurz danach, noch 1980, wird Mugabe zum ersten Premierminister Simbabwes gewählt – und baut seine Macht danach weiter und weiter aus, so dass er heute als der am längsten ununterbrochen herrschende Staatschef Afrikas gilt. 1987 wird das Amt des Premierministers abgeschafft und Mugabe zum Präsidenten gewählt. 1990, 1996, 2002 und 2008 lässt er sich in dieser Funktion bestätigen, wobei er aber seit 2008 seine Macht mit einem neuen Premierminister, Morgan Tsvangirai, zumindest ein bisschen teilen muss.

Seit dem Urnengang von 2002 werden Kritik am Mugabes autoritärem Herrschaftsstil immer lauter, ebenso wie die Vorwürfe, er manipuliere Wahlen und schüchterne politische Gegner massiv ein. Das auswärtige Amt nennt Simbabwe in seinen Reisehinweisen aktuell einen "repressiven Staat": "Es gibt weiterhin politische Gefangene, die Zustände in den Haftanstalten sind katastrophal und illegale Farmbesetzungen kommen immer noch vor. In Notfällen ist von den Sicherheitskräften in der Regel keine Hilfe zu erwarten."

Wann genau sich Mugabe auf den Weg vom Widerstandskämpfer zum Diktator gemacht hat, darüber kann man trefflich streiten. Wie so oft gibt es dafür keinen Stichtag. Vielmehr hat sich Mugabe offenbar langsam und erst im Laufe der Jahre zu jenem autoritären Herrscher entwickelt, der heute Einreiseverbot in die EU hat, und dessen Land inzwischen aus dem britischen Commonwealth ausgeschlossen wurde.

Mugabe bleibt auf dem Pfad der Gewalt

Dass dieser von ihm eingeschlagene Weg aber keinesfalls als vorgezeichnet und alternativ verstanden werden darf, darauf hat jüngst der britische Journalist und Autor Martin Meredith hingewiesen. Denn, so gibt Meredith, der sowohl über Mugabe als auch über den südafrikanischen Nationalhelden Nelson Mandela ein Buch geschrieben hat, zu bedenken: Die frühen Lebensjahre von Mugabe und Mandela gleichen sich auffallend. Beide saßen als politische Häftlinge lange Zeit im Gefängnis. Beide haben die Geschichte ihrer Länder maßgeblich geprägt.

Während Mandela aber nach seiner Haft Versöhnung predigte, blieb Mugabe auf dem Pfad der Gewalt. Insofern beschreibt die Biografie von Mugabe nicht den einen, vermeintlich typischen, afrikanischen Pfad nach dem Ende der europäischen Kolonialherrschaft; sondern nur eine Variante dieses Weges.

Warum Mugabe bei seinen Anhängern ein Held ist

So sehr Mugabe heute im Westen als Anti-Mandela gilt und Fotos von und mit ihm deshalb kaum noch als Prunkstücke gelten, so sehr darf diese Perspektive aber nicht den Blick darauf verstellen, dass Mugabe im eigenen Land noch immer viele Anhänger hat – auch wenn die infolge der dramatisch schlechten Wirtschaftslage längst nicht mehr so zahlreich sind wie noch vor einigen Jahren. Und es ist eben die Rolle Mugabes als Widerstandskämpfer während der Befreiung seines Landes von der weißen Unterdrückung, die ihn für seine Anhänger bis heute zu einem Helden macht – umso mehr, weil er dafür fast elf Jahre seines Lebens im Gefängnis saß.

Nicht zufällig spielt er immer wieder mit diesem Image, wenn er seine eigene Machtposition gefährdet sieht. So inszenierte Mugabe sich auch nach der Unabhängigkeit Simbabwes immer wieder als Kämpfer gegen die Weißen. Berühmt wurde dabei zum Beispiel die sogenannte beschleunigte Landreform aus dem Jahr 2000, bei der weiße Farmer in Simbabwe in Nacht-und-Nebel-Aktionen praktisch enteignet und von ihrem Grund und Boden vertrieben wurden.

Die ehemalige europäische Besetzung des Kontinents wirkt nicht nur in Simbabwe bis heute nach.